Kaufberatung Archive - VerticalExtreme Blog https://verticalextremeblog.de/category/kaufberatung-kletterausrustung/ Sat, 18 Jul 2026 16:46:02 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 https://verticalextremeblog.de/wp-content/uploads/2018/06/icon.png Kaufberatung Archive - VerticalExtreme Blog https://verticalextremeblog.de/category/kaufberatung-kletterausrustung/ 32 32 Kletterschuhe: Welche Größe passt? Größentabellen & Passform-Guide für La Sportiva, Scarpa, Ocún & Co. https://verticalextremeblog.de/kletterschuhe-welche-groesse-passt-groessentabellen-passform-guide-fuer-la-sportiva-scarpa-ocun-co/ <![CDATA[Michael Huber]]> Sat, 18 Jul 2026 16:46:02 +0000 <![CDATA[Kaufberatung]]> https://verticalextremeblog.de/?p=2670 <![CDATA[

Kaum eine Frage sorgt beim Kletterschuh-Kauf für so viel Unsicherheit wie die nach der richtigen Größe: Jahrzehntelang galt „so eng…

Der Beitrag Kletterschuhe: Welche Größe passt? Größentabellen & Passform-Guide für La Sportiva, Scarpa, Ocún & Co. erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
<![CDATA[

Kaum eine Frage sorgt beim Kletterschuh-Kauf für so viel Unsicherheit wie die nach der richtigen Größe: Jahrzehntelang galt „so eng wie möglich“ als ungeschriebenes Gesetz, und noch immer kursieren Pauschalregeln von zwei bis drei Nummern unter der Straßenschuhgröße. Das Problem: Jede Marke baut auf eigenen Leisten und rechnet in unterschiedlichen Größensystemen (EU, UK, US, Mondopoint) — was bei einem Hersteller „eine Nummer kleiner“ heißt, führt beim nächsten schlicht zum falschen Schuh. Dieser Guide fasst die offiziellen Passform-Empfehlungen von La Sportiva, Scarpa, Ocún, Red Chili, Evolv und Black Diamond zusammen — mit ehrlichen Spannen statt Mythen.

Wie eng muss ein Kletterschuh sitzen?

Ein Kletterschuh soll den Fuß wie eine zweite Haut umschließen: keine Hohlräume über den Zehen, keine Luft in der Ferse, kein Verrutschen beim Antreten. Die Zehen liegen je nach Schuhtyp flach bis leicht angestellt vorn an — bei sportlichen Modellen deutlicher gekrallt, bei Einsteigermodellen nur mit sanftem Kontakt.

Genauso wichtig ist die Grenze nach unten: Evolv beschreibt den richtigen Sitz so, dass die Zehen leicht gebeugt, aber nicht komplett gekrallt sind — anfangs ungewohnt, aber nicht unerträglich. La Sportiva formuliert es in seinen Fitting-Hinweisen sinngemäß so: Ein gut sitzender, bequemer Schuh klettert besser als ein schlecht sitzender, zu enger. Und Red Chili bringt es auf die Faustformel: Sitzt der Schuh bequem wie ein Hausschuh, ist er zu groß — schmerzt er, ist er zu klein.

Wie viel kleiner als die Straßenschuhgröße?

Die ehrliche Antwort: zwischen null und etwa zwei Nummern — je nach Marke, Schuhtyp und Anspruch. Der Grund für die Spannbreite: Manche Hersteller bauen ihre Leisten bereits auf die reale Fußlänge (dann ist Downsizing kaum nötig), andere kalkulieren es ein.

Die offiziellen Empfehlungen im Schnelldurchlauf:

  • La Sportiva empfiehlt auf seiner nordamerikanischen Serviceseite, klassische Modelle 1–2 Nummern unter der Straßenschuhgröße zu wählen, weiche Performance-Modelle 2–3 Nummern darunter — bei feiner EU-Halbgrößen-Abstufung.
  • Scarpa gibt an, dass die meisten Kletternden 0,5–1 ganze Größe unter der Straßenschuhgröße wählen; Einsteiger starten laut Scarpa mit der gewohnten Größe.
  • Ocún fertigt nach Mondopoint (Fußlänge in Millimetern) und arbeitet mit einer offiziellen Fit-Skala von +1 bis −1,5 UK-Größen rund um die Straßenschuhgröße.
  • Red Chili baut seine Leisten so, dass die Passform der Straßenschuhgröße entspricht; je nach Linie maximal 0,5–1 UK-Größe enger.
  • Evolv rät ausdrücklich vom Downsizing ab: Fortgeschrittenen-Fit = US-Straßenschuhgröße, im Zweifel eher +1.
  • Black Diamond dimensioniert nach realen Leistenmaßen und nennt für die Momentum-Familie je nach Fit −0,5 bis −2,5 EU-Größen gegenüber der Straßenschuhgröße.

Alle Details und Quellen stehen in der zentralen Tabelle weiter unten.

Wie unterscheiden sich La Sportiva, Scarpa und Ocún im Schnitt?

Der wichtigste Unterschied liegt nicht in „schmal oder breit“ — Breite und Volumen hängen vom jeweiligen Modell und Leisten ab —, sondern in der Größenlogik:

La Sportiva produziert in europäischen Halbgrößen, deren Schritte feiner sind als US-Halbgrößen; pro Größenlauf stehen so mehr Zwischengrößen zur Verfügung. Dazu fertigt die Marke bewusst viele verschiedene Leisten, weil unterschiedliche Fußformen unterschiedliche Leisten brauchen.

Scarpa rechnet ebenfalls auf der EU-Skala und weist darauf hin, dass eine EU-Größe dort 6,6 mm entspricht (US-Skala: 8,46 mm) — die Abstufung ist also feiner, das Herantasten an die Wunschpassform präziser.

Ocún geht einen dritten Weg: Die Leisten sind nach Mondopoint auf die tatsächliche Fußlänge in Millimetern gebaut. Wer seine Fußlänge kennt, landet ohne klassisches Downsizing nahe an der passenden Größe und justiert nur noch über die offizielle Fit-Skala (siehe Tabelle). Ein Allrounder wie der Ocún Ozone lässt sich so sehr gezielt anpassen.

Praktische Folge: Die eigene Kletterschuhgröße lässt sich nicht 1:1 von Marke zu Marke übertragen — nicht einmal von Modell zu Modell.

Leisten-Form: Was bedeutet asymmetrisch/Downturn?

Der Leisten ist die Fußform, um die ein Schuh gebaut wird — und er entscheidet mit über die Größenwahl:

  • Gerade (symmetrisch): Die Zehen liegen weitgehend flach, der Druck verteilt sich gleichmäßig. Typisch für Einsteiger- und Komfortmodelle, die nah an der Straßenschuhgröße getragen werden können.
  • Asymmetrisch: Der Schuh ist zur Großzehe hin verlängert und lenkt die Kraft auf den großen Zeh — präziser auf kleinen Tritten, aber enger im Zehenbereich.
  • Downturn (Vorspannung): Die Sohle ist nach unten gekrümmt, der Fuß steht wie eine gespannte Kralle im Schuh. Stark auf Dachkletterei und kleine Leisten ausgelegt, dafür nur für begrenzte Tragedauer gedacht.

Faustregel: Je asymmetrischer und stärker vorgespannt ein Modell, desto enger fällt die empfohlene Passform aus — und desto weniger sinnvoll ist es, den Schuh „auf Komfort“ zu kaufen, weil die Konstruktion dann nicht arbeitet.

Anfänger, Fortgeschrittene, Wettkampf — welche Passform wofür?

Einsteiger: Komfort schlägt Ehrgeiz. Die Zehen dürfen vorn anliegen, aber nicht schmerzhaft stauchen — so bleibt die Fußtechnik lernbar und der Schuh auch nach zwei Stunden Halle tragbar. Scarpa empfiehlt Einsteigern die gewohnte Größe, Ocún auf seiner Fit-Skala sogar +0,5 bis +1 UK („Comfort“/„Beginner“), Evolv +1 bis +2 US-Größen. Ein gerade geschnittenes Modell wie der La Sportiva Tarantula ist für diesen Einstieg typisch; ähnlich komfortorientiert ist der Red Chili Ventic Air II.

Fortgeschrittene: Wer präziser antreten will, tastet sich um etwa eine halbe bis eine Nummer nach unten — im Rahmen der jeweiligen Herstellerangabe (z. B. Scarpa: −0,5 für mehr Präzision; Ocún „Advanced“: −0,5 UK; Red Chili Performance-Linie: bis −0,5 UK).

Wettkampf/Performance: Hier sind die engsten Herstellerempfehlungen angesiedelt: Ocún „Extreme Snug“ −1,5 UK, Black Diamond „Highest Performance“ −2 bis −2,5 EU, La Sportiva für weiche Modelle 2–3 Nummern unter Straßenschuh. Solche Schuhe — etwa ein asymmetrischer, vorgespannter Scarpa Instinct VS — werden zwischen den Versuchen ausgezogen. Wichtig: Auch hier gilt eng, nicht schmerzhaft; wer vor Schmerz nicht stehen kann, klettert nicht besser.

Leder oder Synthetik — wie viel weitet sich der Schuh?

Das Obermaterial entscheidet darüber, wie stark sich die Passform nach dem Kauf noch verändert — vor allem im Volumen, kaum in der Länge:

  • Ungefüttertes Leder: dehnt sich am stärksten. Red Chili gibt an, dass ungefütterte Lederschuhe sich bis zu einer ganzen Größe weiten können; La Sportiva nennt für ungefütterte Modelle ebenfalls etwa eine volle Nummer.
  • Gefüttertes Leder: deutlich formstabiler — laut La Sportiva rund eine halbe Nummer Weitung.
  • Synthetik/Mikrofaser: bleibt laut Red Chili weitgehend dimensionsstabil. Ein Synthetikschuh muss also schon beim Kauf richtig sitzen; einzuplanen ist nur eine kurze Eingewöhnung, wie sie auch Evolv für seine Modelle beschreibt.

Praxisregel: Lederschuhe dürfen beim Kauf spürbar knapper sitzen, weil sie sich dem Fuß anpassen. Bei Synthetik gilt: Was im Laden drückt, drückt auch in drei Monaten.

Wie messe ich meine Fußlänge richtig?

Die zuverlässigste Basis für jede Größentabelle ist die eigene Fußlänge in Zentimetern. So geht es (Messmethode, wie sie u. a. Red Chili empfiehlt):

  1. Ein Blatt Papier an eine Wand legen, barfuß daraufstellen — die Ferse berührt die Wand.
  2. Im Stehen (mit Körpergewicht auf dem Fuß) den längsten Zeh auf dem Papier markieren.
  3. Abstand Wand–Markierung messen: Das ist die Fußlänge in cm.
  4. Beide Füße messen — sie sind fast nie gleich lang. Es zählt der größere Wert.
  5. Am besten abends messen, wenn die Füße durch die Tagesbelastung minimal größer sind.

Die zentrale Tabelle: Downsizing-Faustregeln je Marke und Schuhtyp

Alle Angaben sind offizielle Hersteller-Faustregeln (abgerufen Juli 2026), keine Garantiewerte — Fußform und Modell können die passende Größe verschieben. Achtung auf das jeweilige Größensystem (UK, EU, US).

Marke Einsteiger-Modelle Sportliche Modelle Hinweis Weitung
La Sportiva 1–2 Nummern unter Straßenschuhgröße (Herstellerangabe US-Serviceseite für klassische Modelle); Einsteiger orientieren sich am moderaten Ende Weiche Performance-Modelle: 2–3 Nummern unter Straßenschuhgröße (Herstellerangabe US-Serviceseite) Ungefüttert ca. 1 Nummer, gefüttert ca. 0,5 Nummern (Herstellerangabe); EU-Halbgrößen für feine Abstufung
Scarpa Gewohnte Straßenschuhgröße (Hersteller-Empfehlung für Komfort/Einsteiger) 0,5–1 Größe unter Straßenschuhgröße (Hersteller: übliche Spanne der meisten Kletternden) Keine pauschale Herstellerangabe; Materialregel beachten (Leder > Synthetik). EU-Skala: 1 Größe = 6,6 mm
Ocún Straßenschuhgröße (UK) ±0 bis +1 (offizielle Fit-Skala: Regular 0 / Comfort +0,5 / Beginner +1) −0,5 bis −1,5 UK (offizielle Fit-Skala: Advanced −0,5 / Super Snug −1 / Extreme Snug −1,5) Leisten nach Mondopoint (Fußlänge in mm); Hersteller rät ausdrücklich zur Anprobe, kein pauschaler Weitungswert
Red Chili Straßenschuhgröße (Comfort-Linie entspricht laut Hersteller der Straßenschuhgröße) Bis max. −0,5 UK (Performance-Linie) bzw. bis max. −1 UK (High-End-Linie) (Herstellerangabe) Ungefüttertes Leder bis zu 1 volle Größe; Mikrofaser weitgehend formstabil (Herstellerangabe)
Evolv Kein Downsizing empfohlen; Beginner-Fit laut Hersteller +1 bis +2 US-Größen über Straßenschuhgröße Advanced-Fit = US-Straßenschuhgröße (Herstellerangabe); im Zweifel +1 Hersteller: Eingewöhnungsphase einplanen; viele Modelle mit Synthetik-Obermaterial → wenig Weitung zu erwarten
Black Diamond Momentum-Familie, „All Day Comfort“: −0,5 bis −1 EU-Größe gegenüber Straßenschuhgröße (Herstellerangabe) „All Day Performance“: −1,5 bis −2 EU; „Highest Performance“: −2 bis −2,5 EU (Herstellerangabe Momentum) Größen basieren laut Hersteller auf realen Leistenmaßen (ohne Komfortzugabe); keine offizielle Weitungsangabe

Kleine Mess-Orientierung: Fußlänge (cm) → EU-Größe. Die Zuordnung folgt der offiziellen Ocún-Umrechnungstabelle (Straßenschuhgrößen); andere Hersteller runden teils leicht anders — als Startpunkt für die Größenwahl, nicht als Ersatz für die Anprobe:

Fußlänge EU-Größe (ca.) Fußlänge EU-Größe (ca.)
22,5 cm 36 26,0 cm 41
23,0 cm 37 27,0 cm 42
24,0 cm 38 28,0 cm 43
25,0 cm 39 29,0 cm 45
25,5 cm 40 30,0 cm 46

FAQ: Häufige Fragen zur Kletterschuh-Größe

Weiten sich Kletterschuhe wirklich noch?

