Kletterseile
Kaufberatung Kletterseile
Das richtige Kletterseil bei der großen Angebotsvielfalt zu finden, ist nicht einfach. Mit diesem Artikel wollen wir euch helfen, einen besseren Überblick über das Kletterseilangebot zu gewinnen. Außerdem wollen wir euch darüber aufklären, welche Parameter und Eigenschaften beim Seilkauf für euch wichtig sind.
Wichtig: Es handelt es sich hier nur um Empfehlungen nach bestem Wissen und Gewissen. Bitte beachtet immer die Sicherheitshinweise der Seil Hersteller und der verwendeten Sicherungsgeräte und achtet auf eine sichere und sorgsame Handhabung eurer Ausrüstung!
1. Welche Art von Seil gibt es
2. Aufbau eines dynamischen Seiles
3. Hintergrundwissen zum Normsturz, Fangstoß und Dehnung
4. Einfluss von Durchmesser, Mantelanteil, Imprägnierung usw. auf das Seil
5. Die richtige Seillänge
6. Lebensdauer eines Seiles
7. Seilpflege - durch Waschen die Lebensdauer verlängern
1. Welche Art von Seil gibt es:
Einfachseile:
Einfachseile werden hauptsächlich als Einzelstrang fürs Sportklettern am Fels und in Kletterhallen genutzt. Aber auch als Sicherung bei Gletschertouren oder beim Eisklettern kommen Einfachseile zum Einsatz. Der Seildurchmesser liegt bei Einfachseilen zwischen 8,5 und 11mm. Je nach Ausführung können Sie ihre Qualitäten als Vorteile in den einzelnen Disziplinen ausspielen. Natürlich kann man jedes Einfachseil für alle Sportkletterdisziplinen verwenden, egal ob Toprope in der Halle oder Highperformance am Fels. Allerdings sind gewisse Eigenschaften nützlich und andere manchmal irrelevant.
Halbseile und Zwillingsseile:
Diese Kletterseile werden immer im Doppelstrang verwendet und sind vergleichsweise dünner als Einfachseile (7-9mm). Im alpinen Gelände und beim alpinen Sportklettern sowie beim Eisklettern kommen diese Seile bevorzugt zum Einsatz. Zwillingsseile werden dabei wie Einfachseile, allerdings im Doppelstrang, genutzt. Die soliden Zwischensicherungen werden jeweils mit beiden Strängen parallel geklippt. Die einzelnen Stränge dürfen nie nur einfach benutzt werden. Der Vorteil im Gegensatz zu Einfachseilen ist, das auf volle Seillänge abgeseilt werden kann und das eine gewisse Redundanz vorhanden ist. Halbseile (oder Doppelseile) sind minimal dicker als Zwillingsseile und können für Nachsteiger auch im Einzelstrang verwendet werden. Die Stränge können bei komplizierten Absicherungen auch einzeln in die Sicherungspunkte eingehängt werden, werden aber grundsätzlich als Doppelstrang zur Sicherung genutzt. Auch hiermit lässt sich die volle Seillänge zum Abseilen nutzen.
Statikseile:
Wie der Name schon verrät, besitzen Statikseile kaum Dehnungseigenschaften und sind für einen dynamischen Gebrauch ungeeignet und gefährlich. Ein dynamischer Sturz würde den Körper viel zu stark belasten und die Haltekraft des Seils ist deutlich reduziert. Statikseile werden dagegen als Fixseile bei Berg- und Höhenrettung, zum Einrichten neuer Kletterouten, beim Canoyning oder für Bigwalls zum Nachziehen von Material benutzt. Alles EInsatzgebiete, wo Dynamik im Seil unerwünscht ist.
Wanderseile:
Diese Seile sind mehr eine psychische Unterstützung für Kinder an ausgesetzten Stellen auf Wanderrouten und weniger ernsthafte Sicherung für alpine Unternehmungen. Für Gletschertouren oder Kletterrouten sind solche Seile nicht geeignet.
