Geheimtipps auf der Peloponnes: Klettern abseits von Leonidio

Geheimtipps auf der Peloponnes: Klettern abseits von Leonidio

11/09/2025 Aus Von Martin Wagner

Die Peloponnes in Griechenland beweist sich als Mekka für alle Kletterer.
Gebiete wie Leonidio oder Kyparissi werden nicht ohne Grund stark besucht. Doch auch neben diesen Hotspots hat die Peloponnes einiges zu bieten, und das ganz ohne Andrang und Touristenmassen.
Wir haben uns einige der besten Gebiete der Halbinsel oder vielleicht sogar ganz Griechenlands genauer angeschaut, welche bisher bei den Meisten unterhalb des Radars liegen. Während 8 Wochen bekommen wir nur an 5 Tagen kurzen Besuch von anderen Kletterern und genießen die Premiumrouten ansonsten alleine.

Die Gebiete:
Agios Sofia
Agios Andreas
Agios Petros
Lagada
Nedousa

Ostküste nördlich von Leonidio

Wir quartieren uns in der Nähe von Astros ein, ein guter Ausgangspunkt, um in kurzer Zeit einige der umliegenden Gebiete zu erreichen. Im April genießen wir das stabile warme und trockene Wetter. Während das Meer schon angenehme Temperaturen zum Baden hat, ist es im Schatten zum Klettern ideal.
Die Natur ist saftig grün, und etliche Blumen zeigen sich in voller Blüte.


Agios Sofia

Unseren Fokus legen wir auf Agios Sofia, eine faszinierende Wand mit orangenem Fels, Sinterformationen und beeindruckenden Routen.

 

Agios Sofia

 

Von senkrechten Routen an grauem Fels bis zu orangenen Überhängen mit dünnen Sintern bleiben hier keine Wünsche offen. Der Anblick der Wand lässt viel versprechen und wir werden beim Klettern natürlich nicht enttäuscht.
Mit 30 Routen von 6a bis 8c ist das Routenspektrum sehr breit. Die besten Routen liegen aber im Bereich 7c bis 8a+. Die Route „Hahaha“ 7b legte uns ein Lachen auf die Lippen, so fantastisch ist die Kletterei.
Der „Boilerroom“ 8a verlangt in der Headwall einiges ab. Die Route „Ant in my Eye“ 8a+ ist der Totalangriff auf die Maximalkraftausdauer.

 

Martin in Boilerroom 8a Agios Sofia

 

Eine kräftige und technisch anspruchsvolle Passage an dünnen Sintern in der Mitte der Route gefolgt von gnadenloser Ausdauerkletterei bis zum Ende muss hier bewältigt werden, bevor ich den Umlenker klippe.
In „Greek Coffee„ 8a+ muss ein fast griffloser Wulst nach kräftiger Ausdauerkletterei überwunden werden. Der raue Fels macht es möglich. Und dann war da noch eine Traumlinie an der Wand, ganz ohne Haken. Fast täglich schaue ich hoch und male mir aus, wie eine Route dort verlaufen könnte. Warum blieb diese Linie bisher noch unerschlossen? Meine Chance, denn sowas bekommt man nicht oft.

 

Ana in Boilerroom 8a Agios Sofia

 

Über einen Freund organisiere ich mir Bohrmaschine und Haken und bohre die Route ein. Das Ergebnis übersteigt meine Erwartungen und Träume. 21 Meter beste Kletterei an kompakter Wand und Tufas, gespickt mit ein paar Bouldersequenzen und Ausdauerkletterei durch den Tufajungle bis zu einem markanten großen Loch unter dem grauen Panzer. Hier platziere ich den ersten Umlenker. Nach einer mäßig guten Rastposition geht es direkt in den harten Boulder an kleinen Leisten über den grauen Panzer und zum zweiten Umlenker der insgesamt 28 Meter langen Route. Die Erstbegehung muss nicht lange warten und „The beauty“ 7c+ „…and the beast“ 8a+ werden geboren.