Ja — abhängig vom Material. Ungefüttertes Leder kann sich laut Red Chili und La Sportiva um bis zu eine ganze Nummer weiten, gefüttertes Leder um etwa eine halbe. Synthetik und Mikrofaser bleiben weitgehend formstabil; hier ändert sich nach dem Kauf kaum noch etwas.

Kletterschuhe mit oder ohne Socken anprobieren?

Kletterschuhe sind für das Barfußtragen konzipiert — nur so stimmt das Gefühl für Tritt und Passform. Wer aus Hygiene- oder Komfortgründen sehr dünne Socken trägt, sollte genau so auch anprobieren.

Dürfen neue Kletterschuhe wehtun?

Eng und ungewohnt: ja. Schmerzhaft: nein. Die Hersteller sind sich hier einig — Evolv beschreibt den Ziel-Fit als „unbequem, aber nicht unerträglich“, La Sportiva stellt den gut sitzenden Schuh ausdrücklich über den zu engen. Taube Zehen oder Druckschmerz sind ein Zeichen für die falsche Größe oder den falschen Leisten.

Was bedeutet LV bzw. Low Volume?

LV-Modelle sind für schmale Füße mit wenig Volumen gebaut — bei gleicher Länge sitzt der Schuh flacher und schmaler. Red Chili empfiehlt LV, wenn im normalen Modell trotz passender Länge Luft bleibt; auch Evolv bietet Low-Volume-Varianten an. Viele „Damenmodelle“ sind technisch genau das: niedrigere Leisten, die auch schmalfüßigen Männern passen können.

Kann ich meine Größe von einer Marke auf eine andere übertragen?

Nein, nicht verlässlich. Die Marken nutzen unterschiedliche Größensysteme und Leisten: Ocún baut nach Fußlänge (Mondopoint), Red Chili nah an der Straßenschuhgröße, La Sportiva und Black Diamond kalkulieren teils deutliches Downsizing ein. Am besten je Marke neu über Fußlänge plus Hersteller-Faustregel einsteigen — und anprobieren.

Anprobe & Beratung bei VerticalExtreme in Holzkirchen

Keine Tabelle ersetzt den Fuß im Schuh — deshalb unser Rat: anprobieren, vergleichen, in Ruhe entscheiden. In unserem Ladengeschäft in Holzkirchen bei München (Mo–Fr 14–18 Uhr, Sa 9–13 Uhr) könnt ihr Modelle von La Sportiva, Scarpa, Ocún, Red Chili, Evolv und Black Diamond direkt nebeneinander testen — mit ehrlicher Beratung von Kletterern, die wissen, wie sich „Advanced-Fit“ am dritten Boulder anfühlt.

Ihr bestellt lieber online? Dann nutzt unseren kostenlosen Umtausch: einfach zwei Größen bestellen, zuhause auf sauberem Boden anprobieren — und die Größe, die nicht passt, kostenlos umtauschen. Ab 60 € Bestellwert liefern wir innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. So findet ihr eure Größe ohne Risiko — und der erste Schuh wird nicht zum Fehlkauf, sondern zum Lieblingsschuh.


Quellen (Herstellerangaben, abgerufen Juli 2026): La Sportiva North America — Sizing & Technology (lasportivausa.com) · Scarpa — Size Chart & Fit Guide (us.scarpa.com) · Ocún — „Choosing the right size“, offizielle Größen- und Fit-Tabelle (ocun.com) · Red Chili — „Welche Kletterschuhgröße habe ich?“ (redchiliclimbing.com) · Evolv — Size Guide (evolvsports.com) · Black Diamond — Climbing Shoe Sizing Charts (blackdiamondequipment.com)

Der Beitrag Kletterschuhe: Welche Größe passt? Größentabellen & Passform-Guide für La Sportiva, Scarpa, Ocún & Co. erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
Kletterseil kaufen: Der komplette Guide – Einfachseil, Halbseil, Zwillingsseil (EN 892) https://verticalextremeblog.de/kletterseil-kaufen-der-komplette-guide-einfachseil-halbseil-zwillingsseil-en-892/ <![CDATA[Michael Huber]]> Sat, 18 Jul 2026 16:45:34 +0000 <![CDATA[Kaufberatung]]> https://verticalextremeblog.de/?p=2668 <![CDATA[

Wer ein Kletterseil kaufen will, steht vor drei Grundfragen: Welcher Seiltyp, welcher Durchmesser, welche Länge? Dieser Guide erklärt die drei…

Der Beitrag Kletterseil kaufen: Der komplette Guide – Einfachseil, Halbseil, Zwillingsseil (EN 892) erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
<![CDATA[

Wer ein Kletterseil kaufen will, steht vor drei Grundfragen: Welcher Seiltyp, welcher Durchmesser, welche Länge? Dieser Guide erklärt die drei nach EN 892 genormten Seiltypen mit allen Prüfwerten und zeigt, welches Seil zu Halle, Sportklettern, Mehrseillängen und alpinem Gelände passt — damit die Entscheidung am Ende in zwei Minuten fällt.

Welcher Seiltyp passt zu mir?

Die Norm EN 892 unterscheidet drei Typen dynamischer Bergseile, erkennbar am Kreissymbol auf der Seil-Banderole:

Einfachseil (Kennzeichnung: „1″ im Kreis). Der Standard für über 90 % aller Anwendungen: Kletterhalle, Sportklettern am Fels, Toprope. Es wird im Einzelstrang geklettert und muss deshalb die härtesten Anforderungen der Norm erfüllen. Wer sein erstes Seil kauft, kauft praktisch immer ein Einfachseil — zum Beispiel ein Allroundmodell wie das Beal Zenith 9,5 mm.

Halbseil (Kennzeichnung: „½“ im Kreis). Wird paarweise verwendet, die beiden Stränge werden abwechselnd in die Zwischensicherungen geclippt. Vorteile: weniger Seilzug in verwinkelten alpinen Routen, volle Abseillänge über beide Stränge und Redundanz bei scharfen Kanten oder Steinschlag. Das Einsatzgebiet sind Mehrseillängen, alpines Klettern und Eisklettern. Ein bewährtes Modell in dieser Kategorie ist das Beal Ice Line 8,1 mm.

Zwillingsseil (Kennzeichnung: „∞“ im Kreis). Wird ebenfalls im Doppelstrang geklettert, aber beide Stränge werden immer gemeinsam in jede Zwischensicherung geclippt. Das ergibt hohe Sicherheitsreserven bei geringem Strangdurchmesser — typisch für Eis- und klassische Alpinrouten mit Abseilpassagen.

Viele moderne dünne Seile sind heute dreifach zertifiziert (Einfach-, Halb- und Zwillingsseil in einem). Das ist die flexibelste, aber auch anspruchsvollste Lösung: Dünne Seile verlangen ein Sicherungsgerät, das dafür freigegeben ist, und eine aufmerksame Sicherungstechnik.

Seiltyp Kennzeichnung Typischer Durchmesser Einsatzbereich Normanforderung EN 892 (Sturzzahl / Fangstoß)
Einfachseil „1″ im Kreis ca. 8,9–11 mm Halle, Sportklettern, Toprope, Allround mind. 5 Normstürze mit 80 kg (Einzelstrang), Fangstoß max. 12 kN
Halbseil „½“ im Kreis ca. 8–9 mm Mehrseillängen, alpines Klettern, Eis (paarweise, abwechselnd geclippt) mind. 5 Normstürze mit 55 kg (Einzelstrang), Fangstoß max. 8 kN
Zwillingsseil „∞“ im Kreis ca. 7–8 mm Alpin- und Eisrouten mit Abseilpassagen (paarweise, immer beide Stränge geclippt) mind. 12 Normstürze mit 80 kg (Doppelstrang), Fangstoß max. 12 kN

Welcher Durchmesser ist der richtige?

Innerhalb der Einfachseile hat sich eine praktische Dreiteilung etabliert:

  • 9,5–10,2 mm — Allround und Einstieg. Robuster Mantel, gute Bremswirkung im Sicherungsgerät, verzeiht häufiges Toprope-Klettern. Für Halle und Klettergarten die vernünftige erste Wahl, etwa ein Mammut Crag Classic 9.5.
  • Unter 9,5 mm — sportlich und leicht. Weniger Gewicht und weniger Seilzug, dafür geringere Abriebreserven und höhere Anforderungen an die Sicherungstechnik. Sinnvoll für Rotpunktprojekte und lange alpine Sportrouten.
  • 10,2 mm und mehr — Arbeitstiere. Für intensiven Toprope-Betrieb, Anfängergruppen und Verleihbetrieb, wo Langlebigkeit vor Gewicht geht.

Halbseile liegen typischerweise bei 8–9 mm, Zwillingsseile bei rund 7–8 mm pro Strang. Wichtig in jedem Fall: Der Durchmesser muss zum Sicherungsgerät passen — jedes Gerät hat einen vom Hersteller freigegebenen Durchmesserbereich, der sich in der Gebrauchsanleitung findet.

Was bedeutet die EN 892?

Die EN 892 ist die europäische Norm für dynamische Bergseile; inhaltlich eng verwandt ist der internationale Standard UIAA 101. Jedes in der EU verkaufte Kletterseil muss die Prüfung bestehen. Kern der Norm ist der Normsturz: Ein Fallgewicht stürzt mit einem Sturzfaktor von rund 1,75 in das Seil — deutlich härter als fast alles, was in der Kletterpraxis vorkommt.

Die wichtigsten Grenzwerte:

  • Sturzzahl: Einfach- und Halbseile müssen mindestens 5 Normstürze halten, Zwillingsseile im Doppelstrang mindestens 12.
  • Fangstoß: Die Kraft, die beim ersten Normsturz auf das Fallgewicht wirkt, darf bei Einfach- und Zwillingsseilen maximal 12 kN betragen, beim Halbseil im Einzelstrang mit 55 kg Prüfgewicht maximal 8 kN. Je niedriger der Fangstoßwert eines Seils, desto „weicher“ fängt es einen Sturz ab.
  • Statische Dehnung: maximal 10 % bei Einfach- und Zwillingsseilen, maximal 12 % beim Halbseil.
  • Dynamische Dehnung: maximal 40 % beim ersten Normsturz.
  • Mantelverschiebung: maximal 1 %.

Wichtig zur Einordnung: Die Sturzzahl ist kein Verfallszähler. Reale Kletterstürze haben fast immer einen viel kleineren Sturzfaktor als der Normsturz. Ein Seil, das 7 Normstürze hält, ist deshalb nicht nach sieben Hallenstürzen am Ende — die Zahl beschreibt die Reserve unter Laborbedingungen.

Wie lang muss ein Kletterseil sein?

Die Faustregel: Seillänge = mindestens doppelte Routenlänge plus Reserve — schließlich muss das Seil zum Ablassen wieder ganz nach unten reichen.

  • Halle: 30–40 m genügen bei üblichen Wandhöhen von 12–18 m. Vorher die Wandhöhe der Stammhalle prüfen.
  • Klettergarten: 70 m sind der aktuelle Allround-Standard; damit lassen sich auch 35-m-Routen sicher abgelassen werden. 60 m reichen in vielen älteren Gebieten, 80 m sind in modernen Gebieten mit langen Linien sinnvoll.
  • Mehrseillängen mit Halb-/Zwillingsseilen: üblich sind 50–60 m pro Strang — im Doppelstrang ergibt das die volle Länge zum Abseilen.

Ein Knoten ins Seilende und ein Partnercheck gehören unabhängig von der Seillänge zu jeder Ablass-Situation.

Trocken-Imprägnierung — wann lohnt sie?

Ein nasses Seil wird schwerer, friert im Winter steif und verliert im nassen Zustand einen Teil seiner Sturzfestigkeit. Dagegen hilft eine Imprägnierung von Mantel und Kern. Der Maßstab dafür ist der UIAA-Water-Repellent-Test: Das Seil wird erst im Labor künstlich abgerieben und dann 15 Minuten mit 2 Litern Wasser pro Minute berieselt. Nimmt es dabei weniger als 5 % seines Eigengewichts an Wasser auf, darf es das UIAA-Water-Repellent-Siegel tragen. Zum Vergleich: Unbehandelte Seile saugen sich mit etwa 50 % ihres Gewichts voll, Seile mit reiner Mantelimprägnierung liegen oft bei 20–40 %.

Die Praxis-Empfehlung: Für Eis, Hochtouren und alpine Mehrseillängen ist eine Vollimprägnierung Pflicht. Für Halle und trockene Klettergärten ist sie verzichtbar — hier zahlt sich das gesparte Geld eher in einem robusteren Durchmesser aus. Ein angenehmer Nebeneffekt imprägnierter Seile: Sie nehmen weniger Schmutz auf und laufen dadurch länger geschmeidig durchs Sicherungsgerät.

Wie pflege und lagere ich ein Seil?

Mit wenig Aufwand lässt sich die Lebensdauer eines Seils spürbar verlängern:

  • Seilsack verwenden: Die Plane hält Sand und Splitt fern — Schmutzpartikel wirken im Seilinneren wie Schleifpapier.
  • Waschen: Handwarm in der Badewanne oder im Schonwaschgang, ohne aggressive Reiniger (Spezial-Seilwaschmittel oder klares Wasser). Liegend und im Schatten trocknen, nie auf der Heizung.
  • Lagern: Kühl, trocken, dunkel — und strikt getrennt von Chemikalien. Vor allem Säuren (etwa aus Autobatterien) können ein Seil unsichtbar zerstören; deshalb Seile nie lose im Kofferraum neben Betriebsstoffen lagern.
  • Regelmäßig umschlagen: Wer beide Seilenden abwechselnd zum Einbinden nutzt, verteilt den Verschleiß.
  • UV meiden: Dauerhafte Sonneneinstrahlung lässt den Mantel ausbleichen und altern.

Wann muss ein Seil ausgemustert werden?

Zwei Ebenen entscheiden: Zustand und Alter. Sofort aussondern, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  • Der Kern ist sichtbar oder der Mantel ist stark aufgeraut bzw. durchgescheuert.
  • Es gibt Verdickungen, weiche Stellen oder Versteifungen — spürbar beim langsamen Durchziehen des Seils durch die Hand.
  • Das Seil hat einen sehr harten Sturz über eine Kante oder mit hohem Sturzfaktor gehalten.
  • Kontakt mit Chemikalien (besonders Säuren) ist möglich oder nachgewiesen.
  • Starke Mantelverschiebung gegenüber dem Kern.