2. Aufbau eines dynamischen Seiles:
Moderne Seile bestehen aus Polyamid bzw. Nylon, welches in Autoklaven dehnbar gemacht und in aufwendigen Verfahren zu sog. Kernmantelseilen verflochten wird. Kernmantelseile bauen sich, wie der Name schon sagt, aus einem Seilkern und dem Seilmantel auf. Der Seilkern, der innerer weiße Teil des Seils, trägt die Hauptlast eines Seiles. Außen herum wird der schützende Mantel des Seils geflochten, der farbige Teil des Seiles. Der Mantel des Seiles ist notwendig, um den Kern vor äußeren Einflüssen wie Abrieb zu schützen, übernimmt aber auch gleichzeitig einen kleinen Teil der Last. Je nach Flechttechnologie können die Eigenschaften des Seiles wie Flexibilität oder Mantelverschiebung stark beeinflusst werden. Außerdem kann durch die Flechtart die Farbmusterung beeinflusst werden um beispielsweise die Seilhälften zur Findung der Mitte unterschiedlich zu gestalten. Ansonsten hat Musterung und Farbe natürlich keine Auswirkung auf die Seilperformance. Verschiedene Veredelungsvarianten in Form von Imprägnierungen geben dem Seil besondere Eigenschaften wie Abriebschutz, Geschmeidigkeit oder schützen beispielsweise vor Nässe und Verschmutzung. Dies trägt zur Haltbarkeit des Seils bei oder verbessert das Handling, wobei gleichzeitig das Gewicht und die Dicke des Seils reduziert werden können.
3. Hintergrundwissen zum Normsturz, Fangstoß und Dehnung:
Kletterseile sind Hochtechnologieprodukte und haben sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Alle nach EU Norm EN892 zertifizierten Seile sind bei richtigem Gebrauch und Pflege sicher und verfügen über genug Sicherheitsreserven. Die Sicherheitskenngrößen geben für die Seilauswahl einige Anhaltspunkte.
Normstürze:
Nach Norm mind. 5. Wer ein langlebiges Seil haben will, wählt am besten eines mit einer hohen Sturzzahl. Die Zahl der Normstütze gibt an, wie oft das Seil eine genormte dynamische Sturzbelastung aushält, bevor es reißt. Dies bedeutet nicht, dass man beim Sportklettern nur entsprechend dieser Zahl häufig ins Seil fallen darf, bevor man es aussortieren muss. Normstürze können in der Regel beim Sportklettern nicht erreicht werden und die Belastung des Seils ist um ein vielfaches geringer. Ein Normsturz ist eine sehr starke Belastung auf nur eine sehr geringe Seillänge. Dabei werden mit 80kg eine Sturzhöhe von ca. 4,50m auf ein 2,50m langes vorgedehntes Seil simuliert. Damit ergibt sich ein sehr hoher Sturzfaktor von ca. 1,75. Beim Sportklettern beträgt ein durchschnittlicher Sturz deutlich weniger als Faktor 1 in einer Größenordnung von 0,3-04, da auch der Sicherer eine gewisse Dynamik des Sturzes abhält und kein statischer Sicherungspunkt besteht. Je mehr Seillänge dabei belastet wird, umso besser kann sich die Last verteilen und umso geringer ist damit der Sturzfaktor. Hohe Seilreibung verursacht durch viele nicht geradlinig angeordnete Zwischensicherungen verschlechtert den Sturzfaktor aber wieder etwas. Nah an einen Normsturz würde man höchstens im alpinen Gelände kommen, sofern man beispielsweise 2m vom Stand wegklettert und ohne Zwischensicherung in einen statischen Haltepunkt (fixer Knoten statt Sicherungsgerät) fällt. Damit kommen rein theoretisch 4m Sturz auf 2m Seil. In diesem Fall ist ein zeitnaher Austausch des Seils anzuraten.
Fangstoß:
Nach Norm max. 12kN. Der Fangstoß wird im Zuge der Normstürze erfasst und beschreibt die Belastung auf den stürzenden Körper. Je höher der Fangstoß umso höhere ist die Belastung auf den Körper des Kletterers.
Statische Dehnung:
Nach Norm max. 10%. Die statische Dehnung ist die Dehnung des Seiles bei einer statischen Belastung von 80kg. Die Kenngröße ist bei der Wahl des Seiles nicht ausschlaggebend, kann aber beispielsweise beim Topropen interessant sein, bei dem der Kletterer häufig im Seil sitzt. Wäre die Dehnung zu groß, würde der Kletterer bei jedem Mal „Sitzen“ zu weit absacken. Statikseile haben entsprechend wenig Dehnung, was beim Nachziehen von Material von Vorteil ist. Eine prozentual niedrigere statische Dehnung lässt die Last also weniger weit absacken.
