Test – Edelrid Ohm
25/08/2018| Hersteller: Edelrid
Funktionalität: Vorschaltwiderstand zur Erhöhung der Seilreibung Einsatzbereich: Sportklettern, Hallenklettern Highlights:
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Gerade Pärchen kennen das Problem: Er ist meist viel schwerer als seine Partnerin und sobald er stürzt, fällt er sehr weit oder stürzt sogar auf den Boden. Die Sichernde wird hingegen nach oben katapultiert und stößt womöglich unsanft mit dem Kletterer oder der Wand zusammen. Schwerwiegende Verletzungen durch Bodenstürze oder das Zusammenkrachen von Kletterer und Sicherer sind eine häufige Auswirkung. Das Edelrid Ohm bietet eine Lösung für diese Problematik, nämlich die Möglichkeit, auch mit höherem Gewichtsunterschied der Seilpartner sicher klettern gehen zu können. Verwendet wird es zusätzlich zu einem Sicherungsgerät.
Einsatzbereich:
Der DAV empfiehlt nur einen begrenzten Gewichtsunterschied der Seilpartner. Sofern der Vorsteiger deutlich schwerer ist, kann es andernfalls sehr gefährlich werden. Das Ohm erweitert den möglichen Gewichtsunterschied deutlich. Je nach Gewicht der Kletterer kann mit dem Ohm also eine deutlich schwerere Person sicher gesichert werden. Beim Vorsteigen im Klettergarten oder in der Halle findet das Ohm seinen Einsatz. Einfachseile von 8,9mm bis 11mm Durchmesser sind für das Ohm geeignet.

Funktion:
Das Edelrid Ohm ist ein vorgeschalteter Widerstand in der Sicherungskette und dient als zusätzliche Seilbremse. Das Seil wird in das Ohm eingelegt und der Karabiner in den ersten Haken anstatt der Expressschlinge eingehängt. Der Kletterer ist dabei ganz normal eingebunden und der Sicherer bedient wie gehabt das Sicherungsgerät. Stürzt der viel schwerere Kletterer, bremst das Ohm den Sturz zusätzlich ab, indem das Seil im Gerät leicht abgeklemmt wird. Sitzt der Kletterer im Seil, kann der leichtere Seilpartner den Kletterer viel besser in der Position halten, sobald das Ohm das Seil verklemmt. Wird weitergeklettert, lockert sich das Ohm wieder und das Seil läuft frei durch.

Edelrid Ohm im Einsatz
Gefahren:
Das Ohm darf niemals anstelle des normalen Sicherungsgeräts verwendet werden, sondern dient ausschließlich als zusätzliche Seilbremse. Auch muss das Seil immer richtig herum in das Ohm eingelegt werden und das Ohm unverdreht im ersten Haken hängen, damit es die Bremskraft entwickeln kann.
Wird das Ohm eingesetzt wenn der Vorsteiger nicht deutlich schwerer ist, also gleich schwer oder leichter ist als der Sicherer, werden Stürze automatisch sehr hart. Dadurch entsteht wieder erhebliche Verletzungsgefahr des Kletterers beim Aufprall in die Wand. An der Grafik von Edelrid kann man sich über die vertretbaren Gewichtsunterschiede informieren.

Fazit:
Wir sind mit dem Ohm an die Grenzen gegangen, um zu sehen, was es wirklich kann. Die spektakulären Bilder des Tests könnt ihr im Video oben sehen.
Die leichte Sicherungspartnerin mit 45kg und meine 77kg als Kletterer gaben das ideale Testpärchen. Mit ca. zusätzlich 71% Gewicht bewegten wir uns am obersten Ende des empfohlenen Gewichtsunterschieds. Zur Sicherheit haben wir die ersten Versuche mit weiten Stürzen vom Umlenker in den etwas entfernten letzten Zwischenhaken einer 30m langen Route gemacht. Also genug Platz zum Boden, um die Grenzen auszuloten. Mit Ohm waren die Stürze genauso weit wie mit einem ähnlich schweren Sicherungspartner und die Sichernde wurde nur leicht nach oben gezogen. Ohne Ohm wurde der Sturz extrem weit und die Sichernde wurde bis zum zweiten Haken hochgezogen. Den ersten Haken hatten wir zur Sicherheit ausgehängt. Wäre der Sturz in dieser Form weiter unten passiert, könnte man von einem sicheren Bodensturz ausgehen.
Kritischer sind Stürze in Bodennähe, daher haben wir auch das getestet. Natürlich mit reduzierter Sturzhöhe. Dabei sind wir in den zweiten Haken oder direkt in den ersten Haken gesprungen, jeweils mit Ohm und ohne Ohm. Während ich ohne Ohm jedes Mal mit der Sichernden zusammengestoßen bin, wurden die Stürze mit Ohm sehr gut abgebremst ohne zu hart zu werden. Sogar der Sturz direkt in das Ohm war unproblematisch.
Das Seil läuft beim Ausgeben nach etwas Übung frei und locker durch das Ohm. Selbst unser altes, dickes Seil blockierte im Ohm nach kurzer Gewöhnungsphase nicht mehr. Das richtige und unverdrehte Einhängen verlangt auch etwas Übung, ist aber schnell und einfach in die Routine integriert.
Schwierigkeiten bei der Verwendung:
Neben den bereits erwähnten Gefahren gibt es allerdings auch einen weiteren kleinen Wermutstropfen: Die Bergung des Geräts nach getaner Arbeit. Sofern die Route stark überhängt und der erste Haken weiter oben ist, kann das Zurückholen des Ohm unter Umständen etwas mühsamer werden. Aber selbst dafür gibt es Lösungen: Dem Betastick Clipstick sei Dank.
Alles in allem eine klare Kaufempfehlung für das Edelrid Ohm für Seilpartner mit großem Gewichtsunterschied.