Beim Alter gilt die Herstellerlinie der großen Seilhersteller: maximal etwa 10 Jahre ab Herstellungsdatum, selbst bei ungenutzter, optimaler Lagerung. Bei regelmäßiger Nutzung verkürzt sich die Lebensdauer deutlich — bei häufigem, intensivem Einsatz auf wenige Jahre oder weniger. Das Herstellungsdatum steht auf der Banderole; ein kurzer Blick vor dem Gebrauchtkauf lohnt also immer. Vor jedem Klettertag gehört zusätzlich die kurze Sicht- und Tastprüfung über die gesamte Seillänge zur Routine.

FAQ: Häufige Fragen zum Kletterseil-Kauf

Welches Kletterseil ist für Anfänger geeignet?

Ein Einfachseil mit 9,5–10,2 mm Durchmesser. Für die Halle reichen 30–40 m, für den Klettergarten sind 70 m der gängige Standard. Robuste Allrounder wie das Tendon Master 9.7 verzeihen auch häufiges Toprope-Klettern.

Darf ich ein Halbseil einzeln als Einfachseil verwenden?

Nein. Ein reines Halbseil ist nur im Doppelstrang geprüft und zugelassen. Einzeln im Vorstieg darf nur klettern, was ausdrücklich als Einfachseil zertifiziert ist — bei dreifach zertifizierten Seilen steht das Symbol „1″ im Kreis mit auf der Banderole.

Ist ein Seil nach fünf Stürzen kaputt?

Nein. Die 5 Normstürze der EN 892 sind Laborstürze mit Sturzfaktor um 1,75 — deutlich härter als typische Stürze beim Sportklettern. Ausgemustert wird nach Zustand (Mantel, Kern, Chemikalienkontakt), nach einem extremen Sturz oder nach der Altersgrenze des Herstellers.

Wie lange hält ein Kletterseil?

Als Obergrenze nennen Hersteller rund 10 Jahre ab Produktionsdatum, auch bei perfekter Lagerung. Bei regelmäßigem Gebrauch ist die reale Lebensdauer deutlich kürzer und hängt von Sturzbelastung, Schmutz und Pflege ab.

Braucht ein Hallenseil eine Imprägnierung?

Nein. Die Vollimprägnierung nach UIAA-Water-Repellent-Standard (unter 5 % Wasseraufnahme) lohnt sich für Eis, Hochtouren und alpines Gelände. In der Halle bringt sie keinen relevanten Vorteil.

Beratung bei VerticalExtreme

Ein Seil kauft man nicht jeden Monat — umso wichtiger, dass Typ, Durchmesser und Länge wirklich zum eigenen Klettern passen. Im Ladengeschäft in Holzkirchen (bei München) beraten wir persönlich, mit Seilen von Beal, Edelrid, Mammut, Petzl und Tendon zum Anfassen: Mo–Fr 14–18 Uhr, Sa 9–13 Uhr. Online bestellt gilt: versandkostenfrei ab 60 € innerhalb Deutschlands und kostenloser Umtausch, falls es doch nicht das richtige Seil war. Bei Fragen zur Kombination aus Seil und Sicherungsgerät helfen wir vor dem Kauf weiter — kurz anrufen oder vorbeikommen.

Der Beitrag Kletterseil kaufen: Der komplette Guide – Einfachseil, Halbseil, Zwillingsseil (EN 892) erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
Lohn sich eine eigene Boulderwand? https://verticalextremeblog.de/lohn-sich-eine-eigene-boulderwand/ <![CDATA[Martin Wagner]]> Thu, 14 Nov 2024 14:40:37 +0000 <![CDATA[Kaufberatung]]> <![CDATA[boulder]]> <![CDATA[bouldern]]> <![CDATA[bouldern zu hause]]> <![CDATA[boulderwand]]> <![CDATA[erfahrungsbericht]]> <![CDATA[testbericht]]> https://verticalextremeblog.de/?p=2518 <![CDATA[

Lohnt sich die eigene Boulderwand? Fazit nach 2 Jahren. Die eigene Boulderwand im Keller, der Garage, dem Dachboden: Diesen Traum…

Der Beitrag Lohn sich eine eigene Boulderwand? erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
<![CDATA[

Lohnt sich die eigene Boulderwand? Fazit nach 2 Jahren.

Die eigene Boulderwand im Keller, der Garage, dem Dachboden: Diesen Traum haben einige motivierte Kletterer und zu Coronazeiten, hat sich der Wunsch wahrscheinlich noch verstärkt. Viele haben sich den Traum auch verwirklicht und die Wand wird regelmäßig genutzt oder aber verstaubt mittlerweile ungenutzt. Auch ich hatte die Chance mir den Traum zu verwirklichen. Und nach drei Jahren ist es Zeit für ein Fazit, denn es gibt gute Gründe dafür, aber auch dagegen. Am Ende stellt sich die Frage, ob es sich wirklich gelohnt hat.

 

In diesem Artikel beleuchte ich also die wichtigsten Punkte:

  • Lohnt sich die eigene Boulderwand?
  • Standort und Konstruktion
  • Material
  • Griffe und Strukturen
  • Bouldermatten oder Matratzen
  • Boulderschrauben
  • Boulder definieren und speichern
  • Kosten

 

 

Lohn sich die eigene Boulderwand?

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Es hängt davon ab wie motiviert man ist, zuhause zu trainieren, wie gut die Wand dazu geeignet ist und was man bereit ist, dafür auszugeben. Eines steht fest: finanziell lohnt sich eine eigene Wand in den wenigsten Fällen, zumindest wenn Kletterhallen in erreichbarer Nähe sind. Je besser die eigene Wand wird, umso häufiger wird sie genutzt. Das bedeutet aber auch einen höheren finanziellen Einsatz mit dem man umgerechnet sehr oft in die Kletterhalle gehen könnte. Daher heben wir uns das Thema Kosten für später auf und betrachten die anderen Faktoren. Der wichtigste Faktor um die Frage, ob sich eine eigene Boulderwand lohnt, ist mit Sicherheit die eigene Motivation. Die Schwierigkeit ist dabei eigentlich die Motivation hoch zu halten. Das gelingt, wenn man eine Wand baut, die nicht langweilig wird. Wer am Ende immer die gleichen drei Züge macht und keine Möglichkeit hat viele verschieden Boulder zu definieren, wird schnell die Lust verlieren und die Wand wird auf kurz oder lang ungenutzt verstauben. Wer eine gute Wand zuhause hat, wird auch häufiger Besuch von seinen Kletterfreunden bekommen, um gemeinsam zu trainieren. Auch das hält die Motivation oben und macht das Training besser. Eine weitere Frage ist, wie oft man tatsächlich die Zeit hat an der Wand zu trainieren.

In meinem Fall kann ich aber die Frage eindeutig mit JA beantworten. Mit fast 20qm Kletterfläche und ca. 1000 Griffen gehen mir selbst nach 3 Jahren ohne um zuschrauben die Ideen nicht aus. Meine Boulder kann ich einfach mit einer App speichern und später wiederholen. Der Spaß an der Wand zu Bouldern und die Boulderdatenbank zu füllen, trägt zur Motivation eindeutig bei. Dadurch kann ich auch die Erfolge im persönlichen Training spüren. Zum anderen muss ich selten alleine an der Wand trainieren, was die Motivation ebenfalls oben hält.

Mit kleinen Kindern zuhause ist es schwieriger Zeit für die Kletterhalle zu finden. Da macht es die eigene Wand zuhause deutlich leichter und gibt mir die Möglichkeit auch gemeinsam mit meiner Frau zu bouldern. Mehr Trainingstage als sich mit der Kletterhalle abzuwechseln und die Anfahrt spart man sich auch. Trotzdem sind auch Tage in der Kletterhalle hin und wieder wichtig.

Fazit: Je besser die Wand, umso mehr wird sie genutzt werden. Zeitliche Vorteile spielen in die Karten.

 

Wo und wie baue ich nun eine Wand, die gut genug ist, um häufig genutzt zu werden?

Von der freistehenden Wand im Garten bis zur Hängekonstruktion im Türrahmen der Mietwohnung gibt es viele Möglichkeiten. Mit dem absoluten Bedürfnis nach einer eigenen Wand haben sich die unterschiedlichsten Varianten aufgetan, selbst ohne viel Platz oder in der Mietwohnung. Und tatsächlich lässt sich daraus noch nicht ableiten, welche der Wände bis heute noch tatsächlich im Gebrauch sind. Aber eines steht fest: Je besser die Wand, umso größer die Chance, dass die Wand wirklich genutzt wird.

 

Standort und Konstruktion:

Bei der Wahl des Standortes muss man einiges berücksichtigen: Wo ist genug Platz, den man entbehren kann? Wo lässt sich eine gewisse Wandhöhe realisieren. Wo ist eine Staubentwicklung durch Magnesium kein Hindernis? Wo finde ich ganzjährig brauchbare Temperaturen? Wo kann ich evtl. Wandstrukturen für die Montage nutzen? Oder muss eine freistehende Konstruktion gebaut werden? Bei uns fiel die Wahl auf den Keller: Immer kühl, Wohnraumhöhe, stabile Stahlbetonwände und Staubbildung ist kein Problem.

Für die Konstruktion gibt es verschiedenste Möglichkeiten: ein freistehendes Gerüst, sofern keine der Wände belastet oder angebohrt werden soll, die Verankerung direkt an der Wand oder vorhandenen Balken, feststehende Wände oder variable Wände, welche über ein Seil/Kettenzugsystem in der Neigung verstellt werden kann. Wegen des dennoch beschränkten Platzangebotes habe ich mich für eine feststehende Wand entschieden. Zum Einen, kann ich so die maximale Kletterfläche erzielen, zum anderen habe ich die Möglichkeit den Platz hinter der überhängenden Wand als Stauraum zu nutzen. Die direkte Verankerung der Balken in den Stahlbetonwänden bildet eine solide Basis. Und so entstanden auf einer Grundfläche von 2,7m x 3,6m eine Boulderwand mit fast 20qm Fläche. Auf 3,6m Breite ein 40° Überhang, gegenüber zwischen Türe und Seitenwand 2,5m 10° Überhang und zwischen diesen Wänden und an der Außenfläche eine 0° Wand. Mit einem 15x15cm Lochraster ergeben sich knapp 1000 Gewindelöcher, also ordentlich Platz für viele Griffe. Seitlich zur Wand verbleibt weiterer Platz und die Möglichkeit über eine Stufe zum hinter der Wand liegenden Regalsystem zu gelangen.

Somit ergibt sich eine brauchbare Kletterfläche mit verschiedenen Neigungen, ausreichend Absprunggelände und Lagerfläche hinter der Wand, welche die beanspruchte Grundfläche wieder ausgleicht.

Schräge 8x12cm Balken im Abstand von 75cm, welche über Edelstahlwinkel in der Decke und Rückwand mit Schwerlastankern fixiert wurden bilden das Grundgerüst der Wand. Querbalken und weitere senkrechte Balken hinter der Wand stabilisieren, entlasten und bilden die Basis des Regalsystems. Die Senkrechte Wand und 10° wurden über schmalere Balken zwischen der Ziegelwand und einem zentralen Deckenbalken montiert.

Als Wandplatten wählte ich die kostengünstigere Alternative zu Multiplexplatten, nämlich 15mm Osb Platten. Diese sind zwar für den Außeneinsatz nicht geeignet und haben eine etwas unsaubere Oberfläche, allerdings liegen die Kosten bei etwa einem Viertel. Mit einem 15x15cm Raster wurde der Holzbohrer an seine Grenzen gebracht.

Achtung: hier muss man die Position der Balken mit einberechnen. Auch bei den Einschlagmuttern entschied ich mich für die günstigere Variante: Einschlagen und Verkleben, statt Verschrauben. Beim Bohren und Einschlagen muss man sauber arbeiten, damit die Muttern auch immer senkrecht sitzen. Da die Wand deutlich seltener umgeschraubt wird als eine kommerziell genutzte Wand, reicht die Osb und Einschlagmuttervariante aus: Holz franst nicht so schnell aus und die Einschlagmuttern drehen sich bei richtiger Handhabe auch nicht aus. Mit grobem Abschleifen und Bemalen der Wand am Ende zaubert man auch eine ansehnliche und strapazierfähige Oberfläche.

Eine gute Planung der Wand und der Einzelteile sind wichtig, um einen zügigen Aufbau zu ermöglichen. Außerdem lässt sich so der Zuschnittservice im Holzhandel nutzen. Trotzdem bleibt viel anstrengende und schweißtreibende Handarbeit bei der Vorbereitung und Montage der Wand. Das erste erfolgreiche Workout: zwar noch nicht an, aber durch den Bau der Wand. Speziell beim Einschlagen der 1000 Einschlagmuttern werden die Unterarme „Hammer“ hart.

Fazit: Gute Planung ist das A und O. Der richtige Standort, die richtige Konstruktion und die richtige Vorbereitung können Zeit, Nerven und den Geldbeutel schonen und die maximalen Nutzengewinn aus der eigenen Boulderwand zu ziehen. Große Flächen ohne viele Kanten und Stufen geben die beste Möglichkeit viele verschieden Boulder zu kreieren. Kanten und Stufen wirken zwar anfangs kreativ, später werden die Boulder aber doch alle recht ähnlich.

 

Griffe und Strukturen:

Henkel, Leisten, Löcher, Sloper, Volumen? Kunststoff, Holz, gebraucht, neu, Selfmade?
Hier ergeben sich viele Möglichkeiten, die man gut abwägen sollte. Mit der Auswahl der Griffe steht und fällt der Kletterer und damit auch der Trainingserfolg, die Kombinationsmöglichkeiten und die Motivation an der Wand zu trainieren.