Dynamische Dehnung:
Nach Norm max. 40%. Die dynamische Dehnung wird während dem ersten Normsturz gemessen und ist eine entscheidende Kenngröße, die hauptsächlich durch den Fangstoß und die statische Dehnung beeinflusst wird. Je geringer die dynamische Dehnung, umso weniger sackt der Kletterer bei einem Sturz ab, jedoch ist der Fangstoß, also die Belastung auf den Körper, höher. Natürlich lässt sich ein „weicher Sturz“ vor allem durch die Art des Sicherns beeinflussen. Allerdings kann man deutliche Unterschiede zwischen weichen und harten Seilen erkennen
4. Einfluss von Durchmesser, Mantelanteil, Imprägnierung usw. auf das Seil:
Durchmesser:
Der Durchmesser eines Seils wird im belasteten Zustand gemessen und kann im unbelasteten Zustand entsprechend größer sein. Je enger ein Seil geflochten ist, umso geringer ist hierbei der Unterschied. Für die Seilauswahl ist der Durchmesser ein wichtiger Anhaltspunkt. Dabei sind dickere Seile aber nicht gleichzeitig sicherer als dünne Seile. Je dünner ein Seil ist, umso leichter läuft es meist durch die Zwischensicherungen, was eine geringere Seilreibung zur Folge hat. Meist haben dünne Seile allerdings einen geringeren Mantelanteil und sind daher weniger robust. Spezielle Flechtverfahren und Beschichtungen können allerdings auch ein dünnes Seil sehr robust machen, was sich dann aber im Preis wiederspiegelt. Ein sehr dünnes Seil kann das Handling beim Sichern etwas erschweren da es auch leichter durchs Sicherungsgerät rutscht. Dies kann bei ungeübten Sicherern problematisch werden. Anfänger und Topropekletterer greifen daher besser zu einem etwas dickeren Seil. Gerade in der Halle mit gerader Routenführung ist das Thema Seilreibung eher zu vernachlässigen. Wer am Fels wenig Widerstand für die schweren Projekte sucht, greift zu einem dünneren Seil. Allerdings sind die meist weniger robusten dünnen Seile bei häufigem Ausbouldern (Stürzen und Sitzen) auch schneller durchgeklettert, sofern die Flechtart oder Veredelung nicht entgegen wirkt.
Metergewicht:
Das Gewicht eines Seiles pro Meter spielt vor allem bei langen Seilen eine Rolle. Bei langen Ausdauerrouten hängt irgendwann eine spürbare Masse des Seils nach unten am Gurt. Wer wenig Widerstand anstrebt oder Gewicht beim Zustieg sparen will, greift zu einem leichteren Seil. Meist sind dies auch die dünneren Seile. Beim Topropeklettern allerdings spielt das Gewicht des Seils überhaupt keine Rolle. Es hängt ja nicht nach unten am Gurt. Fürs Topropeklettern oder die Halle mit vergleichsweise kurzen Routen kann man also bedenkenlos zu einem schwereren Seil greifen. Das Gesamtgewicht ergibt sich am Ende hauptsächlich durch die Seillänge, die 80m für kurze Boulderrouten sind also höchstens Trainingsgewicht beim Zustieg.
Mantelanteil:
Der Mantelanteil ist zwar ein wichtiges Merkmal bei der Auswahl von Kletterseilen, wird häufig aber nicht vom Hersteller angegeben. Grundsätzlich bietet ein hoher Mantelanteil einen größeren Schutz des Kerns und eine gewisse Robustheit, was beim Ausbouldern von Routen oder häufigem Topropeklettern unter Last von Vorteil sein kann. Meist sind Seile mit hohem Mantelanteil allerdings auch dicker und schwerer. Ein geringer Mantelanteil führt aber dazu, dass Seile schneller durchgescheuert werden und eine kürzere Lebensdauer haben, sofern man nicht nur Onsight oder Rotpunkt klettert. Auch hier kann eine Veredelung durch Imprägnierung oder Flechtart dem entgegenwirken.
Flechtart:
Spezielle Flechttechnologien können die unterschiedlichsten Vorteile für ein Seil bringen. Hauptmerkmale sind das Flechtmuster oder die Verbindung von Kern und Mantel. Variationen im Flechtmuster an Seilenden oder Unterschiede beider Seilhälften helfen die Enden oder die Seilmitte besser zu erkennen und das Restseil bei langen Routen abzuschätzen. Durch eine Änderung im Flechtverfahren sehen Seile dann von Hälfte zu Hälfte oder am Ende unterschiedlich aus. Dies ist aber hinfällig, sobald die Seile irgendwann gekürzt werden. Diese Technologien findet man unter den Namen Bicolor, Colortec. Duotec usw ...
