„Nur in der Natur kann ich so richtig abschalten“
29/06/2018Interview mit dem Bergsport- und Outdoorhändler Michael Huber
Michael Huber kennt beide Seiten vom Camping unter freiem Himmel. Zum einen ist er privat oft in den Bergen unterwegs und verbringt während seinen Touren häufig die ein oder andere Nacht am Berg. Zum anderen ist er selbstständiger Online-Händler, der Outdoor- und Bergsportartikel vertreibt, mit denen man gut gewappnet seine Nächte in der Natur verbringen kann.
Vielen Dank für Deine Zeit Michael. Du bist ein Fan vom Schlafen in der Natur, insbesondere vom Campieren in den Bergen. Wie genau verbringst Du Deine Nächte unter freiem Himmel?
Michael: Einige große Bergtouren kann man nur meistern, wenn man eine oder mehrere Nächte am Berg verbringt. Man schlüpft dann abends nach der Tour in seinen Schlafsack und steht früh morgens auf, um die Tour fortzusetzen. Dafür wird man mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang belohnt und kann mit neuer Energie die Herausforderung meistern. Wenn ich die Nacht am Berg verbringe, dann tue ich das meistens in meinem 1-2 Personen-Zelt, wobei ich sagen muss, dass das Zelt für 2 Personen schon sehr eng ist – aber es geht natürlich! Das Zelt ist superleicht, was von Vorteil ist, wenn man auf das Gewicht vom Rucksack achten muss. Wenn ich nur eine Nacht draußen schlafe, nehme ich auch gerne meinen Biwak-Schlafsack. Das ist für eine Nacht völlig in Ordnung und vermittelt einem ein noch besseres Gefühl von Freiheit.
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Du besitzt auch ein Dachzelt, welches man auf das Autodach seines Autos montieren kann. Unter welchen Umständen benutzt Du das zum Schlafen?
Michael: Wenn man vor einer Bergtour noch eine Nacht im Tal verbringen muss, damit man möglichst früh starten kann, schlafe ich im Dachzelt auf meinem Auto. Das ist natürlich sehr komfortabel, weil man vor Wind und Wetter geschützt ist und man sich fast wie in einem Bett vorkommt und dabei trotzdem die Nähe zur Natur hat.
Hat es beim Schlafen im Dachzelt schon mal Probleme mit dem Gesetz gegeben?
Michael: Nur einmal und das war in Slowenien. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich dort in einem Nationalpark geschlafen habe und das ist in fast allen Ländern verboten. Den Park musste ich daraufhin verlassen und es war eine Strafe von 50 Euro fällig. Das ging zum Glück recht glimpflich aus, kann aber unter Umständen noch um einiges teurer werden. Normalerweise rate ich Camping-Interessierten immer davon ab, in einem Nationalpark zu campieren, aber manchmal wird man von äußeren Umständen dazu gezwungen.
Welche Nacht im Freiem ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?
Michael: Das war beim höchsten Berg Südtirols dem Ortler in sehr steilem Gelände. Dort habe ich bei einer Tour mit meinem Kumpel in einer winzigen und schmalen Höhle am Felsen biwakiert. Als wir es uns mit Isomatten und Schlafsäcken „bequem“ gemacht hatten, zog direkt an unserem Schlafplatz ein Gewitter vorbei. Zum Glück waren wir in der Höhle gut geschützt. Das war sehr beeindruckend, aber man bekommt schon ein mulmiges Gefühl. Nach einer kurzen Nacht ging es früh morgens um 3 Uhr weiter und wir haben bei Traumwetter den Gipfel erklommen.
Du hast Deine Leidenschaft zum Beruf gemacht und führst seit 2007 ein erfolgreiches Outdoor-Geschäft im Oberland. Wie kam es dazu, dass du Dich genau in diesem Bereich selbstständig gemacht hast?
Michael: Ich habe mich schon seit dem frühen Kindesalter für Berge und die dazugehörige Ausrüstung interessiert und dazu kommt mein Interesse an der Betriebswirtschaft, was ich nebenbei studiert habe. Außerdem wollte ich schon immer etwas machen, bei dem ich mein eigener Chef und selbst kreativ sein kann. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, hatte ich die Illusion, als Selbständiger flexibler zu sein und häufiger zum Klettern oder Bergsteigen wegfahren zu können. Das war jedoch, zumindest die ersten Jahre, nicht möglich. Jede freie Minute habe ich in mein Unternehmen investiert und hart gearbeitet. Mittlerweile hat sich alles stabilisiert und ich bin mit dem Geschäft zufrieden. Da ich mich stets auf meine Mitarbeiter verlassen kann, habe ich auch mal die Möglichkeit zwischendurch für ein paar Tage in die Berge fahren zu können. Das ist mir sehr wichtig, da ich nur in der Natur so richtig abschalten kann.
Merkst Du, dass die Anzahl der Leute, die ihre Freizeit in der Natur verbringen wollen, wächst?
Michael: Definitiv. Vor allem bei jungen Leuten sieht man das Phänomen. Als ich 2007 meinen ersten Laden eröffnet habe, waren es hauptsächlich Bergsteiger mittleren Alters, so ab Mitte 30. Heute geht das bereits im Alter von 16 Jahren los. Viele Jugendliche und junge Erwachsene verbringen ihre Freizeit gerne beim Wandern, Trekking, auf Klettersteigen sowie beim Bouldern und Alpinklettern in den Bergen. Es zieht wieder viele raus in die Natur und nicht mehr nur ins Fitnessstudio.
Woran denkst Du könnte das liegen?
Michael: Junge Leute von heute suchen einen Gegenpool zur immer stärker werdenden Technisierung und zum wachsenden Druck von außen, dass man studieren und viel erreichen muss. Dadurch suchen viele wieder die Nähe zur Natur, um sich vom Alltag lösen zu können.
Auf welche Utensilien verzichtest Du bei einer Nacht im Freien nicht?
Michael: Für mich ist eine Stirnlampe sehr sehr wichtig. Eine bequeme Isomatte habe ich auch immer dabei, wobei ich da nicht unbedingt am Gewicht spare, weil es mir wichtiger ist, gut zu liegen. Ich schlafe dann einfach besser und bin am nächsten Tag fit und erholt. Ein Schlafsack und eine Mütze dürfen bei mir auch nicht fehlen. Einen kalten Kopf sollte man unbedingt vermeiden.
Ich habe auch noch ein cooles Gadget, dass ich beim Camping gerne mitnehme und zwar eine spezielle Kissenhülle. Man kann einfach seine Jacke oder ein anderes Kleidungsstück in die Hülle stopfen und hat ein bequemes Kissen, welches kaum Platz wegnimmt und so gut wie nichts wiegt.








