Sportklettern auf Curacao in der Karibik
20/02/2025Traumstrände wie aus dem Bilderbuch, Wasser so klar und blau wie Blue Curacao: Ein Paradies zum Baden, Schnorcheln, und Tauchen. Wer an die Insel Curacao in der südlichen Karibik denkt, wird nicht erwarten, dass sich hier auch ein kleines Sportkletterjuwel versteckt. Doch werden wir bei unserem Besuch vollkommen überrascht: Felswände, gespickt mit Löchern und Sintern, erinnern an Finale und Kalymnos. Schatten und Wind versprechen gute Bedingungen sogar auf diesem Breitengrad. Curacao beweist sich als Paradies in vieler Hinsicht.

Schildkröte am Playa Forti – Foto Martin Wagner
Zufallsfund und glückliche Kontakte:
Unser Urlaub war genau dafür geplant, womit man die Insel in erster Linie in Verbindung bringt. Erstklassige Tauchspots mit tropischer Unterwasserwelt, fantastische Korallenriffs zum Schnorcheln und Traumstrände, um ausgiebig Sandburgen zu bauen lockten uns genau hierher, um mit der Familie mal fernab von vertikalen Felswänden zu entspannen. Kurz vor Abflug stolpere ich über Bilder mit versinterten Kalkwänden und frisch gemeldeten Erstbegehungen. Nach etwas mehr Recherche kann ich meinen Augen kaum trauen und der Entschluss neben Tauchen und Strand auch wenigstens einen Tag klettern zu gehen ist schnell gefasst.
Schnell habe ich die richtigen Kontakte ausfindig gemacht. Sam Conley, ein Amerikaner, dessen Bilder meine Aufmerksamkeit erweckt haben, versorgt mich mit sämtlichen Informationen. Er und seine Freunde haben einen Großteil der Routen erschlossen und ältere Routen saniert und kennen sich somit bestens im Gebiet aus. Durch einen glücklichen Zufall überschneidet sich sogar unser Besuch auf Curacao und wir treffen uns im Topsektor der Insel. Ein weiterer wichtiger Kontakt ist zu den lokalen „Bergführern“ des RCC (Rockclimbing Curacao), welche mich mit Ausrüstung versorgen. RCC organisiert geführte Wanderungen, Klettersteigtouren und Klettertage am Tafelberg, erschließen Pfade und Kletterrouten, und halten alles in Schuss. Außerdem macht RCC den Zugang zum Tafelberg auf dem Privatgelände erst möglich und bringt alle Besucher mit dem Geländewagen zum Ausgangspunkt. Ohne RCC ist der Zugang nicht möglich.
Zugang zum Tafelberg:
Als wir uns von Norden aus der Hauptstadt nähern, lassen sich ein paar plateauartige Hügel mit Felswänden erspähen. Unser Ziel ist aber der Tafelberg weiter im Süden. Dieser liegt auf Privatgelände und ist erst seit einigen wenigen Jahren überhaupt zugänglich. Allerdings nur in Begleitung des RCC und mit einem Eintrittsgeld auf das Gelände.
Ein großer Eingangskomplex markiert die Zufahrt zu dem weitläufigem Arial, auf dem sich neben Luxushotels und einem Golfplatz auch der Tafelberg befinden. Hier kommt man also tatsächlich nur in Begleitung des RCC weiter, der uns mit einem Geländewagen auf wilden Wegen quer durch das Buschland bis zum Ausgangspunkt bringt. Mit 30USD p.p. wird der Eintritt und die Fahrt zum Ausgangspunkt eher kostspielig. Vom Ausgangspunkt geht es in 15min Fußmarsch über perfekt markierte Trails bis zu den ersten bereits sichtbaren Sektoren. Von Golfplatz und Hotelanlagen sieht man hier zum Glück nichts.

Blick vom Tafelberg – Foto Sam Conley
Topsektoren am Tafelberg:
Angekommen am Tafelberg reihen sich die Sektoren aneinander und schnell wird klar, dass die Erschließungswelle erst den Anfang genommen hat. Immerhin gibt es mit ca. 5 Sektoren und etwa 100 Routen schon genug, um sich die Finger lang ziehen zu können. Wir suchen uns den Topsektor Islawall aus, wo man Routen von 5.8. bis 5.13a (5b – 8a) beklettern kann. Am linken Ende finden wir eine senkrechte Wand, die von Wind und Wasser stark zerfressen ist. Die Struktur mit Henkeln, Leisten und Löchern erinnert stark an Finale Ligure. Ein kurzer Klettersteig mit massivem Stahlseil zieht nach rechts oben durch die Wand. Die Sportkletterrouten gehen mit bis zu 30m schnurgerade nach oben und beweisen sich mit perfekter Felsqualität und bieten uns die perfekte Auswahl an Routen zum Aufwärmen. Besonders zu erwähnen ist dabei „the forms“ 5.11a (6c).