Griffform:

Die Griffe sollten an die Wandneigung, das eigene Können (und das der Gäste) angepasst sein. Sind die Griffe zu schlecht, macht man am Ende keinen Zug und verliert schnell die Motivation oder verletzt sich. Man sollte sich selbst und seinen Gästen die Chance geben, auch leichtere Boulder klettern zu können, um sich aufwärmen zu können oder auch an „schwachen Tagen“ noch Spaß zu haben. Sind die Griffe durchwegs zu gut, bleibt irgendwann der Trainingsreiz aus. Schlechte (aber realistische) Griffe halten die Motivation und die Chance besser zu werden oben. Und auch hier an die „starken“ Gäste denken. Außerdem sollte man eine Vielfalt an verschiedenen Griffen bereithalten, da es sonst schnell langweilig und einseitig wird. Du magst keine Löcher? Dann müssen sie unbedingt mit in die Wand, nur so hat man die Chance sich an der ungeliebten Griffform zu verbessern. Kleine Tritte, die mit eingestreut werden geben weitere Trainingsmöglichkeiten.

Es empfiehlt sich auf kleinflächige Griffe zu setzen, da man so deutlich mehr Möglichkeiten hat, eine große Zahl an Griffen in der Wand unterzubringen.

 

Material:

Ob man lieber an Holzgriffen oder rauen Kunststoffgriffen klettert ist Geschmackssache. Ich bevorzuge Kunststoffgriffe, da sie mir an steilen Wänden die Möglichkeit geben Dank der Reibung kleinere Griffe zu halten. Trotzdem streue ich Holzgriffe mit ein, um auch deren Vorzüge nutzen zu können. Holzgriffe, benötigen häufig höheren Kraftaufwand und strapazieren die Haut weniger.

Neu, gebraucht oder Selfmade?

Kletterhallen verkaufen häufig gebrauchte Griffe zu günstigen Preisen. Das ist sicher eine sinnvolle Alternative, allerdings sind die Griffe meistens schon stark abgegriffen und haben deutlich weniger Reibung. Das ist zwar hautfreundlicher, aber bei Reibungsabhängigen Leisten und Slopern wird man schnell feststellen, dass die Griffe nicht ohne Grund von der Kletterhalle abgestoßen wurden. Neue Griffe schlagen natürlich deutlich auf den Geldbeutel, aber auch hier gibt es gute und günstige Anbieter. Wer handwerklich geschickt ist, kann sich auch selbst helfen und Griffe aus Holz fertigen, oder aus Epoxy und Sand Griffe mit selbst designten Formen gießen.

Ich entscheide mich aus einem Mix aus vielen verschiedenen Griffformen und Größen. Ein Großteil der Griffe sind neu, ein Teil aus Holz oder Epoxy selbst gebaut. Formen hierfür sind mit Blumengesteckschaum leicht geformt, mit Silikon die Gußform schnell erstellt. Die gebrauchten Griffe beschränken sich auf größere und bessere Griffe oder wurden Stück für Stück ersetzt.

 

Volumen:

Volumen an der Wand geben eine Möglichkeit die Wandstruktur zu variieren. Jedoch lohnt sich das nur bei wirklich großen Wänden oder wenn häufig umgeschraubt wird. An kleinen Wänden ist es häufig im Weg oder nimmt einem die Variationsmöglichkeit. Aus Reststücken habe ich mir ein kleines Dreieck (40x50cm) gebaut. Bewusst ist es etwas seitlich positioniert und selbst hier entschärft es einige Boulder durch bessere Trittmöglichkeiten. Das Volumen muss also auch häufig aktiv wegdefiniert werden.

Fazit: : Je unterschiedlicher die Griffe sind, umso mehr Möglichkeiten ergeben sich. Neue Griffe geben die beste Reibung, mit Selfmade Griffen und gebrauchten Griffen lässt sich Geld sparen. Es empfiehlt sich Anfangs erst maximal 50% der Wand mit Griffen auszustatten. Somit kann man sehen, ob man die Griffgrößen und Formen richtig eingeschätzt hat. Stück für Stück kann dann entsprechend nachgerüstet werden.

 

Bouldermatten oder Matratzen:

Auch wenn die heimischen Wände meist nicht so hoch sind, ein Polster für den Absprung oder den Sturz muss sein. Je nach Anforderung, Größe und Höhe gibt es verschieden Alternativen. Alte aussortierte Matratzen sind eine günstige Variante, sin daber Voluminös und Stellenweise zu weich. Es besteht die Gefahr, dass man mit dem Fuß umknickt oder durchschlägt. Manchmal werden auch alte Matten in der heimischen Boulderhalle verkauft. Wird man hier fündig und die Größe passt, hat man in Kombination einer passenden Plane eine gute Option. Eine weitere Möglichkeit ist Crashpads zu verwenden. Je nach Wandgröße reicht allerdings eine Crashpad nicht aus und beim zusammenstückeln, sollte man darauf achten, dass es nicht zu viele Lücken und Kanten gibt. Denn auch hier besteht die Gefahr des Umknickens. Vorteil der Crashpads ist, dass man diese auch gleich für die Felsbouldertrips verwenden kann. Ich habe mich für 4 gleiche und großflächige Crashpads entschieden. Schon bei der Wand Planung habe ich berücksichtigt, dass die Crashpads richtig angeordnet und bündig die ganze Fläche unter der Wand abdecken. Die Höhe der Crahpads trägt nicht zu sehr auf und es schränkt die Boulderhöhe nicht ein. Eine Antirutschmatte darunter hält alleszusammen.

Fazit: Crashpads bündig ausgelegt sind die sauberste und sicherste Option, alte Matratzen oder aussortierte Matten aus der Boulderhalle eine kostengünstige Alternative.

 

Boulderschrauben:

Die Wand steht, die Griffe sind da, endlich kann es losgehen. Aber wie schraube ich am besten die Griffe in die Wand? Natürlich so, dass man über die ganze Wand möglichst viele Bouldervarianten definieren kann, von leicht bis schwer. Mein Anspruch an das Training war und ist sowohl Maximalkräftige Boulder aber auch Ausdauer zu trainieren. Also fing ich an Traversen bzw. Kreisel zu schrauben, welche mit Zetteln und Nummern die Griffreihenfolge vorgeben. So kann man sich überkreuzen und Griffe mehrfach nehmen und lange Ausdauerboulder kreieren. Mit dem Endgriff am Startgriff lassen sich die Kreisel beliebig oft am Stück wiederholen, bis man aus der Wand platzt. Dabei entstanden leichte Traversen zum lockeren Aufwärmen, über 40 Zug Henkelboulder an der 40° Wand bis hin zu harten Projekten die bis heute noch nicht vollständig geknackt sind. Jeder Boulder bekommt seine eigene Griff und Markierungsfarbe, aber auch Kombinationen sind möglich, solange man sich noch auskennt. Eine Grifffarbe habe ich für etwas größere Tritte reserviert. Somit lässt sich definieren, ob man nur die Spax Tritt oder die etwas größeren „blauen“ Tritte. Mit dieser Variation entstanden insgesamt 10 Traversen mit jeweils zwei unterschiedlich en Schwierigkeitsgraden, je nach Tritten. Die Traversengriffe füllen nun schon einen gewissen Teil der Wand und sind einigermaßen gleichmäßig verteilt. Nun wird aufgefüllt. Angefangen mit den besten Griffen fülle ich Lücken zwischen den anderen Henkeln auf. Dabei so gedreht, dass möglichst viele verschiedene Situationen entstehen. Weiter geht es je Grifftype von groß nach klein. Die Wand füllt sich und neben den Traversen entstehen eine große Variantenvielfalt für unterschiedliche Maximalkraftboulder.

Nach einigen Bouldersessions merkt man schnell, ob man nachbessern muss, oder mit welchen Griffen in Zukunft noch weiter aufgefüllt werden kann. Nach und nach steckt in fast jedem Gewinde ein Griff und Spax füllen den Zwischenraum auf. Über 1000 Griffe sind es bis heute an meiner Wand, kaum Platz für noch mehr.

Fazit:

Schrauben mit System: Sortiert nach Größe und Form von groß nach klein schrauben. Die Griffe in unterschiedliche Richtungen drehen, um eine hohe Variationsmöglichkeit zu haben.

 

 

Boulder definieren und speichern:

Die Wand ist bestückt und bereit zum Klettern: Zeit für die ersten Boulder. Die Motivation ist grenzenlos und die Ideen für die ersten Boulder sprudeln aus mir heraus. Leichte Aufwärmboulder, schwere Maximalkraftboulder, kurz und knackig, lang und pumpig. Der Plan geht auf. Aber wie soll man sich die ganzen Boulder merken? Hierfür gibt es einige nützliche Apps. Ich nutze Retro Flash und kann damit Boulder und Begehungen mit Freunden teilen. Ein Bild der Wand wird hochgeladen, und darauf die entsprechenden Griffe der Boulder markiert. Mit Nummerierungen sind auch komplexere Grifffolgen auf engem Raum eindeutig definierbar. Man kann jederzeit auf alte Boulder oder Projekte zurückgreifen und hat mit der Zeit eine große Sammlung an Bouldern für Gäste oder für sich selbst zum Wiederholen.

Fazit: Eine gute geschraubte Wand bildet fast unendliche Kombinationsmöglichkeiten. Mit Apps lassen sich Boulder speichern, was beim Trainieren weiter motiviert.

 

Kosten:

Als letztes bleibt die Preisfrage: Was kostet mich eine eigene Boulderwand. Natürlich lässt sich hier keine eindeutige Zahl nennen und hängt von der Ausführung ab. Aber ein paar wichtige Eckdaten kann man betrachten.

Baumaterial: Je nach Konstruktion und Größe natürlich unterschiedlich. Für eine 3 x 3,5m kann man von ca. 1000-2500 Euro für Holz, Schrauben, Winkel und Dübel ausgehen. Größter Kostenunterschied ergibt sich hierbei daraus ob man mit OSB, Multiplexplatten oder Siebdruckplatten arbeitet. Quadratmeterpreise gehen von 12Euro/m2 bei OSB bis zu über 100Euro/m2 bei Siebdruckplatten. OSB Platten mit entsprechender Weiterveredelung durch Abschleifen und Lackieren, reichen für den Innenbereich normalerweise aus.

Griffe: Auch hier kommt es auf die Art der Griffe an. Neu, gebraucht, Eigenbau? Für eine 3 x 3,5m kann man mit 300 bis 600 Griffen + Tritte rechnen. Neue Griffe in brauchbarer Größe kosten im Schnitt zwischen 5 und 15 Euro, die größeren Griffe sind entsprechend teurer und nehmen mehr Platz in Anspruch. Kleine Tritte gibt es von 0,5-2 Euro. Gebrauchte Griffe aus der Kletterhalle bekommt man häufig schon für 2-5 Euro. Selfmadegriffe kann man sich stellenweise nochmal günstiger herstellen. Mit einer sinnvollen Mischung muss man also von ca. 1500 bis 5000 Euro ausgehen.

Zum Vergleich: Mit dem Griffset des Kilterboards Homewall 10×10 kann man die 10.000 Euro Marke knacken und hat noch keine Wand oder Matte dazu. Den Kosten ist nach oben also keine Grenze gesetzt.

Matten: Je nachdem welche Lösung man bevorzugt und welche Möglichkeiten man bei der Beschaffung hat, unterscheiden sich auch hier die Preise. Ordentlich mit Bouldermatten ausgestattet muss man hier nochmals 1000 bis 1500 Euro einrechnen. Mit Matratzen oder ausgesonderten Matten aus der Kletterhalle, geht es natürlich auch etwas günstiger.

Fazit: Am Beispiel einer 3,5x3m Wand muss man von mindestens 3000 Euro bis hin zu 7000 Euro oder mehr ausgehen.

 

Der Beitrag Lohn sich eine eigene Boulderwand? erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
Sicherungsgeräte zum Klettern – Testbericht und Vergleich https://verticalextremeblog.de/sicherungsgeraete-zum-klettern-testbericht-und-vergleich/ <![CDATA[Martin Wagner]]> Sat, 16 May 2020 09:15:45 +0000 <![CDATA[Kaufberatung]]> <![CDATA[Test Kletterausrüstung]]> <![CDATA[alpinklettern]]> <![CDATA[dynamische sicherungsgeräte]]> <![CDATA[erfahrungsbericht]]> <![CDATA[grigri]]> <![CDATA[hms]]> <![CDATA[kletterausrüstung]]> <![CDATA[klettern]]> <![CDATA[sicherungsgerät]]> <![CDATA[sportklettern]]> <![CDATA[test halbautomatische sicherungsgeräte]]> <![CDATA[testbericht]]> <![CDATA[testbericht halbautomatische sicherungsgeräte]]> <![CDATA[tuber]]> https://www.verticalextreme.de/blog/?p=1696 <![CDATA[

Grigri, Click up, Jul, Smart und viele mehr: Die Auswahl an Sicherungsgeräten zum Klettern ist vielfältig und man verliert schnell…

Der Beitrag Sicherungsgeräte zum Klettern – Testbericht und Vergleich erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
<![CDATA[

Grigri, Click up, Jul, Smart und viele mehr: Die Auswahl an Sicherungsgeräten zum Klettern ist
vielfältig und man verliert schnell den Überblick. Grundsätzlich kann man aber zwischen drei
Hauptkategorien unterscheiden: Die dynamischen Sicherungsgeräte inkl. Tuber, die Autotuber und
die Halbautomaten. Als Sonderkategorie kann man noch das Edelrid Ohm als Vorschaltwiderstand
aufnehmen, welches aber kein autarkes Sicherungsgerät ist, sondern nur einen hohen
Gewichtsunterschied zwischen den Kletterpartnern ausgleichen soll.

Innerhalb dieser Kategorien unterscheiden sich die Sicherungsgeräte nur mehr in Details, die
Vorteile für die jeweilige Anwendung bieten können und sich im Handlingskomfort etwas
unterscheiden. Hierbei sei die Eignung auch zum Alpinklettern oder die Verwendung von mehr oder
weniger dicken Seilen erwähnt. Grundsätzlich sind (fast) alle Sicherungsgeräte zum Sportklettern in
der Halle und im Freien geeignet. Sicher sind am Ende alle, solange man das Sicherungsgerät richtig
bedient und ausreichend Übung hat. Wichtig ist aber bei allen Sicherungsgeräten, dass die
Bremshand IMMER am Bremsseil bleiben muss, um sicher zu sichern. Da machen auch die
Halbautomaten keine Ausnahmen.

