Großglockner – über Nordwestgrat (D-, IV, 50 Grad)
26/07/2017Tourensteckbrief
| Schwierigkeiten: D- bzw. S- / IV (im ersten Teil), meist II bis III; Zustieg über Firnrinne bis 50 Grad Webcam: https://stream.webcams.travel/1485562098 Hüttenzustieg: Lucknerhaus bei Kals – Stüdlhütte 880hm; 1,5h – 2,5h (Im Abstieg: 1,5 – 2h) Stützpunkt: Stüdlhütte, HP 44,50€ (Stand 2017) Gehzeiten: Stüdlhütte – Großglockner knapp 1000hm 1,0 – 1,5h h bis Einstieg Firnrinne, 0,5h – 1h zum Beginn Grat, weitere 3 – 4h Kletterei bis zum Gipfel, Je nach Sicherungsaufwand und Verkehrsaufkommen variieren die Begehungszeiten stark! Abstieg: 2 – 3h Material:1x 60m Kletterseil Edelrid Swift, 4 x Express Sets, 2 x Friends mittlere Größe, Eispickel, Steigeisen, 4 Bandschlingen, Sicherungsgerät Tour durchgeführt am: 16-17.07.2017 |
Der Großglockner Nordwestgrat ist eine interessante Alternative zum überlaufenen Stüdlgrat. Zwar ein wenig schwieriger, dafür aber deutlich vielseitiger, da auch im Firn geklettert wird und einige Male abgeseilt werden muss. Nachdem wir im September 2016 den Nordwestgrat aufgrund der fortgeschrittenen Ausaperung gut sein haben lassen und anstatt dessen den Stüdlgrat unter die Profilsohlen genommen haben, sind wir dieses Jahr früher dran. Mitte Juli finden wir noch passable Verhältnisse für die Durchsteigung der Firnrinne vor.

Großglockner Nordwestgrat Topo Übersicht
Um 5 Uhr geneßen wir das opulente Früstück der Stüdlhütte und starten zusammen mit den vielen Stüdlgrat Apsiranten Richtung Großglockner. Wir teilen uns bis kurz vor dem Einstieg in den Stüdlgrat die gleiche Aufstiegsspur. Somit kommen wir auf dem Gletscher schnell voran. Wir queren den Gletscher weiter zum tiefsten Punkt der vom Nordwestgrat herunterziehenden Firnflanke, die eine Steilheit bis zu 50 Grad aufweist. Eisgeräte nicht vergessen! Der Firnteil apert im Hochsommer schnell aus, dann ist der Zustieg nur unter großer Steinschlaggefahr möglich – daher am besten im Frühsommer probieren.
Der Grat selbst ist an den Schlüsselstellen im IV Grad und den diversen Abseilstellen gut mit Bohrhaken abgesichert. Eine leichtere Alternative ist möglich, wenn man im mittleren Teil des Firnfelds über die Firnzunge nach rechts zur „Gröger Schneid“ quert, anstatt direkt zum Grat zu klettern. So umgeht man die Klettertechnisch schwierigsten Passagen am Teufelshorn und erspart sich das mehrmalige abseilen. Die Tour erreicht dann eine Schwierigkeit von AD, III+, 50 Grad und man spart sich locker 1,5h.

Großglockner Nordwestgrat Firn Rinne
Die meiste Zeit über Klettern wir direkt auf dem Grat. In den schwierigen Passagen weisen uns nagelneu glänzende Bohrhaken den Weg. Insbesondere bei den 2 bis 3 Abseilstellen geben diese ein gutes Gefühl. Der Fels ist überwiegend bombenfest und griffig und erinnert an Klettereien im Granit. Ein wahrer Genuss für den, der es mag. Eine unangenehme Stelle aber bleibt mir deutlich im Kopf hängen. Auf dem Teufelshorn ist ein weiter Spreizschritt nötig um die andere Seite zu erreichen. Kleine Menschen könnten hier Probleme bekommen, aber auch hier kann gut gesichert werden, also halb so schlimm. Belohnt wird die Strapaze mit einer rasanten Abseilfahrt über 30m das Teufelshorn hinunter. Der nächste Aufschwung zum Firnsattel der „Gröger Schneid“ stellt uns vor keine Probleme mehr. Hier trifft die Tour dann mit der Querung über das Firnfeld verkürzte Variante zusammen.

Gipfelgrat Großglockner Nordwestgrat – die schwierigste Stelle kommt noch…
Der restliche, direkt vom Großglockner hinabziehende Nordwestgrat hat noch einige schöne Kletterstellen zu bieten. Insbesondere die „Draschlplatte“, die mithilfe eines griffigen Risses überwunden wird, sorgt für viel Freude. Nach 5h stehen wir dann mit einigen anderen Stüdlgrat und Normalwegbesteigern am Großglockner Gipfel und genießen die Aussicht.
Der restliche Abstieg im Gegenverkehr des obligatorischen Staus an der Glocknerscharte ist mit etwas Umsicht nun auch kein Problem mehr. Mit den Leuten zu sprechen wenn man kurz vorbei steigen will entschärft die Situation erheblich. Wer hier jedoch sichern möchte sollte für den Rückweg zur Adlersruhe einiges an Zeit einplanen.

Das Teufelshorn am Großglockner Nordwestgrat








