Sanierung der Tour „Wunderland“ an der Geiselstein-Nordwand
02/07/2018Der Geiselstein, auch „Peitinger Matterhorn“ genannt, ist eine ästhetische Felsnadel im Ammergau. Seit 1995 bin ich dort beim Klettern unterwegs. Auch durch meinen Umzug Anfang 2015 nach Holzkirchen bleibt er für mich ein großes Stück Heimat. Daher habe ich beschlossen, einen kleinen Beitrag zur Erhaltung der heimischen Kletterrouten zu leisten.

Der Geiselsteingipfel
Meine Wahl fiel auf die Route „Wunderland der Träume“, von der ich den oberen Teil ab dem markanten Grasband saniert habe. In Kombination mit der Route „Neue Nordwand“ ergibt sich somit eine nahezu perfekte Linie durch die Geiselstein-Nordwand. Nach Absprache mit dem Erstbegeher, der großen Wert auf die Beibehaltung des alpinen Charakters der Tour legt, stand einer 1 zu 1-Sanierung nichts mehr im Wege. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich die Tour jedoch gerne etwas entschärft und mit ein paar mehr Bolts ausgestattet.

Unten der alte Orginalbohrhaken, oben neue 10 bzw. 12 mm Bohrhaken
Die Sanierung erfolgte von oben. Dazu habe ich 300 Meter Statikseil in der Wand fixiert. Für die Statikseile und die Petzl Ascensions machte mir das Team von Vertical Exteme einen guten Preis. Vielen Dank für die Unterstützung!
Erste bis dritte Seillänge
Am 1. Juli 2018 sind wir die frisch sanierte Tour geklettert. Dazu stiegen wir über die Neue Nordwand/Schertelweg ein. Leider musste ich feststellen, dass die erste Länge vom oberen Wunderland (erste Länge vom Band in der Mitte der Wand) im oberen Teil sehr brüchig ist und die mit Kevlarschlingen ausgetauschten Sanduhren weit auseinander liegen. Ohne Streckenkenntnis bleibt dieser Teil bezüglich der Wegfindung eine Herausforderung. Hier könnte man mit einer Verlegung der Linie nach rechts in festeres Gestein und besserer Absicherung die Route deutlich aufwerten. Auch in der zweiten Länge bleibt die Wegfindung nach den vom Stand aus gut sichtbaren Bohrhaken schwierig. Hier muss man am zweiten Bohrhaken nach links und etwa 4 bis 5 Meter nach oben zu einem Bohrhaken. Danach geht es wieder leicht links über eine Felsrippe, dahinter folgt nochmal ein Bohrhaken. Das ist zwar nicht die Originallinie, aber dafür ist sie abgesichert. Ich brauchte die zwei Bolts zur Fixierung des Statikseils aufgrund der Querung der Route. Danach geht es immer links haltend auf einen kleinen Pfeiler. Die dritte Länge hat einen zusätzlichen Bohrhaken bekommen. Die Absicherung ist so immer noch zwingend genug.

In der dritten Seillänge
Vierte Seillänge
Die vierte Seillänge erfordert solides, sicheres 7er-Niveau. Die Abstände sind im Originalzustand geblieben und meiner Meinung nach zu weit. Der Haken im legendären Quergang sitzt nun tiefer als früher, worüber sich vor allem die Nachsteiger freuen dürften.

Fünfte Seillänge
Für die fünfte Seillänge braucht man unbedingt einen gelben Black Diamond Camalot Größe 2 zwischen zweitem und drittem Bohrhaken. Der Abstand ist sonst furchterregend weit. Auch hier wäre ein Bohrhaken mehr sicher kein Luxus.
Oben geht es unter einem kleinen Dach mit Untergriffen kraftvoll rechts heraus. Hier habe ich bei einer späteren Begehung einen Schlaghaken entdeckt, den ich beim Sanieren nicht gesehen hatte und der dementsprechend nicht ausgetauscht wurde, ärgerlich. Man kann aber auch gut Camalots in Größe 0,5-2 legen. Der Stand am Pfeiler ist mit einer 12mm-Fixe-Kette ausgestattet.

Stand am Ende der fünften Seillänge mit einer 12mm Fixe-PLX Kette
An der nächsten 5er-Länge startet man kurz nach links und tänzelt unterhalb eines Bauches gleich nach rechts um den Bauch herum zum ersten und einzigen Bohrhaken bei einer Latsche. Man sieht diesen vom Stand aus. Auch hier wäre ein weitere Haken auf der Platte nach dem Stand wünschenswert. Danach geht es zum Stand leicht nach links. Die nächste Länge beginnt mit einer Platte, die mit einem neuen 12mm-Bohrhaken und einer leicht rostenden geklebten Gerüstöse ausgestattet ist. Nach Rücksprache mit dem früheren Leiter des DAV-Sicherheitskreises ist sie zum derzeitigen Zeitpunkt noch ausreichend tragfähig. Auf der Platte muss man 3 bis 4 Meter wegklettern bis man wieder eine SU-Schlinge erreicht. Ein weiterer Bohrhaken wäre hier sicherlich nervenschonend.
FAZIT
Summa summarum ist und bleibt der obere Teil vom Wunderland eine anspruchsvolle Alpinfahrt. Routenspürsinn und ein sicherer Umgang mit Cams (vor allem 0,4 bis 2) sind unbedingt erforderlich. Der Plaisirkletterer ist hier fehl am Platz. Bei einer früheren Begehung schwebte der Rettungshubschrauber Christoph 17 in der ersten Länge nach dem Band 50 Meter neben mir, um jemand aus dem „Achten Himmel“ in der Geiselstein-Ostwand zu retten. Um solche Einsätze zu vermeiden und die Krankenkassen vor unnötigen Kosten zu bewahren, sollte man immer Herr der Lage sein!
Generell würde ich mir als Sanierer eine größere Freiheit wünschen, denn wer macht schon einen Kniefall vor dem Erstbegeher, um eine Route 1 zu 1 zu sanieren? Vielleicht einmal, aber sicherlich nicht mehrfach. Die Konsequenz daraus ist, dass viele lohnenswerte Routen verfallen. Ein gewisser Mindeststandard an Absicherung sollte bei einer Sanierung möglich sein. Ansonsten werde ich sicherlich nicht mehr zur Bohrmaschine greifen. Die heroischen Zeiten des Klettern sind meiner Meinung nach definitiv vorbei.

Weitere Klettergebiete in der Region Oberammergau findet man in diesem Kletterführer.