 

Martin bei der Erstbegehung von The beauty and the beast 8a+ Agios Sofia

 

Routenspektrum: 6a bis 8c, Schwerpunkt 7c bis 8a+

Kindertauglichkeit: Der kurze Zustieg und die kleinen Terassen am Wandfuß macht die Wand für uns zu einem guten Ziel.
Die kleinen Höhlen und Tunnels sind ein perfekter Spielplatz, wo die Kinder erkunden und spielen können. Allerdings sollten die Kinder einigermaßen selbstständig und sicher auf den Füßen sein. Denn es ist immer ein wenig abschüssig. Nicht unter jeder Route findet sich ein ebener oder absolut sicherer Platz.

Parken: Der beschriebene Parkplatz befindet sich an der Straße gegenüber der Wand. Durch einen Hügel ist der Parkplatz von der Wand nicht sichtbar und wir werden vor Einbrüchen gewarnt. Alternativ kann man im nächsten Ort parken und etwas weiter zusteigen. Mit einem geländegängigen Fahrzeug kann man über einen breiten Schotterweg ins Tal fahren, wodurch sich auch der Zustieg erheblich verkürzt. Das Auto ist hier jederzeit sichtbar. Respekt und Vorsicht gilt aber den Ziegen und dem Hirten, der seine Tiere hier öfter durchtreibt.

Jahreszeit: Herbst bis Frühjahr. Die Wand ist nach Südwesten ausgerichtet. Je nach Jahreszeit kann man also in der Sonne oder im Schatten klettern. Im April nutzen wir die frühen Stunden bis 14 Uhr, um im Schatten ideale Bedingungen zu bekommen.

Fazit: Tolle, ruhige Wand mit großartigen Routen bis 7b+, besonders im Bereich 6b–7a. Schwerere Linien leider durch künstliche Eingriffe stark entwertet. Kindertauglich dank kurzem Zustieg und sicherem Wandfuß.

Agios Petros

In den Bergen südlich von Tripoli in der nähe von Agios Petros verstecken sich zwei Wände: Kakavo und Zonaga.
Ein idealer Ort wenn es an der Küste zu heiß wird. Mit jeweils zwischen 30 und 40 Routen zwischen 3 und 8c bilden die Wände ausgiebige Möglichkeiten sich die Arme lang zu ziehen.
Mit Routen in steilem kompakten Fels, Sintern und Löchern kann das Gebiet mit den bekannten Zielen locker mithalten. Der einzige Grund, warum man hier meist alleine Unterwegs ist, weil die Wände weit Abseits der üblichen Urlaubsziele sind.
Wir erkunden Kakavo und stellen bereits beim Zugang fest, dass hier kaum mit Menschenmengen zu rechnen ist.
Der Weg ist gutangelegt und mit 15min auch nicht zu lang. Das Gras ist allerdings stellenweise so hoch, dass wir nach einigen Irrwegen und 1 Stunde den Wandfuß erreichen. Das sollte aber nicht abschrecken, denn wenn man den Weg einmal gefunden hat, ist der Zustieg kein Problem.

 

Agios Petros

 

Die Wand erhebt sich beeindruckend mit Überhängen über uns. Dieses Mal bleibt es bei der Erkundung, aber beim nächsten Griechenland Besuch werden wir hier bestimmt längere Zeit verbringen und die grandiosen Linien genießen.

Routenspektrum: 6a bis 8c, Schwerpunkt 7a bis 8a

Kindertauglichkeit: Mit 15 min Zustieg und etwas Trittsicherheit ist der Zustieg gut zu meistern, so lange man sich nicht verläuft. Am Wandfuß gibt es viele ebene Flächen, wo der Nachwuchs ohne Sorge und Gefahr spielen kann.
Beim Rückweg zum Auto sollte man ein paar Minuten mehr einplanen, denn es geht stetig bergauf.

Parken: Die Zufahrt ist eng und steil, sollte aber mit den meisten Fahrzeugen zu schaffen sein. Das Wohnmobil muss in der Ortschaft stehen bleiben.

Jahreszeit: Frühjahr und Herbst. Mit nachmittäglicher Sonne sind in den Übergangsmonaten meistens gute Bedingungen zu finden. Außerdem ist es hier oben ca. 5-10 Grad kälter als an der Küste.

Fazit: Kakavo und Zonaga sind versteckte Perlen im Gebirge südlich von Tripoli–perfekt, wenn es an der Küste zu heiß wird.
Beeindruckender, steiler Fels mit Sinter und Löchern, wenig frequentiert und mit großem Potenzial. Der Zustieg ist nicht zu lang, aber anfangs etwas unübersichtlich. Kindertauglich, ruhig und ideal für Frühjahr und Herbst.
Ein Ziel für alle, die Einsamkeit und starke Linien suchen.