Bei der Auswahl des richtigen Sicherungsgeräts achtet man am besten auf die optimale Seildicke
passend zum Sicherungsgerät (Achtung, Seile werden mit der Zeit dicker). Wer im alpinen Gelände
unterwegs ist, greift auf die Sicherungsgeräte zurück, die für Doppel- und Zwillingsseile geeignet
sind, sowie die Voraussetzungen zum Guidemodus beim Nachsichern in Mehrseillängen bieten.

© PETZL / LAFOUCHE

Dynamische Sicherungsgeräte inklusive Tuber:

Die Tuber sind wohl die mittlerweile bekanntesten Vertreter dieser Kategorie. Neben den Tubern
zählen aber auch der klassische Achter und HMS Karabiner (Halbmastwurf) dazu, welche allerdings zum
größten Teil außer Mode gekommen sind.

Wirkungsprinzip:
Das Sicherungsprinzip bei dynamischen Sicherungsgeräten ist, dass durch Umschlingung des Seils um
das Sicherungsgeräts, bzw. des Seils im Knoten beim HMS, die Bremskraft verstärkt wird. Das heißt,
dass die Hand am Bremsseil weniger Kraft aufbringen muss, als wenn das Seil ohne
Sicherungsgerät gegriffen werden würde. Eine vollständige Blockierung des Seils bleibt aber aus,
wodurch dynamisches Sichern allein durch das Sicherungsmittel möglich wird. Beim Sturz des
Kletterers kann also noch etwas Seil nachgegeben werden, sodass der Sturz weniger hart wird. Im
Vergleich zu den Autotubern und Halbautomaten ist aber deutlich mehr Handkraft am Bremsseil
gefragt.

Sicherungsgeräte dieser Kategorie:

  • HMS Karabiner verschiedener Hersteller in Verbindung mit dem HMS Knoten im Seil als simpelste
    Sicherungsmethode.
  • Abseilachter in verschiedenen Ausführungen von verschiedenen Herstellern.

(HMS und Achter können natürlich auch mit zwei Seilssträngen verwendet werden.)

  • Das Grivel Mono Tube als einer der wenigen Tube Vertreter ausschließlich für Einfachseile.
  • Black Diamond ATC XP, LACD Tube Evo, Ocun Ferry und Petzl Reverso: neben der Verwendung beim
    Sportklettern in Halle oder am Fels mit Einfachseilen kann mit diesen Sicherungsgeräte auch im
    Doppelstrang für alpine Unternehmungen gesichert werden. Außerdem verfügen diese Geräte über
    die Möglichkeit, im Guidemodus bei Mehrseillängen nachzusichern.

© www.climbingtechnology.com

Autotuber:

Autotuber werden auch häufig als halbautomatische Sicherungsgeräte bezeichnet. Allerdings ist das
Wirkungsprinzip etwas anders. Die Autotuber sind den „dynamischen“ Tubern in der Bedienung
recht ähnlich. Entscheidender Unterschied ist aber der Blockiermechanismus der Autotuber.

Wirkungsprinzip:
Das Seil wird ähnlich wie beim dynamischen Tuber eingelegt und umschlingt innerhalb des
Sicherungsgerätes auch den Karabiner. Im Fall eines Sturzes oder beim „Zumachen“ entsteht die
Bremskraft aber nicht allein durch die Umschlingung, sondern das Seil wird zwischen Karabiner und
Sicherungsgerät eingeklemmt. Dadurch entsteht eine starke Bremswirkung und hohe Entlastung des
Bremsseils. Je nach Seil und Sicherungsgerät ist sogar eine komplette Entlastung des Bremsseils
möglich. Zwar ist dynamisches Sichern etwas schwieriger, da das Seil im blockierten Zustand meist
kaum oder gar nicht nachgibt, allerdings ist der Kraftaufwand der Bremshand deutlich geringer als
bei dynamischen Sicherungsgeräten.

Zum dynamischen Sichern muss man oft „Mitgehen“, also im Sturzfall auf die Wand zugehen oder sogar mitspringen. Durch Verdrehen des Sicherungsgerätes kann die Klemmwirkung reduziert und aufgehoben werden, wodurch ein dosiertes Ablassen oder Seilausgeben beim Weiterklettern möglich wird.

Da die Handhabung der Autotuber sehr ähnlich der „dynamischen“ Tuber ist, ist ein Umstieg meist recht mühelos und unkompliziert möglich. Wie auch bei den „dynamischen“ Tubern ist die Handhaltung der Bremshand wichtig, damit das
Sicherungsgerät richtig funktioniert.

Bei der Auswahl des richtigen Autotubers ist neben der feinen Details und des richtigen Seildurchmessers auch wichtig, den richtigen Karabiner zu verwenden. Die meisten Autotuber funktionieren nur mit dem originalen und passenden Karabiner, da sonst die Blockierwirkung nicht gegeben ist.

Sicherungsgeräte dieser Kategorie:

Halbautomaten:

Anders als die Autotuber zählen zu dieser Kategorie die Sicherungsgeräte, welche die Brems- und
Klemmwirkung bereits durch eine Mechanik im Sicherungsgerät erzielen. Die Geräte sind etwas
komplexer aufgebaut als Autotuber und verlangen eine etwas andere Bedienung, bieten aber auch
ein hohes Maß an Komfort.

Wirkungsprinzip:
Durch eine im Sicherungsgerät eingebaute Mechanik, mittels Feder oder Fliehkraftbremse, wird das
Seil bei Belastung automatisch blockiert, indem es verklemmt wird. Dabei wird das Bremsseil
vollkommen entlastet und man benötigt keinerlei Handkraft am Bremsseil, um den Kletterer zu
halten. Dies macht speziell das Sichern beim Ausbouldern einer Route, bei der der Kletterer viel im
Seil sitzt, sehr komfortabel. Obwohl die volle Last der meisten Stürze oder im Seil sitzenden Kletterer
alleine durch das Sicherungsgerät gehalten wird, ist die Hand am Sicherungsseil jederzeit Pflicht.

Durch den halbautomatischen Blockiermechanismus kommen solche Sicherungsgeräte auch bei
Selbstsicherungen, wie zum Beispiel dem Einrichten neuer Kletterrouten zum Einsatz. Man kann
beide Hände vom Seil nehmen und frei arbeiten. Trotzdem ist eine Hintersicherung durch einen
Knoten unterhalb des Sicherungsgerätes zwingend erforderlich, da sich die Blockierung unter
gewissen Umständen auch lösen kann.

Spezielles Handling der Halbautomaten macht das Sichern sehr komfortabel. Allerdings ist der
Umstieg oder das Erlernen des Handlings etwas aufwändiger. Wenn man das Sicherungsgerät noch
nicht beherrscht, passiert es manchmal, dass das Seil auch beim schnellen Seilausgeben blockiert.
Wer den Dreh einmal heraus hat, erfreut sich aber über den hohen Komfort dieser Geräte. Wie auch
bei anderen Sicherungsgeräten ist bei Halbautomaten ein gewisses Fehlerpotential gegeben. Der
trügerische Schein des immer automatischen Blockierens kann zum schwerwiegenden Verhängnis
werden. Andererseits ist die Bremshandposition bei diesen Sicherungsgeräten nicht so
ausschlaggebend und die Bremswirkung erfolgt trotzdem. Zudem sind einige Halbautomaten mit
einer „Panikfunktion“ ausgestattet, die verhindert, dass beim Ablassen die Bremswirkung völlig
aufgehoben wird. Richtig bedient bietet ein Halbautomat neben dem Komfort also auch eine sehr
hohe Sicherheit.

Dynamisches Sichern ist wie auch mit Autotubern begrenzt möglich. Zwar lassen einige
Sicherungsgeräte einen gewissen Schlupf zu, allerdings ist dynamisches Sichern durch „Mitgehen“
ratsam.

Sicherungsgeräte dieser Kategorie:

  • Ausschließlich für die Verwendung mit Einfachseilen im Einzelstrang beim Sportklettern sind Petzl
    Grigri, Beal Birdie und Mad Rock Life Guard.
  • Zudem mit einer Panikfunktion ausgestattet sind Petzl Grigri+, Edelrid Eddy, Skylotec Lory, Camp Matik sowie das Wild Country Revo.

Alle Halbautomaten sind karabinerunabhängig einsetzbar. Die Funktion ist also mit nahezu jedem
Verschlusskarabiner gegeben.

Für alpine Vorhaben im Doppelstrang sind derzeit keine Halbautomaten auf dem Markt.

Der Beitrag Sicherungsgeräte zum Klettern – Testbericht und Vergleich erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
Wanderstöcke – Die Wahl der richtigen Stocklänge https://verticalextremeblog.de/wanderstoecke-die-wahl-der-richtigen-stocklaenge/ <![CDATA[Marianne Huber]]> Sun, 29 Mar 2020 16:11:55 +0000 <![CDATA[Kaufberatung]]> <![CDATA[bergsteigen]]> <![CDATA[hangquerung]]> <![CDATA[stockeinstellung]]> <![CDATA[stocklänge]]> <![CDATA[trekkingstock]]> <![CDATA[wanderausrüstung]]> <![CDATA[wanderstock]]> https://www.verticalextreme.de/blog/?p=1685 <![CDATA[

Wanderstöcke und Trekkingstöcke gibt es meist in unterschiedlichen Längen für verschieden große Wanderer zu kaufen. Bei der Wahl der richtigen…

Der Beitrag Wanderstöcke – Die Wahl der richtigen Stocklänge erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
<![CDATA[

Wanderstöcke und Trekkingstöcke gibt es meist in unterschiedlichen Längen für verschieden große Wanderer zu kaufen. Bei der Wahl der richtigen Stocklänge geht es neben Gewicht und Bequemlichkeit beim Gehen auch um Sicherheit! Denn der richtige Stock ist schnell verstellbar und kann auch im Gelände noch in der Länge angepasst werden, wenn es mal steiler noch oben oder unten geht. Der Stock sollte natürlich nicht zu kurz sein, so dass dafür noch Spielraum bleibt. Ist er dagegen zu lang, stört er womöglich mehr, als er unterstützt. Wie also vorgehen?

Zur Auswahl der richtigen Stocklänge heißt es zunächst, den Taschenrechner zücken und folgende Formel auf die eigene Körpergröße anwenden: Körpergröße x 0,68 = Stocklänge

Da es nicht für jede Körpergröße eine eigene Stocklänge gibt, muss man sich an die am nächsten gelegene Länge halten. Die nachfolgende Tabelle (berechnet nach der oben genannte Formel) kann bei der Auswahl helfen:

Körpergröße in cm

Länge Wanderstock in cm

120

82

125

85

130

88

135

92

140

95

145

99

150

102

155

105

160

109

165

112

170

116

175

119

180

122

185

126

190

129

195

133

200

136

205

139

210

142

 

Eine Besonderheit beim Skitourengehen ist, dass der Stock eher ein bisschen länger als zu kurz gekauft werden sollte. Muss man auf einer längeren flachen Strecke anschieben, fährt man den Stock gerne etwas länger aus.

 

Richtiges Einstellen des Wanderstockes:

Haben Sie Ihre optimale Stocklänge nun ausgewählt und den Wanderstock gekauft, muss er nur noch richtig eingestellt werden. Die gute Nachricht: Das Einstellen eines Wanderstocks ist keine Wissenschaft, sondern ganz einfach. Gehen Sie einfach Schritt für Schritt vor:

1. Nehmen Sie den Wanderstock am Griff in die Hand. Wichtig: Dabei tragen Sie bereits Ihre Bergschuhe. Wollen Sie den Stock auf Skitour benutzen, ziehen Sie Ihre Skitourenschuhe an.

2. Stellen Sie die Stockspitze auf den Boden.

3. Passen Sie nun die Stocklänge so an, dass an Ihrem Ellenbogen ein 90-Grad-Winkel zwischen Unter- und Oberarm besteht. → Siehe nachfolgendes Bild

Sollte sich das Gelände unterwegs ändern (und am besten nicht nur für wenige Meter), stellen Sie sich wieder wie beschrieben hin und verstellen den Stock erneut in der Länge. Sprich, bei einer längeren Steigung sollten Sie den Wanderstock kürzer und bei einem längeren Gefälle länger einstellen, damit er Sie optimal beim Gehen unterstützt.

Noch ein Tipp, wenn ein Hang gequert werden muss (egal ob beim Wandern oder auf Skitour): In diesem Fall ist es sinnvoll, den Stock auf der steilen Hangseite kürzer und den Stock auf der Seite mit Gefälle länger einzustellen (beachten Sie dabei den 90-Grad-Winkel siehe oben). Oder: Man greift den Stock auf der steilen Seite einfach etwas tiefer (deshalb haben Stöcke oft eine Griffpartie unterhalb des eigentlichen Griffes), dann muss der Wanderstock nicht extra verstellt werden. So gelangt man sicher durch die Hangquerung.

Eine große Auswahl an Wanderstöcken finden Sie in unserem Shop

Der Beitrag Wanderstöcke – Die Wahl der richtigen Stocklänge erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
Kletterseile – der ultimative Guide zur Pflege https://verticalextremeblog.de/kletterseil_waschen_lebensdauer/ <![CDATA[Martin Wagner]]> Wed, 18 Jul 2018 13:44:14 +0000 <![CDATA[Beliebteste Beiträge]]> <![CDATA[Kaufberatung]]> <![CDATA[aufbewahrung kletterseil]]> <![CDATA[kletterseil]]> <![CDATA[kletterseil kürzen]]> <![CDATA[kletterseil pflegen]]> <![CDATA[kletterseil waschen]]> <![CDATA[lebensdauer kletterseil]]> <![CDATA[lebensdauer seil]]> <![CDATA[mittenmarkierung kletterseil]]> <![CDATA[pflege seil]]> <![CDATA[seilpflege]]> <![CDATA[verwendung kletterseil]]> https://www.verticalextreme.de/blog/?p=841 <![CDATA[

Bis dass der Tod uns scheidet, oder vielleicht doch lieber vorher austauschen? Das Kletterseil waschen und pflegen und somit die…

Der Beitrag Kletterseile – der ultimative Guide zur Pflege erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
<![CDATA[

Bis dass der Tod uns scheidet, oder vielleicht doch lieber vorher austauschen?
Das Kletterseil waschen und pflegen und somit die Haltbarkeit maximieren.