Für die Kern-Mantel-Verbindung von Kern und Mantel kommen auch unterschiedliche Flecht- oder Verbindungsverfahren zum Einsatz. Dies hilft, um Mantelverschiebungen dauerhaft zu reduzieren und ein langanhaltend besseres Handling zu gewährleisten. Besonders beim dauerhaften Topropeklettern ist eine gute Verbindung zwischen Kern und Mantel vorteilhaft. Dabei werden der Kern und der Mantel teilweise verwoben wie z.B. beim Beal UniCore oder miteinander verklebt, wie es bei Edelrid Linktec der Fall ist.
Imprägnierung:
Imprägnierungen von Seilen schützen das Seil vor Schmutz, Nässe oder machen es dauerhaft geschmeidiger. Mit Imprägnierungen ist es möglich, auch dünnere Seil widerstandsfähiger zu machen. Nässeimprägnierungen schützen das Seil vor Feuchtigkeit und halten damit nicht nur das Seil trocken und leicht, sondern erhalten auch die dauerhafte Festigkeit. Somit ist eine Nässeimprägnierung nicht nur für Kletterer sinnvoll, die in Eis und Schnee unterwegs sind, sondern auch fürs Sportklettern am Fels. Für den reinen Gebrauch in der Kletterhalle kann man sich eine Nässeimprägnierung sparen. Imprägnierungen schützen auch vor Verschmutzung und gehen häufig mit der Nässeimprägnierung einher. Dies verlängert damit nicht nur die Lebensdauer des Seils, sondern auch der übrigen Ausrüstung, da der Abrieb reduziert wird.
Weitere Imprägnierungen wie beispielsweise das Thermoschild von Edelrid halten die Fäden geschmeidiger, verbessern das Handling und machen den Mantel haltbarer. Imprägnierungen gegen Schmutz und Nässe sind für alle Anwendungen von Vorteil. Beim reinen Hallenklettern, vor allem im Toprope, ist es aber nicht zwingend notwendig.
Mantelverschiebung:
Manche Hersteller geben die Mantelverschiebung des Seils an, also wie weit man den Mantel gegen den Kern verschieben kann. Dies gilt allerdings nur bei neuen Seilen und kann sich im Lauf der intensiven Benutzung stark ändern. Grundsätzlich hilft eine feste Verbindung zwischen Mantel und Kern gegen Mantelverschiebungen, welche besonders bei häufigem Topropen provoziert werden. Mantelverschiebungen können Handlingsprobleme und Beulenbildung im Seil verursachen, was ein Aussortieren des Seils unvermeidlich macht.
5. Die richtige Seillänge:
Die Wahl der Seillänge ist stark davon abhängig, wo man klettert. Grundsätzlich muss mindestens die doppelte Routenlänge als Seillänge verwendet werden. In der Natur sollte zusätzlich ein Sicherheitspuffer eingeplant werden, da Routenlänge und Abseillänge nicht immer gleich sind. Wer viel ausbouldert und stürzt, sollte zusätzlich ein paar Meter einplanen, damit das Seil an den schlechten Enden gekürzt werden kann und trotzdem die Seillänge für die Routen ausreicht. Für die meisten Hallen reicht ein 50m Seil, wer in südlichen Klettergebieten unterwegs ist, benötigt häufig 70-80m. Einzelne Seile werden sogar in 100m angeboten. Im Frankenjura sind die meisten Routen recht kurz und man muss keine 80m durch die Gegend schleppen.
WICHTIG: IMMER ÜBER DIE ROUTENLÄNGE INFORMIEREN UND EINEN KNOTEN INS SEILENDE MACHEN, UM UNFÄLLE ZU VERMEIDEN!
6. Lebensdauer eines Seiles
Die Lebensdauer eines Seiles ist stark von der Häufigkeit der Nutzung und vor allem dem Handling abhängig. Wer sein Seil pflegt und sauber hält, wird es länger behalten können und schont nebenbei noch das übrige Material. Alterung von Seilen zeigen sich durch durchgewetzte und aufgepelzte Mäntel, Mantelverschiebung und Beulenbildung oder dadurch, dass sie starr und unflexibel werden. Dabei verhält sich jedes Seil auch abhängig von der Nutzung unterschiedlich. Grundsätzlich sollte das Seil regelmäßig auf Beschädigungen geprüft und gepflegt werden. Im Zweifel sollte man ein Seil lieber früher als später austauschen, schließlich hängt das Leben daran. Unabhängig von Beschädigungen kann man sich an folgenden Lebensdauern orientieren:
| ständig | (fast täglich) | weniger als ein Jahr |
| häufig | (jede Woche) | bis zu einem Jahr |
| regelmäßig | (mehrmals im Monat) | bis zu 3 Jahre |
| gelegentlich | (ca. einmal im Monat) | bis zu 5 Jahre |
| selten | (ein- bis zweimal im Jahr) | bis zu 7 Jahre |
| nie | max. 10 Jahre |
7. Seilpflege - durch Waschen die Lebensdauer verlängern
Hinweise zu Seilpflege und Beschädigungsmerkmalen finden sich im extra Artikel „Kletterseile - der ultimative Guide zur Pflege“ im VerticalExtreme.de Blog.