Martin Wagner klettert Verboten Toegang 5.12c on Isla Wall – Foto Martin Wagner
Der Hauptsektor der Islawall ist eine massive Wand mit senkrechten und technischen Routen im rechten Teil und einer beeindruckenden 30° überhängenden Headwall im linken Teil. Die Strukturen hier erinnern stark an Kalymnos, aber mit dem gewissen karibischen Touch. Hier finde ich auch die Route, durch deren Bilder ich auf das Klettern auf Curacao aufmerksam geworden bin. „Verboten Toegang“, bewertet mit 5.12c (7c), zieht mitten durch die mit Sinterzapfen gespickte überhängende Headwall und steht ganz oben auf der ToDo Liste. Schnell darf ich feststellen, dass Sams Bilder nicht zu viel versprochen haben. Im Onsight genieße ich jeden einzelnen Zug der genialen Route. Weiter rechts zeigen Sam, Sam und Ray was es heißt technische Ausdauerkletterei an kleinen Leisten zu meistern. Eine Traumlinie neben der anderen schlängelt sich durch die rund 40m hohe Wand.
Neben der Islawall reihen sich noch einige weitere vielversprechende Sektoren wie Santa Barbara und Tsunami Wall
entlang der Nordseite des Tafelbergs. Schnell ist klar, das Potential für neue Sternerouten ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Ray Rice Klettert Wax and Wane 5.10d on Santa Barbara Wall – Foto Sam Conley
Weitere Klettermöglichkeiten auf der Insel:
Neben dem Tafelberg gibt es noch ein paar andere kleine Sektoren, die sich im Umkreis der Hauptstadt Willemstad befinden. Piscadera zeigt dabei noch am meisten Potential. Die Interessantesten und mit Abstand meisten Routen finden sich aber am Tafelberg.

Die Insel ist mit einer steilen Felsküste umgeben, dessen Wände die direkt ins Wasser abfallen. Beim Schnorcheln und Schwimmen stechen besonders an der nördlichen Westseite immer wieder interessant aussehende Strukturen hervor. Mit Schlauchboot lassen sich hier mit Sicherheit einige coole Linien für das seilfreie Klettern über dem Wasser finden. Offiziell erschlossen ist aber noch nichts.

Zum Bouldern bietet die ganze Insel Potential. Interessante Blöcke und Wände sind an allen Ecken der Insel zu finden. Wirklich erschlossen ist es bisher aber auch nur am Tafelberg, sowie den Felsblöcken darunter.
Fazit:
Der Tafelberg auf Curacao überzeugt uns mit Routen und Felsqualität. Das vorhandene Potential für neue Routen verspricht noch einiges für die Zukunft. Aber auch jetzt gibt es genug Routen, um sich eine Zeit lang beschäftigen zu können.
Während man sich meistens über rauen und frischen Fels freut, ist es am Tafelberg fast schon zu scharf. Wind und Meeresluft machen den Fels extrem scharfkantig. Gepaart mit der vom tagelangem Baden und Tauchen aufgeweichten Haut ist bei uns nach nur 5 Routen leider schon Schluss und die Finger durchgescheuert.

Scharfer Fels am Tafelberg
Der hohe Eintrittspreis, um am Tafelberg klettern zu können ist leider ein Schattenseite. Bei längerem Besuch ist das womöglich verhandelbar.
Wer auf Curacao ist und gerne klettert, sollte den Tafelberg auf keinen Fall verpassen.

Ray Rice klettert Oh Henry 5.11b on Isla Wall – Foto von Sam Conley
Kontakte und Informationen:
Erste Anlaufstelle ist in jedem Fall RCC (Rockclimbing Curacao). Neben dem Zugang zum Tafelberg erhält man hier sämtliche Informationen über das Klettern auf der Insel oder kann sich Material ausleihen. Darüber hinaus bietet RCC an, den Klettertag zu führen, was für weniger erfahrene Kletterer oder alleine Kletterende eine gute Möglichkeit bildet.
Topos erhält man beim RCC. Allerdings sind diese nicht ganz vollständig. Auf mountainproject.com findet man alle weiteren Topos und Routeninformationen
Vielen Dank an Sam Conley, dessen Fotos wir für diesen Bericht verwenden dürfen.