Das Kletterseil ist die Lebensversicherung eines Kletterers und schützt im Fall des Falles vor dem unsanften Bodenkontakt. Moderne Kletterseile halten viel aus und haben einige Sicherheitsreserven, doch natürlich sind auch hier schnell Grenzen gesetzt. Wann wird es gefährlich und wann tauscht man das Seil besser aus? Und was kann man tun, um die Lebensdauer eines Seils zu verlängern, wie zum Beispiel das Kletterseil waschen? Antworten zu Sicherheit und Seilpflege werden in diesem Artikel beantwortet.

Ein weiter Sturz beim Sportklettern, kann ein Grund zum Austauschen eines Klettereils sein.

Ein weiter Sturz beim Sportklettern, kann ein Grund zum Austauschen eines Klettereils sein. (Martin Wagner beim Victoryjump vom Umlenker in Aquilles 7c+, Rodellar)

Lebensdauer Kletterseil

Oft stellt man sich die Frage, wie lange man ein Seil verwenden kann und wann es Zeit wird, es auszutauschen. Die Lebensdauer eines Seiles ist stark vom Gebrauch, dem Umgang und der Pflege des Seils abhängig. Wer ein Kletterseil stark strapaziert oder nicht sorgsam damit umgeht, darf es schnell austauschen. Ein gut gepflegtes Seil kann abhängig von der Häufigkeit der Nutzung recht lange halten. Eine grobe Orientierung gibt folgende Tabelle:

Häufigkeit der Nutzung Lebensdauer des Kletterseiles
ständig (fast täglich) weniger als ein Jahr
häufig (jede Woche) bis zu einem Jahr
regelmäßig (mehrmals pro Monat) bis zu 3 Jahre
gelegentlich (ca. einmal pro Monat) bis zu 5 Jahre
selten (ein- bis zweimal pro Jahr) bis zu 7 Jahre
nie max. 10 Jahre

 

Davon abweichend gibt es allerdings einige Faktoren, welche die Lebensdauer eines Seiles stark verkürzen oder einen sofortigen Tausch notwendig machen…

 

Gefahren für Kletterseil und Leben:

Hohe Sturzbelastung:

Hersteller raten nach einem extrem harten Sturz mit Sturzfaktor 1 das Seil auszutauschen, da die extremen Belastungen unsichtbare Beschädigungen am Seil verursachen können. Der Sturzfaktor berechnet sich aus der Fallhöhe geteilt durch ausgegebenes Kletterseil bei statischem Fixpunkt, sprich hartem Sichern. (Mehr zum Normsturz im Artikel „Kaufberatung Kletterseile“).
Hohe Sturzbelastungen sind beim Sportklettern aber eher selten – häufig wird ein Sturzfaktor von maximal 0,3-0,4 erreicht. Auch muss man die härteren Sportkletterstürze nicht überbewerten. Wie der Sicherheitsexperte Pit Schubert in „Normprüfung von Bergseilen“ schreibt, sind Seilrisse ohne Scharfkantenkontakt so gut wie unmöglich. Dennoch ist bei harten Stürzen mit hohem Sturzfaktor, wie z.B. ein Sturz vom Standplatz ohne Zwischensicherung oder ein harter Sturz in den ersten Haken, Vorsicht geboten. Wir raten daher lieber früher als später in ein neues Kletterseil zu investieren und besonders die weiteren Anzeichen zu beurteilen.

Kletterseil am Limit - aufgeriebener Seilmantel: der Kern schaut schon heraus.

Kletterseil am Limit – aufgeriebener Seilmantel: der Kern schaut schon heraus.

Verletzter Mantel:

Bei Schäden am Seilmantel gilt Alarmbereitschaft. Sollte bereits der Kern durch den Mantel schauen, Schnittverletzungen sichtbar oder das Seil stark aufgepelzt und knickbar sein, ist es höchste Zeit das Kletterseil zu kürzen oder auszusortieren. Häufig sind die genannten Beschädigungen 2-5 Meter vom Seilende entfernt zu finden, da hier die Belastung auf das Seil beim Ausbouldern oder kleinen Stürzen besonders hoch ist. In diesem Fall reicht es, den beschädigten Teil des Seils abzuschneiden, sofern der Rest des Seils noch in Ordnung ist. Hierbei ist zu beachten, dass die Mittenmarkierung dann nicht mehr stimmt und die verkürzte Seillänge bei langen Routen beachtet werden muss. Ein Knoten am anderen Ende des Seils ist Pflicht! Sind Mantelschäden in der Mitte des Seils oder über das Seil verteilt zu finden, führt kein Weg am Kauf eines neuen Kletterseils vorbei.

Vergleich aufgepelzter Seilmantel und unbeschädigtes Kletterseil

Vergleich aufgepelzter Seilmantel und unbeschädigtes Kletterseil

Abrieb:

Felskanten, Seil-auf-Seil-Reibung und scharfe Karabiner am Umlenker oder an den Zwischensicherungen können erhöhten Seilabrieb verursachen. Mit der Zeit pelzt das Seil auf, der Seilmantel wird dünner und fransiger, und Mantelschäden wie oben beschrieben werden schon bei geringeren Belastungen oder schon nach kürzerer Zeit sichtbar. Sofern das Abschneiden der geschädigten Enden nicht mehr reicht oder Schäden in der Seilmitte sichtbar werden, ist ein Austausch des Kletterseils notwendig. Auch wenn sich das Kletterseil vollkommen knicken lässt, ist ein Kürzen oder Austauschen des Seils notwendig.

Alles in Ordnung - das Kletterseil lässt sich nicht vollständig knicken.

Alles in Ordnung – das Kletterseil lässt sich nicht vollständig knicken.

Zeit zum Austauschen oder Abschneiden - das Kletterseil lässt sich vollständig knicken.

Zeit zum Austauschen oder Abschneiden – das Kletterseil lässt sich vollständig knicken.

Schmelzverbrennung:

Ähnlich wie der Abrieb, können Schmelzverbrennungen verursacht werden. Dies passiert am häufigsten bei Stürzen in scharfe Karabiner oder bei schnellem Ablassen über spitze Felskanten oder über scharfe Umlenker. Der Mantel zeigt sich einseitig hart und weist eine Verschmelzung der Mantelgarne auf. Damit büßt das Kletterseil nicht nur die Flexibilität ein, sondern der schützende Mantel ist ernsthaft beschädigt. Je nach Ausmaß der Verbrennung muss das Seil getauscht werden.

Stark abgeschliffener Karabiner mit scharfer Kante.

Stark abgeschliffener Karabiner mit scharfer Kante.

Verformung/Mantelverschiebung:

Intensives Topropen verursacht häufig größere Mantelverschiebungen, was bis hin zu Verformungen oder Beulen im Mantel führen kann. Die Seilfestigkeit ist dadurch zwar nicht vermindert, allerdings wird das Handling schnell schlechter. Im Extremfall lassen sich Beulen nicht mehr durch die Sicherungsgeräte ziehen oder bauen sich am Umlenkpunkt so auf, dass verstärkt Belastung auf den Mantel kommt. Dies wiederum kann Mantelbeschädigungen und Risse verursachen.  Die Wahl eines geeigneten Seiles z.B. mit einer Kern-Mantel-Verbindung bzw. die richtige Verwendung kann diesen Effekt reduzieren.

Kletterseil mit typischem Wulst durch Mantelverschiebung.

Kletterseil mit typischem Wulst durch Mantelverschiebung.

Versteifung:

Alterung durch Temperatureinwirkung und UV-Licht sowie Verschmutzung des Seils oder geringe Schmelzverbrennungen können das Seil versteifen. Damit wird nicht nur das Handling schlechter, sondern auch die dynamischen Eigenschaften werden herabgesetzt. Spätestens wenn das Seil zu unflexibel wird und sich Einschränkungen beim Sichern und Klettern ergeben, sollte das Kletterseil ausgetauscht werden.

Hohe Belastung bei Nässe:

Durchnässte Seile, die hohen Belastungen ausgesetzt werden, verlieren an Festigkeit und sollten ersetzt werden. Sofern nass gewordene Seile, die im nassen Zustand keiner harte Belastung ausgesetzt waren, wieder schonend getrocknet werden (nicht in der prallen Sonne), können sie danach wieder uneingeschränkt genutzt werden. Wer eine Nutzung in nassem Terrain plant, sollte unbedingt auf eine entsprechende Imprägnierung achten, damit der Seilkern geschützt bleibt.

Typisches Seilstück, das lange Sonne und Wetter ausgesetzt war.

Typisches Seilstück, das lange Sonne und Wetter ausgesetzt war.

UV-Strahlung und hohe Temperaturen:

Lange und direkte Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen verspröden das Kletterseil und machen es steif. Die dynamischen Eigenschaften werden dadurch reduziert und das Seil verliert auf die Dauer an Festigkeit und Flexibilität. In diesem Fall führt kein Weg an einem Austausch des Seils vorbei. Das heißt natürlich nicht, dass man nicht mehr im sonnigen Süden klettern darf, sondern nur, dass man Kletterseile nicht wochenlang in der Sonne liegen und hängen lassen sollte, sondern entsprechend schonend lagert. Wenn das Seil lange im Sand benutzt wurde, sollte man danach das Kletterseil waschen.

Kontakt mit Chemikalien:

Kontakt mit Chemikalien ist in jedem Fall zu vermeiden. Bei Kontakt muss das Kletterseil sofort ausgesondert werden, da die innere Struktur der Seile empfindlich geschädigt wird und schon bei sehr geringen Kräften reißen kann. Besonders bei der Lagerung oder dem Transport sind beispielsweise auslaufende Autobatterien oder Laugen und Säuren eine Gefahr. Spiritus, Benzin, Diesel oder Essigsäure fügen dem Seil keinen großen Schaden zu, sollte aber trotzdem vermieden werden.

Verschmutzung:

Starke Verschmutzungen machen das Seil nicht nur steif und unflexibel, sondern schädigen auch weiteres Sicherungsmaterial. Sofern es sich nur um Dreck und Staub handelt, kann Waschen  das Seil retten, in anderen Fällen ist ein Austausch des Kletterseiles anzuraten. Vorbeugend sollte immer ein Seilsack oder eine Seilplane verwendet werden.

 

Seilpflege und die richtige Verwendung eines Kletterseils:

Wer sein Kletterseil gut pflegt, kann es lange und ohne Sorge benutzen. Der richtige Umgang mit einem Seil schont nicht nur die Kletterausrüstung, sondern ist im Zweifelsfall lebenswichtig. Neben der korrekten Verwendung von Sicherungsgeräten und Knoten gibt es noch ein paar weitere Punkte, die bei der Verwendung eines Kletterseils wichtig sind und Seil und Material schonen. Hier seien beispielhaft nur ein paar aufgeführt:

  • Knoten am Seilende, um nicht über das Seilende hinaus abzuseilen.
  • Regelmäßiger Sicherheitscheck, um Schädigungen von Mantel und Kern zu erkennen
Seilaufbau: Mantel und Kern eines Kletterseils

Seilaufbau: Mantel und Kern eines Kletterseils

  • Nicht an scharfgeschliffenen Karabinern klettern, weder an eigenen noch an fixen Karabinern. Kontrolle der Karabiner ist immer anzuraten, da sonst der Mantel beschädigt werden kann.
  • Im Freien immer am eigenen Material umlenken (zwei gegenläufige Expresschlingen oder ein Schraubkarabiner) und Topropen. Erst das letzte Abseilen wird am vorhandenen Umlenker gemacht. Damit wird bestehendes Material geschont und ist nicht so schnell scharf.
  • Sehr schnelles Abseilen vermeiden, um Verschmelzungen zu vermeiden.
  • Nicht über andere Seile oder Schlingen umlenken, da die Kletterseile sonst stark durchgeschliffen werden und reißen können.
  • Kletterseil sauber halten, Seilsack oder Seilplane verwenden und regelmäßig das Kletterseil waschen. Staub im Seil wirkt wie Schmirgelpapier und schleift die Karabiner schnell scharf, was Mantelverletzungen verursacht.
  • Kletterseil trocken halten oder im Schatten trocknen.
  • Seil vor dauerhafter UV-Strahlung und Hitze schützen.
  • Kletterseil regelmäßig entkrangeln und durch dem Umlenker ziehen.
  • Seilenden wechseln, um eine gleichmäßigere Abnutzung zu erreichen. Bei häufigem Topropeklettern sollte die Seillänge die doppelte Routenlänge nicht stark überschreiten, ansonsten bildet sich ein Mantelwulst in der Mitte des Seils.
Beal Unicore Kletterseile eignen sich gut zum Topropen.

Beal Unicore Kletterseile eignen sich gut zum Topropen. (Jeffrey Horvath im „Sandler“ 6a, Achleiten).

  • Kletterseil richtig aufbewahren (siehe nächster Unterpunkt des Artikels).
  • Beschädigte Seilenden kürzen und bei Bedarf Mittenmarkierung anpassen.
  • Seile nicht zum Abschleppen oder zum Spannen von Slacklines verwenden, da die Fasern ihre dynamischen Eigenschaften verlieren und geschädigt werden.
  • Kletterseile niemals gebraucht kaufen. Die Historie des Seils sollte bekannt sein, da Schäden unbemerkt bleiben können. Kontakt mit Chemikalien oder unsachgemäße Verwendung (z.B. zum Abschleppen) sind oft nicht ersichtlich und bergen ein sehr hohes Sicherheitsrisiko.
  • Seile vor Chemikalien fern halten.

Fachgerechte Aufbewahrung eines Kletterseils:

Um ein Seil stets sauber zu halten und vor anderen Einflüssen zu schützen, ist die richtige Aufbewahrung wichtig. Zum Transport empfiehlt sich ein Seilsack, welcher mit Plane auch während der Nutzung des Seils vor Staub und Schmutz schützt. Die Enden können an den vorhandenen Schlaufen verknoten werden, um einen Knoten mitten im Seil zu verhindern bzw. das Seilende zu markieren. Zum Transport oder der Lagerung sollte das Kletterseil nicht aufgenommen werden, sondern lose im Seilsack bleiben. Dies verhindert Krangel im Seil. Die Lagerung erfolgt am besten in einem vor Hitze und direktem Sonnenlicht geschützten und trockenem Raum. Dauerhaftes Lagern im Auto ist gerade im Sommer nicht anzuraten, da das Seil schnell steif wird, sobald es der Hitze ausgesetzt ist. Am besten eignet sich der Keller oder ein Schrank. Auch sollte das Kletterseil nicht hängend gelagert werden, da sonst Belastung auf die immer gleiche Stelle des Seils kommt. Nasse Seile sollten offen langsam getrocknet werden und nicht in feuchtem Zustand im Seilsack verbleiben, da sich sonst Schimmel bilden kann. Kontakt mit Chemikalien ist in jedem Fall zu vermeiden.