Quellennachweise:
Pit Schubert: Normprüfung von Bergseilen. In: bergundsteigen. Nr. 2, 2003, S. 42–49: http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2003/2/print/42-49%20(heilamseil).pdf (5.7.18)
Edelrid Seilfibel 2015 (5.7.18)
Welches Seil für welchen Einsatz? – Schnelle Entscheidungshilfe
Durchmesser und Länge stehen schon weiter oben – aber welche Kombination passt zu deinem Einsatz? Hier die wichtigsten Fälle auf einen Blick:
Kletterhalle & Sportklettern in der Gruppe: Ein etwas dickeres Einfachseil läuft angenehm robust und langlebig durchs Sicherungsgerät. Für kurze Hallenrouten reichen oft 40–50 m, für hohe Hallen und Toprope sind 60 m die sichere Wahl.
Klettergarten & Sportkletter-Projekte am Fels: Ein imprägniertes Einfachseil im mittleren Durchmesserbereich ist der klassische Allrounder – angenehm zu handhaben und trotzdem standfest. 60 m sind Standard, für lange Routen lohnen sich 70 m. Prüfe vorher die Längenangabe im Topo.
Alpin & Mehrseillängen: Hier punkten dünnere, leichtere Seile, die sich gut tragen lassen. Wer abseilen muss, ist mit Halb- oder Zwillingsseilen flexibler. Eine Vollimprägnierung (Dry) ist im Gebirge fast Pflicht.
Passt mein Seil zum Sicherungsgerät?
Ein oft übersehener Punkt: Jedes Sicherungsgerät ist für einen bestimmten Durchmesserbereich freigegeben. Dünne Seile rutschen in einem Gerät, das für dickere Seile gedacht ist, leichter durch; sehr dicke Seile lassen sich in einem Gerät für dünne Seile kaum noch sauber bedienen. Achte deshalb darauf, dass der Durchmesser deines Seils in den vom Hersteller angegebenen Bereich deines Tubes oder Halbautomaten fällt – die Angabe findest du auf dem Gerät und in der Bedienungsanleitung. Im Zweifel berät dich unser Team gern.
Fachhandel statt Billigware
Ein Kletterseil ist Persönliche Schutzausrüstung (PSA). Nur ein nach EN 892 geprüftes Dynamikseil ist zum Sichern beim Klettern zugelassen – ein optisch ähnliches Seil aus dem Baumarkt ist das in der Regel nicht. Achte beim Kauf immer auf die Normkennzeichnung und greife zu geprüften Modellen etablierter Hersteller.
Häufige Fragen
Welchen Seildurchmesser soll ich wählen?
Ein Einfachseil mit rund 9,5–10 mm ist der Allrounder. Dünnere Seile (8,5–9,2 mm) sind leichter, aber empfindlicher und verlangen geübtes Sichern; dickere Seile (über 10 mm) sind robuster und ideal für Toprope und Halle.
Welche Seillänge brauche ich?
60 m sind Standard, viele moderne Sportklettergebiete erfordern jedoch 70 oder 80 m. Für die Halle reichen oft 40 m. Prüfe die Routenlängen deines Gebiets.
Einfach-, Halb- oder Zwillingsseil?
Das Einfachseil (ein Strang) ist Standard für Sportklettern und Halle. Halbseile (zwei Stränge wechselweise geclippt) reduzieren Seilreibung im Alpin- und Eisklettern. Zwillingsseile werden immer parallel geführt und erlauben lange Abseilstrecken.
Was bedeutet Dry- bzw. Imprägnierung?
Eine Dry-Behandlung macht das Seil wasserabweisend, sodass es bei Nässe, Schnee und Eis kein Wasser zieht, leichter bleibt und weniger schnell altert – wichtig für Alpin- und Eisklettern.
Wann sollte ich ein Kletterseil aussortieren?
Nach einem harten Sturz, bei sicht- oder fühlbaren Mantelschäden, freiliegendem Kern oder Chemikalienkontakt – und spätestens nach der vom Hersteller angegebenen Höchstlebensdauer.