Lagada

Wir bewegen uns weiter ins Zentrum der Peloponnes, genauer gesagt in die Nähe von Sparta.
Von hier führt eine kurvige Bergstraße Richtung Kalamata. Aber nicht nur die Straße ist spektakulär, sondern auch das Klettergebiet Lagada, dass sich ca. 15 min Fahrzeit von Sparta tief in den Bergen befindet.
Die Anfahrt über die Serpentinenstraße entlang von schroffen Felswänden und Tunneln lässt schon erahnen, dass sich hier irgendwo ein Klettergebiet ganz besonderer Sorte befindet.

 

Lagada Aloni und Petsanes

 

Am Parkplatz angekommen fällt uns die Kinnlade herunter, als sich uns das Spektrum an Felsen eröffnet.
Lagada bietet mit insgesamt 6 völlig unterschiedlichen Sektoren ein riesiges Angebot an Routen. So hoch in den Bergen gelegen kann man der Hitze imTal entfliehen.

Das absolute Highlight ist mit Sicherheit die große Grotte Petsanes, eine steile Arena mit ca. 30-40 m langen Routen in Premiumfels.

 

Man nehme also die allerbesten Routen von Kalymnos ala Grande Grotta oder Galatiani und reihe sie nebeneinander auf, statt Blick aufs Meer allerdings mit alpinem Charakter rundherum. Unvorstellbar! Beim Klettern wird das nochmals bestätigt und ich bin mir sicher, dass alle Routen in der Höhle zu den besten Routen meiner gesamten Kletterkarriere zählen. Perfekte und solide Sinter, Löcher und Henkel, grandiose Ausdauerkletterei abwechselnd mit Bouldersequenzen, Ruhepunkten oder gnadenloser Pumpe.
Kyparissi und Lagada geben sich hier die Hand im Wettstreit um die besten Klettergebiete Griechenlands oder sogar Südeuropas. Unsere persönlichen Highlights sind Heliostalakti 7c+, Herouvim 8a, Efialtis 8a+, Serafeim 8a+ und Mr. Bob 8b.

 

Martin in Heliostalakti 7c+ Lagada

 

Weiter links befindet sich ein weiterer Teil des Sektors mit schönen Routen von 6a bis 8a, von plattig bis leicht überhängend. Ideal zum Aufwärmen, oder für die die Höhle doch zu steil und athletisch ist.

Unterhalb der großen Höhle und direkt oberhalb des Parkplatzes befindet sich Sektor Aloni, deridyllischer kaum sein könnte. Uns erwartet eine kompakte Wand mit Sintern, Leisten undLöchern, an deren Fuß eine saftig grüne Blumenwiese, ein gemütlicher Picknickplatz und sogar eine Holzhütte zum Übernachten.
Mit den Bergen rundherum fühlt man sich wie auf der Alm.
Das Routenangebot ist hier besonders für Einsteiger und zum Aufwärmen gut geeignet. Aber auch Routen für ambitioniertere Kletterer findet man hier. So kann man sich in Graden zwischen 5 bis 7c austoben.
Unsere Empfehlungen sind Xeroelatos 6a+, Apse Svise 6b+, Iasonas 6c und Iperifanos Ilotas 7a+.

Unterhalb der Straße in der Schlucht wartet das nächste Highlight. Sektor Splithari hier hat sich in den letzten Jahren viel getan und die Routenanzahl vervierfacht. Mit schätzungsweise über 50 Routen von 4a bis 8a+ ist besonders in den Graden von 6b bis 7a+ einiges geboten.
Fels Strukturen von Sintern bis hin zu hauptsächlich Konglomerat artigem Fels mit Löchern bietet die Schlucht einen gewissen Gegenpol zur großen Höhle. Durch die flache Schlucht meandert ein Bach mit großzügigem Bachbett, der aber die meiste Zeit des Jahres trocken ist.
Mit Schatten bis in den Nachmittag und etwas Wind findet man selbst in den Sommermonaten gute Bedingungen.