Fertig zum Weiterklettern - Kletterseil mit abgeschnittenem Ende.

Fertig zum Weiterklettern – Kletterseil mit abgeschnittenem Ende.

Kletterseil Abschneiden bzw. kürzen:

Von intensivem Ausbouldern oder kurzen Stürzen ins Seil scheuern die Seilenden häufig auf. Der Mantel ist aufgerieben, der Kern schaut durch oder das Kletterseil lässt sich komplett knicken. Wenn der Rest des Seiles aber noch in Ordnung ist, dann kann man das Seil kürzen und danach weiterverwenden. Man sucht sich also die Stelle am Kletterseil ca. 30cm nach der beschädigten Seilstelle (sofern das Seil dort wieder in Ordnung ist) und schneidet es unter leichtem Zug mit einem geeigneten Messer durch. Nun streicht man den Mantel etwas aus, um Mantelverschiebungen auszugleichen. Nach weiteren 20cm (sofern Mantel und Kern vorhanden sind) umklebt man die Seilstelle straff mit zwei Wicklungen Tape und durchtrennt das Seil unter leichtem Zug an der getapten Stelle mit einem sauberen Schnitt, sodass mind. 1cm Tape am guten Ende verbleibt. Nun wird das Ende noch mit einem Feuerzeug angeschmolzen und zusammengedrückt, um Mantel und Kern zu verbinden. Es empfiehlt sich, dass man die Seilenden immer wieder wechselt, um über die Zeit gleichmäßig von beiden Seiten zu kürzen. Wichtig ist, dass man die verkürzte Seillänge einkalkuliert und auf jeden Fall einen Knoten ins Seilende macht. Ebenfalls zu beachten ist, dass die Mittelmarkierung  nicht mehr stimmt und bei Bedarf erneuert werden sollte. Tipps hierzu im nächsten Punkt.

Die Mittenmarkierung im Kletterseil:

Werden Seilenden gekürzt oder ist die Mittenmarkierung nicht mehr sichtbar, ist es sinnvoll die Seilmitte neu zu markieren. Markierungsstifte gibt es von einigen Seilherstellern. Die Hersteller empfehlen für die Seile entsprechend nur die eigenen Stifte zu verwenden, da diese am besten auf das Material angepasst sind. Von der Verwendung von Edding und Co. wird dringend abgeraten, da diese aggressive Chemikalien enthalten können. Natürlich unterscheiden sich die Seilmaterialien nicht wirklich und es können Markierungsstifte aller Seilhersteller für alle Kletterseile verwendet werden.

Kletterseil waschen und reinigen:

Vorbeugend sollte man die Verschmutzung eines Seils verringern, wofür sich Seilplanen bzw. Seilsäcke eignen. Irgendwann kann es aber dennoch Zeit werden, das Kletterseil zu waschen. Schmutz und Staub im Seil reiben nicht nur die Fasern des Seils gegenseitig auf und verschleißen so das Kletterseil, auch die Flexibilität des Seils reduziert sich. Dies ist beim Handling schnell störend und das Seil läuft nicht mehr so geschmeidig durch die Sicherungsgeräte oder Zwischensicherungen. Seilreibung ist die Folge. Auch werden durch Schmutz und Staub die Karabiner schneller abgenutzt und scharf geschliffen. Äußerlicher Dreck und Staub sollte regelmäßig mit einer Seilbürste entfernt werden. Hierzu zieht man die Bürste mehrfach über das trockene Kletterseil.

Kletterseil waschen mit dem Beal Rope Cleaner

Kletterseil waschen mit dem Beal Rope Cleaner

Zum Kletterseil waschen nutzt man am besten eine Wanne mit handwarmen Wasser. Schonende Synthetik Waschmittel können genutzt werden, besser ist aber extra dafür vorgesehene Waschmittel zu verwenden. Auch hier kann die Seilbürste nochmals Einsatz finden. Die Waschmaschine im Schongang bei 30°C ist eine Alternative. Allerdings können so leicht Seilkrangel entstehen, weshalb ich davon abrate.

Zum Trocknen des Seiles, das Kletterseil am besten gleichmäßig und locker über einen Wäscheständer auslegen (nicht hängen) oder auf dem Boden ausbreiten. Direkte Sonneneinstrahlung oder Hitze sollte aber in jedem Fall vermieden werden. Vor dem Zusammenpacken zurück in den Seilsack, sollte das Kletterseil vollständig trocken sein, da sich ansonsten Schimmel bilden kann.

 

Quellennachweise:
Pit Schubert: Normprüfung von Bergseilen. In: bergundsteigen. Nr. 2, 2003, S. 42–49: http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2003/2/print/42-49%20(heilamseil).pdf (5.7.18)

Der Beitrag Kletterseile – der ultimative Guide zur Pflege erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
Kaufberatung Kletterschuhe – Auf die Größe kommt es an … https://verticalextremeblog.de/kaufberatung-kletterschuhe-groesse-passform-einsatzbereich/ <![CDATA[Martin Wagner]]> Mon, 25 Jun 2018 13:27:40 +0000 <![CDATA[Beliebteste Beiträge]]> <![CDATA[Kaufberatung]]> <![CDATA[bouldern]]> <![CDATA[fußform]]> <![CDATA[größe]]> <![CDATA[größenberatung]]> <![CDATA[größenempfehlung]]> <![CDATA[hooken]]> <![CDATA[kaufberatung]]> <![CDATA[klettern]]> <![CDATA[kletterschuhe]]> <![CDATA[kletterschuhe test]]> <![CDATA[passform]]> <![CDATA[reibungskletterei]]> <![CDATA[test]]> <![CDATA[testbericht]]> https://verticalextremeblog.de/?p=23 <![CDATA[

Groß und breit oder doch lieber klein und eng? Damen und Herren des vertikalen Sports stellen sich diese Frage immer…

Der Beitrag Kaufberatung Kletterschuhe – Auf die Größe kommt es an … erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
<![CDATA[

Groß und breit oder doch lieber klein und eng? Damen und Herren des vertikalen Sports stellen sich diese Frage immer wieder. Am Ende kommt es auf die persönlichen Vorlieben an und wie viel man spüren will. Auch die Frage, ob ohne Socke besser ist, steht häufig im Raum. Natürlich reden wir hier von der richtigen Kletterschuhgröße.

Wir klären auf und geben Tipps, wie du die richtige Kletterschuhgröße für deinen Schuh, dich, deinen Fuß und deine Anforderungen findest.

Grundsätzlich werden Kletterschuhe relativ eng getragen, sodass der Fuß sicher im Schuh steckt. Aber wie eng muss es wirklich sein?

Je enger der Kletterschuh, desto besser die Performance? Mythos oder Wahrheit? (Foto: ocun.com)

Je nach Hersteller können sich die Kletterschuhgrößen stark unterscheiden. Beispielsweise fallen Kletterschuhe von Five Ten oder Evolv relativ klein aus, wohingegen man bei Scarpa und La Sportiva ein paar Größen abziehen muss. Der Plaisirkletterer möchte lieber einen bequemeren Schuh, um länger schmerzfrei im Schuh bleiben zu können, während der Boulderfreak die volle Performance eines knallengen Schuhs bevorzugt. Das Kletterkönnen spielt  dabei auch eine große Rolle. Ein Einsteiger, der mit größeren Tritten verwöhnt wird, braucht keinen extrem engen Schuh, den aber der Profi bevorzugen würde.

Damit du dich im Größendschungel nicht verirrst, haben wir bei jedem Modell eine Größenempfehlung abgegeben, je nachdem welche Anforderungen du an den Schuh stellst. Eingeteilt in die Kategorien Komfort, Performance und Highperformance findest du so die richtige Größe für deinen Schuh.

Grundsätzlich abhängig vom Schuhmodell gilt:

  • Komfort: Die Größenempfehlung, wenn man es länger im Schuh aushalten will. Präzises Hooken oder optimale Kraftübertragung auf kleinere Tritte sollte man allerdings nicht erwarten.
  • Performance: Für etwas mehr Feingefühl beim Stehen und Hooken. Man nutzt die Qualitäten des Schuhs aus, ohne ihn nach 5 Minuten sofort ausziehen zu müssen.
  • Highperformance: Schuhe in der Einsteigerkategorie können präziser genutzt werden und Freaks holen aus einem Spitzenschuh das Maximum an Performance heraus. Allerdings sollte man an enge Schuhe gewöhnt sein bzw. eine gewisse Schmerzresistenz mitbringen. In der Regel bleibt der Schuh nie besonders lang an den Füßen.

Im Detail ist die Größenempfehlung natürlich an die Schuhkategorie und den Einsatzzweck angepasst:

  •  Einsteiger und Plaisirkletterer:

Ein solider Allround-Kletterschuh und perfekt für den Einstieger: der Red Chili Durango

Im Komfortbereich sitzt der Schuh sehr locker. Das ist ideal für Neueinsteiger, die an enge Kletterschuhe noch nicht gewöhnt sind. Die Zehen liegen flach im Schuh ohne schmerzhaft verformt zu werden. Große Tritte können somit lange bequem getreten werden.

Im Performancebereich sitzt der Schuh schon etwas enger, sodass man sich auch an etwas kleinere Tritte wagen kann, ohne dass der Schuh gleich abrutscht. Reibungstritte können problemlos getreten werden und einfache Hooks sind ebenfalls möglich.

Highperformance in dieser Schuhkategorie bedeutet, dass der Schuh eng am Fuß sitzt und die Zehen eventuell schon aufgestellt in der Zehenbox stecken. Kleinere Tritte in Plaisirrouten oder Hooks, ohne dass der Schuh sofort vom Fuß rutscht, stellen kein Problem dar.

  • Ambitioniert:

Ambitionierte Kletterer aufgepasst: Der Scarpa Instinct VS ist die ideale Waffe für schwere senkrechte sowie überhängende Routen und Boulder.

Der Komfortbereich in dieser Kategorie erlaubt es, einen solchen Schuh auch zum Plaisirklettern zu verwenden. Man hält es ohne Probleme länger im Schuh aus, allerdings darf man nicht erwarten, die volle Performance des Schuhs abzurufen. Je nach Modell können die Zehen schon leicht aufgestellt in der Zehenbox stecken.

Im Performancebereich stecken die Zehen meist aufgestellt in der Zehenbox. Es ist kein Problem, präzise anzutreten oder Hooks zu platzieren, ohne dass die Ferse aus dem Schuh rutscht. Je nach Fußanpassung kann man den Schuh auch mal länger während der Bouldersession anbehalten oder lange Routen bezwingen.

Im Highperformancebereich wird der Fuß recht eng in den Schuh gequetscht. Die Zehen sind aufgestellt in der Zehenbox und der bei einigen Modellen vorhandene Downturn entfaltet seine volle Wirkung. Sichere Hooks und kleine Tritte sind kein Problem. Reibungstritte werden je nach Schuhmodell eventuell schwierig.

Ein angepasster Fuß und etwas Schmerzresistenz schaden nicht, in jedem Fall zieht man den Schuh aber spätestens nach einem Versuch im Boulder oder der Route wieder aus.

  • Schuhe der Kategorie Freak (Extreme):

Ein revolutionärer Kletterschuh, speziell entwickelt für die extremen Anforderungen beim Bouldern, ist der La Sportiva Solution.

Bei diesen Modellen von Komfort zu sprechen, trifft nur für angepasste Füße zu. Die Schuhe haben meist eine extreme Vorspannung und von Haus aus aufgestellte Zehen. Im Komfortbereich hält man es zwar länger in diesem Schuh aus, allerdings gehen die Raffinessen dieser Modelle etwas verloren. Optimale Kraftübertragung kann man nicht erwarten. Außerdem wird aus solch einem Modell auch kein Reibungskletterschuh oder gemütlicher Anfängerschuh. Man muss zudem damit rechnen, dass auch ein Hook mal rutschen kann.

Im Performancebereich können Schuhe dieser Kategorie ihre vollen Raffinessen ausspielen. Der Schuh sitzt eng am Fuß, die Zehen sind aufgestellt und Hooks können sicher gesetzt werden. Optimale Kraftübertragung auf die Schuhspitze für kleine Tritte oder steiles Gelände sind damit möglich. Ideal also für schwere Boulder oder Sportkletterrouten, bei denen man den Schuh sofort nach dem Versuch wieder auszieht.

Highperformance bei extremen Schuhen verlangen eine außerordentliche Fußanpassung bzw. Schmerzresistenz. Allerdings kann man wohl kaum mehr Leistung aus einem Schuh herausholen. Gerade am Anfang, wenn der Schuh noch nicht eingetragen ist, ist das Tragegefühl möglicherweise etwas unangenehm. Dafür kann man kleinste Tritte treten und komplizierteste Hooks an die Wand bringen. Fazit: Für Versuche in schweren Projekten, die richtige Wahl, sofern man die Schuhe regelmäßig auszieht.

  • Reibungskletterei

Schuhe, die für diese Spielart des Kletterns geeignet sind, haben meist wenig Vorspannung. Sofern der Schuh nicht zu eng gewählt wird, können die Zehen gut ausweichen und eine größere Fläche des Schuhs kann auf den Reibungstritt gedrückt werden. Es empfiehlt sich also für den Einsatz auf Reibungsplatten eine Größe im Komfort- oder maximal Performancebereich zu wählen.

  • Kleine Tritte und steiles Gelände

Optimale Kraftübertragung auf kleine Tritte erreicht man eher mit engeren Schuhen. Je nach Schuhtyp wählt man hier lieber die Performance- oder Highperformancegröße.

  • Hooks

Damit der Fuß bei Hooks sicher im Schuh bleibt und nicht herausrutscht, sollte der Schuh eng genug gewählt werden. Je nach Anforderung wählt man hier die Größe mindestens im Performance- oder Highperformancebereich.

Ob´s am Schuh liegt? Dieser Hook hält bombenfest!

Vor der Größenwahl sollte man allerdings schon einiges beachten:

  • Das Schuhmodell aus der richtigen Kategorie:

Finde zuerst das passende Schuhmodell für dich, deine Anforderungen und dein Können. Als Freak nützt dir auch ein knallenger Einsteigerschuh wenig. Als Einsteiger den Schuh für Freaks zwei Nummern zu groß zu nehmen, hilft auch nichts. Die Beratung zum passenden Modell findest du hier:
https://www.verticalextreme.de/kletterausruestung/kletterschuhe/#kaufberatung

  • Dehnung abhängig von Material und Schnitt:

Abhängig von Material und Schnitt können sich Kletterschuhe nach mehrmaligem Gebrauch noch dehnen. Im schlimmsten Fall wird der Highperformance-Schuh zum Hausschuh oder die erwartete Dehnung bleibt aus und man leidet unter Fußschmerzen. Schuhe aus Leder dehnen sich in der Regel stärker als Schuhe aus Kunstleder oder Microfaser. Ist ein Schuh stark quervernäht oder mit Gummi für Hooks und Toehooks ummantelt, wird die Dehnung auch etwas reduziert. Detailinfos dazu finden sich in unseren Testberichten.

  • Fußform:

Jeder Fuß ist individuell und passt besser oder schlechter in einen bestimmten Schuh. Was der eine als den perfekt sitzenden Schuh bezeichnet, kann für den anderen ein Alptraum sein. Am Ende muss man den Schuh anprobieren. Passt er im Performancebereich schon sehr gut, kann man sich auch an die Highperformancegröße wagen. Schmerzt der Schuh schon in der Komfortgröße, greift man besser zu einem anderen Modell.

Der wichtigste Einfluss auf die Passform ist die Fußbreite. Hat man einen breiten Fuß, wird man nie bequem mit einem schmalen Schuh klettern können. Ist der Schuh breit bei einem schmalen Fuß, besteht die Gefahr, dass sich der Schuh um den Fuß dreht, sobald man seitlich antritt. Während Five Ten und La Sportiva meist eher schmal ausfallen, bietet Boreal eher einen breiten Leisten. Alles andere liegt irgendwo dazwischen und ist von Modell zu Modell unterschiedlich.

Die Zehenform kann ebenfalls ausschlaggebend dafür sein, ob ein Schuh passt. Dabei unterscheidet man zwischen der ägyptischen, römischen und griechischen Zehenform. Bei der ägyptischen Zehenform steht der große Zeh am weitesten nach vorne, der Reihe nach gefolgt von den anderen Zehen. Ein asymmetrischer Leisten passt hier meist am besten. Bei der römischen Zehenform ragen großer Zeh und die zweite Zehe gleich lang nach vorne. Auch damit wählt man am besten einen asymmetrischen Leisten. Mit der griechischen Zehenform, bei der die zweite Zehe am weitesten nach vorne ragt, greift man am besten zu einem symmetrischen Leisten. Bei langjährigem Tragen von Kletterschuhen, passt sich der Fuß am Ende sowieso an die Schuhform an.

Jeder Fuß ist individuell. Kletterschuhe also am besten immer anprobieren!

Wer einen hervorstehenden Ballenknochen hat (sog. Hallux Vagus) fährt mit einem extremeren Schuh besser. Schuhe mit hoher Vorspannung wirken dem Hallux Vagus etwas entgegen und unterstützen den Fuß.

  • Tageszeit und Jahreszeit:

Abends und bei höheren Temperaturen sind die Füße geschwollener als morgens oder im kalten Winter. Dies sollte man beim Anprobieren bedenken.

  • Probieren geht über studieren:

Ein Patentrezept für die Kletterschuh- und Größenwahl gibt es leider nicht. Man kann zwar eine Vorauswahl treffen, am Ende muss man den Schuh aber anprobieren.

  • Mit oder ohne Socken?

Ein Richtig oder Falsch gibt es auch hier nicht. Manche bevorzugen es, Kletterschuhe mit Socken zu tragen, um den Schweißgeruch zu vermindern. Andere nutzen Nylonsöckchen, um leichter einschlüpfen zu können. Das bessere (Tritt-)Gefühl erhält man – wie schon vermutet – ohne, da eine Schicht weniger zwischen Fuß und Tritt steckt. Wer mietet oder leiht, zieht vielleicht doch besser was drüber ;-).

Ist der perfekte Schuh endlich gefunden, zählt nur noch eins: Ab damit an den Fels oder in die Halle! (Foto: ocun.com)

 

Der Beitrag Kaufberatung Kletterschuhe – Auf die Größe kommt es an … erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
Kletterausrüstung – Was braucht man? https://verticalextremeblog.de/kletterausruestung-was-braucht-man/ <![CDATA[Michael Huber]]> Wed, 24 Aug 2016 15:50:32 +0000 <![CDATA[Kaufberatung]]> <![CDATA[anfänger]]> <![CDATA[einsteiger]]> <![CDATA[indoor]]> <![CDATA[kletterausrüstung]]> <![CDATA[kletterhalle]]> <![CDATA[klettern]]> <![CDATA[was braucht man]]> https://www.verticalextreme.de/blog/?p=139 <![CDATA[

Teil 1: Einsteiger, Hallenklettern bzw. Indoorklettern   Der erste Teil unseres Lehrgangs behandelt das Thema, was man als Einsteiger in…

Der Beitrag Kletterausrüstung – Was braucht man? erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>
<![CDATA[

Teil 1: Einsteiger, Hallenklettern bzw. Indoorklettern

 

Der erste Teil unseres Lehrgangs behandelt das Thema, was man als Einsteiger in den Klettersport an Kletterausrüstung benötigt, um selbstständig in der Kletterhalle klettern zu können. Ich kann euch schon vorab beruhigen – es wird weniger an Kletterausrüstung gebraucht als ihr vielleicht denkt und das Equipment für Einsteiger ist zudem relativ günstig zu bekommen. Alles zusammen müsst ihr in etwa 300€ für eine Einsteigerausrüstung einplanen – wobei ihr bei der Anschaffung des Kletterseils wunderbar zusammenlegen könnt. Schließlich braucht ihr zu zweit nur ein Kletterseil.

Um in den Klettersport einzusteigen braucht man folgende Kletterausrüstung (im Schnelldurchlauf):

  • Kletterschuhe
  • Klettergurt
  • Kletterseil
  • Sicherungsgerät inklusive Karabiner
  • Chalkbag und Chalk

Foto: adidasoutdoor.com/fiveten-brand


Kletterschuhe
 leiht man sich bei den ersten Gehversuchen meist noch in der Kletterhalle. Die Kletterschuhe dort sind jedoch meist nicht 100% passend und aufgrund der Hygiene gehen die meisten mit Socken in die Kletterschuhe. Das geht stark auf Kosten der Sensibilität. Eigene Kletterschuhe sitzen besser und können barfuß geklettert werden – das bringt mehr Spaß und Leistung, zudem ist das Ausleihen der Kletterschuhe in der Halle nicht ganz billig. Eine Anschaffung hat sich schnell amortisiert. Zu Beginn braucht man keinen aggressiven High-End Schuh um Spaß am Klettern zu haben. Wir raten sogar kategorisch davor ab einen zu „scharfen“ Schuh zu kaufen. Aufgrund der noch mangelnden Fußtechnik wird dieser schnell verschließen sein, zudem ist er sehr teuer im Vergleich zu einem Einsteigerschuh. Kletterschuhe für Einsteiger liegen zwischen 60 – 90€. Bei den billigsten Modellen muss man noch Abstriche beim Komfort machen, am Ende der Skala bekommt man einen stabilen und komfortablen Kletterschuh, mit dem man lange Spaß haben wird.  Unterschied zu den teureren und professionelleren Modellen ist die dickere Gummimischung, i.d.R. keine Vibram Sohle, keine Vorspannung und kein Downturn. Das alles braucht ein Kletteranfänger aber sowieso nicht. Der Kletterschuh wird dadurch auch deutlich unbequemer und der Spaß kann schnell vergehen, wenn die Zehen schmerzen.

Foto: edelrid.de

Klettergurte für Einsteiger kosten 50 – 70€, dabei handelt es sich um Allround Klettergurte. In dieser Kategorie sind die Beinschlaufen des Klettergurtes immer verstellbar. Der Gurt kann dann mit den eigenen Bedürfnissen mitwachsen und später auch beim Klettern am Fels, beim Klettersteiggehen oder am Gletscher verwendet werden. Reine Sportklettergurte haben fixe Beinschlaufen und sind gewichtsminimiert – super für leistungsorientierte Sportkletterer, überflüssig für Einsteiger. Es gibt spezielle Klettergurte für Damen und Kinder, dies macht aufgrund der anderen Anatomie auch Sinn. Der Komfort und die Sicherheit sind deutlich erhöht. Ein dick gepolsterter Klettergurt ist komfortabler, dafür aber weniger atmungsaktiv und etwas starrer. Wir empfehlen schweren Männern ab ca. 80 kg einen gut gepolsterten Klettergurt wie den Ocun Twist Tech oder den Petzl Corax. Leichtgewichte sollten zu einem weniger gepolsterten Modell greifen – unsere Empfehlung hier ist der Ocun Webee oder der Edelrid Jay. Beide Modelle sind auch als Damenvarianten verfügbar (Ocun Webee Lady und Edelrid Jayne).

Foto: petzl.com

Für die Kletterhalle reicht ein einfaches Kletterseil ohne Schnick-Schnack aus. Wir empfehlen 60m Länge – für die meisten Hallen reichen auch 40m Seile. Der große Nachteil ist dann, dass eine Nutzung im Klettergarten problematisch werden kann. In der Natur sind die Klettertouren inzwischen für 60m Kletterseile ausgelegt. Nur wer ganz sicher ist, dass er das Kletterseil nur in der Halle verwenden wird, sollte 50m oder weniger zurückgreifen. Einsteigerseile haben im Gegensatz zu höherwertigeren Modellen keine Imprägnierung. Somit sind sie anfälliger für Schmutzpartikel. Diese arbeiten im Seilmantel und sind für eine schnellere Alterung verantwortlich. Ein etwas teureres Seil ist folgerichtig langlebiger und hat ein besseres Handling. Ob man hier etwas mehr Geld investieren will ist eine sehr individuelle Entscheidung. Von der Sicherheit her spricht nichts gegen ein günstiges Einsteigerseil. Der perfekte Durchmesser für die Halle ist 9,8 – 10,3mm. Diese Seile haben einen sehr hohen Mantelanteil für eine maximale Langlebigkeit, sind aber noch ausreichend geschmeidig im Handling – und jedes marktübliche Sicherungsgerät arbeitet damit. Unsere Empfehlungen sind das Edelrid Boa 9,8 oder das Beal Karma 9,8 im günstigen Bereich oder das Petzl Contact 9,8 oder das Beal Tiger 10,0 im mittelpreisigen Segment – die beiden letztgenannten schon mit Imprägnierung. Preislich liegt man für ein nicht imprägniertes Seil bei 60m Länge um die 100€. Imprägnierte Seile in derselben Länge gibt es ca. ab 130€. Eine obligatorische Anschaffung zusammen mit dem Kletterseil ist ein Seilsack. Dieser ist nicht nur sehr hilfreich beim Transportieren des Seils zur Halle und zum hin- und herziehen des Seiles am Hallenboden. Das Seil liegt damit nie am Boden und wischt den Dreck wie ein Lappen auf – dies würde die Haltbarkeit drastisch verkürzen und die 10-20€ die man beim Seilsack spart, sind gleich wieder verloren.

Foto: petzl.com

Das Angebot an Sicherungseräten ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Wir empfehlen Einsteigern ein halbautomatisches Gerät wie das Climbing Technology Click-Up, das Edelrid Megajul, das Salewa Ergobelay oder das Austrialpin Fish. Von der Funktionsweise sind all diese Sicherungsgeräte ähnlich. Welches Gerät genau das passende für einen ist hängt in erster Linie davon ab, mit welchem Gerät man das Sichern gelernt hat – und schon mit der Technik vertraut ist. Diese halbautomatischen Sicherungsgeräte sind weiterentwickelte Tuber und sehr sicher und komfortabel in der Anwendung. Ein genaues studieren der Anleitung und sorgsames sichern verhindert Unfälle und ist in jedem Fall wichtig. Damit die Sicherungsgeräte einwandfrei arbeiten, sollte man sich diese immer im Set mit dem passenden Karabiner anschaffen – auch wenn bereits ein Karabiner im der persönlichen Kletterausrüstung vorhanden ist. Nur dann kann eine 100%ige Funktion gewährleistet werden.

Foto: ocun.com

Viel mehr als ein Accessoire ist das Chalkbag inklusive Chalk. Viele Anfänger verwenden kein Chalk. Dies führt in der Halle zu speckigen Griffen und weniger Reibung an den Fingern. Das Klettern wird so noch anstrengender als es ohnehin schon ist. Damit eure Haut schön weich und geschmeidig bleibt wascht nach dem Klettern ordentlich die Hände und tragt eine Hautcreme auf. Welches Modell Chalkbag man wählt ist eine Frage des Geschmacks. Fast alle am Markt befindlichen Modelle funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Sucht euch den Chalkbag aus, der am besten zu euch passt! Nun muss der Chalkbag nur noch gefüllt werden. Ob ihr Chalk in Pulverform oder im Chalkball bevorzugt müsst ihr selbst ausprobieren. In manchen Hallen ist Chalk in Pulverform nicht gerne gesehen – hier müsst ihr auf Chalkballs ausweichen. Auch die Chalks der verschiedenen Hersteller sind total unterschiedlich – das eine feiner, das andere grobkörniger. Welches am Ende euer Lieblingschalk wird müsst ihr ausprobieren. Testet euch einfach durch das Angebot!

Diese Ausrüstungsgegenstände reichen für den Anfang vollkommen aus. Ihr könnt nun in die spannende Welt des Kletterns starten und seit gut ausgerüstet. Wenn ihr Erfahrungen in der Kletterhalle gesammelt habt und später auch an den natürlichen Felsen wollt, braucht ihr noch ein wenig mehr Kletterausrüstung. Was das genau ist, stellen wir euch im nächsten Teil unseres Lehrgangs vor…

Der Beitrag Kletterausrüstung – Was braucht man? erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.

]]>