Xiphos ist ein neuer Sektor versteckter Sektor oberhalb der Straße. Unerwartet öffnet sich eineweitere große Höhle mit athletischen Routen von 6b bis 8a. Vergleicht man die Felsqualität mit Petsanes, könnte man das meckern anfangen, obwohl auch dieser Sektor ohne weiteres mit Leonidio mithalten kann.
Leider ist der Wandfuß für Kinder absolut ungeeignet, wodurch es bei einem kurzen Besuch bleibt.

Die kleineren Sektoren Stani und Tourlitsa gegenüber des Parkplatzes bieten weitere Möglichkeiten im Bereich um 6b-6c.

 

Lagada Petsanes

 

Routenspektrum: 5 bis 8c, je nach Sektor Schwerpunkt 6b bis 8a

Kindertauglichkeit: Aloni und Splithari sind ohne Zweifel am besten geeignet.
Aloni mit der Wiese und dem Picknickplatz sowie Splithari mit dem flachen Bachbett bieten Unmengen an Platz zum Spielen.
Der kurze Zustieg spielt ebenfalls in die Karten. Petsanes ist mit ca. 15 min etwas weiter zu gehen und es benötigt besonders zur Höhle etwas Trittsicherheit. In der Höhle ist sehr viel flacher Platz, damit die Kinder spielen können. Achtung nur vor der Felskante. Im linken Teil des Sektors finden sich passable Plätze, für die ganz Kleinen ist es eher weniger ideal.
ACHTUNG: Schlangen finden wir im ganzen Gebiet im Mai fast täglich. Besonders beim Zustieg oder im hohen Gras ist Vorsicht geboten. Weniger gefährlich sind die vielen Schildkröten, die man ebenso fast täglich sieht.

Parken: Wir hören von einigen Einbrüchen in die Autos, und auch im Kletterführer wird davor gewarnt.
Am besten das Auto offensichtlich leer, oder sogar unabgesperrt lassen.
Von der Höhle ist der Parkplatz zwar sichtbar, hier könnte man beim Einbruch zusehen. Während unseres dreiwöchigen Aufenthalts ist nichts dergleichen passiert.Wer ein einigermaßen Geländegängiges Fahrzeug hat, kann direkt vor Sektor Splithari parken und ist somit sicher.
Mit dem Camper oder zu wenig Bodenfreiheit bleibt nur der Parkplatz an der Straße.

Jahreszeit: Je nach Sektor von April bis Oktober.
Aloni und Petsanes sind sonnig, wobei die Höhle durch den starken Überhang schon ab 13 Uhr im Schatten ist. Splithari in der Schlucht ist die kühlste Alternative. Mit Schatten bis ca. 14-15 Uhr und leichtem Wind ziehen wir das Longsleeve an, während in Sparta über 30 Grad herrschen.

Fazit: Lagada ist ein Juwel im Herzen des Peloponnes–landschaftlich spektakulär und klettertechnisch herausragend. Besonders die Grotte Petsanes sticht mit ihren bis zu 40 m langen Weltklasserouten hervor, die locker mit Kalymnos’ besten Sektoren mithalten oder sogar überbietet.
Wer im Frühsommer der Hitze entfliehen will, findet hier oben Bergluft perfekte Bedingungen für Klettertage in absoluter Top-Qualität.

Nedousa:

Wer bis hierhin gelesen hat wird mit einem absoluten Geheimtipp belohnt.
Bei unserem Besuch fällt uns schon wieder die Kinnlade herunter. Nedousa hat sich bei den Allermeisten bisher unter dem Radar gehalten, obwohl es sich hier um einen bereits geschliffenen Diamanten handelt.
Wir sprechen hier von einem ganzen Klettergebiet, das mit Felsqualität, Routen und der Menge an Fels auf den ersten Blicküberzeugt und fasziniert. Von plattigen Routen im 5ten Grad bis hin zu spektakulären Überhängen an Sintern im Bereich bis 8b und schwerer ist für jeden etwas dabei.
Der Blick auf die Routen lässt uns sofort bereuen, nur auf Erkundungstour zu sein.Auch das Potential für neue Routen scheint fast endlos zu sein. Entsteht hier ein neues Leonidio?
Noch ist man hier meistens alleine und kann auf Abenteuertour gehen. Alles übrige findet ihr bei einem Besuch selbst heraus.