Zinalrothorn – über Rothorngrat (AD+ / IV)
01/09/2016An einem Freitag Ende August 2016 machen wir uns auf den Weg in Richtung Wallis. Noch in den frühen Morgenstunden vor der Abfahrt werfen wir unseren ursprünglichen Plan, die Weißhorn Überschreitung, wegen der unsicheren Wetterprognose für Samstagnachmittag über den Haufen und suchen uns als nicht weniger interessante Alternative den Rothorngrat auf das Zinalrothorn aus. Im Ernstfall können wir hier die Klettertour noch vor Erreichen des Gipfels mit Abstieg über den Normalweg abbrechen.

Rothornhütte
Der Rothorngrat gilt unter Westalpenbergsteigern als der schönste Kletterviertausender im Wallis. Der Fels immer fest, die Kletterei abwechslungsreich und ansprechend. Ein sehr guter Grund die 1600hm Zustieg zur urigen Rothornhütte auf sich zu nehmen. Wir starten mit all unserer Kletterausrüstung am Rücken in der größten Mittagshitze am Parkplatz in Täsch mit dem Pendelzug ins autofreie Zermatt. (Kosten für Hin- und Rückfahrt knapp 17 Sfr.) In Zermatt angekommen finden wir nach dem obligatorischen Kulturschock schnell den Aufstiegsweg zur Rothornhütte. Der Weg steigt steil bergan, einer tief eingeschnittenen Schlucht entlang. Wir freuen uns über den vielen Schatten und kommen schnell voran. An der Trifthütte pausieren wir kurz und gönnen uns einen leckeren, selbstgemachten Eistee. Der Wirt versichert uns auf Nachfrage, ab Mitte August gäbe es im Wallis nachmittags keine Gewitter. Wir hoffen er behält recht und steigen die 2te Hälfte Richtung Rothornhütte bergauf, die majestätischen Gipfel der zentralen Walliser mit der Dufourspitze im Rücken. Die schöne Landschaft lässt uns die Zeit vergessen und schneller als gedacht erreichen wir die schön gelegene Hütte. Wir werden von der Hüttenkatze freundlich empfangen und genießen bald darauf das reichliche und vorzügliche Abendessen. Kurz darauf geht es schon ins Bett. Das Lager ist nur zu einem Drittel ausgelastet. Nach der langen Anreise möchten wir uns für den morgigen Tag erholen.

Matterhorn Obergabelhorn
Am Samstagmorgen werden wir um kurz nach drei, noch bevor unser Wecker klingelt, von der Wirtin geweckt. Das spartanische Frühstück bestehend aus Brot und Marmelade aus der Plastikverpackung, ist schnell eingenommen. Um kurz nach vier laufen wir los.

Rothorngrat im Profil
Wir folgen den Normalwegaspiranten in der Dunkelheit über den Rothorngletscher. Am sogenannten Wasserloch, einer kurzen Kletterpassage nach Verlassen des Gletschers, staut es sich. Die sandige Rinne ist dann schnell überwunden und über Blockgelände und immer mal wieder Firn geht es bergauf. Ich ziehe die Steigeisen ab, da der Firn nicht gefroren ist und wir uns überwiegend im Fels bewegen. Auf 3761m ziehe ich die Steigeisen wieder auf und wir verlassen den Normalweg. Wir halten uns an ein waagrecht verlaufendes Band unter dem Firn das uns zu einem Felsband führt. Dort steigen wir etwas nach rechts haltend bergauf und finden schließlich den Durchschlupf (bei Dunkelheit schwer zu finden) über ein sanft abfallendes Band hinab in das oberste Becken des Triftgletschers. Inzwischen dämmert es und wir haben einen super Blick auf Matterhorn und Obergabelhorn. Wir queren das komplette Becken in einem Bogen bis zur Randspalte unterhalb des markanten Oberrothornjochs. Die Randspalte lässt sich gut überwinden, am Gletscher hat es noch eine gute Firnauflage. Am ganz rechten Rand steigen wir in die schräge, mit Schutt gefüllte Rinne ein. Die ersten Meter sind steil und unangenehm zu Klettern, der ganze Rest aber geht besser als es von unten aussieht. Am Joch auf 3835m angekommen machen wir eine ausgiebige Pause und genießen die spektakuläre Aussicht bei absoluter Windstille.

Klettern Rothorngrat
Der Rothorngrat beginnt harmlos und wir gehen und klettern seilfrei dahin bis zu der ersten richtigen Kletterstelle, an der man gleich richtig zupacken muss. Kurz darauf stehen wir auf einem kleinen Sims, rechts und links zieht es steil nach unten und der Grat wird schmal. Ein fixer Friend ermöglicht einen guten Stand. Wir holen das 50m lange Kletterseil heraus und beginnen in Wechselführung zu sichern. Die Kletterei ist phantastisch. Der Fels immer griffig und mit bester Reibung. Wir kommen mit den Bergschuhen gut zurecht. Mit Kletterschuhen hat man wahrscheinlich noch mehr Spaß und kommt schneller voran, nötig sind sie aber nicht. Wir treffen auf nur wenige fixe Sicherungsmöglichkeiten in Form von Haken, wenn dann nur vereinzelt in den steilen Passagen im oberen Teil des Grats. Das bereitet uns aber keine Probleme, denn der Fels schluckt unsere drei Omega Pacific Friends förmlich. Auch Schlingen lassen sich immer solide platzieren. Die Kletterei führt uns meist direkt auf dem Grat, nur selten minimal rechts oder links davon. Der letzte Gendarm, kurz vor der sogenannten Gabel, wo die Klettertour mit dem Normalweg zusammentrifft, kann nordseitig umgangen werden. Die Schwierigkeiten der ganzen Tour liegen dann bei AD+ / IV (ZS+). Bei Überkletterung des Gendarms steigen sie auf D- / V (S-). Die Umgehung gestaltet sich jedoch vereist sowie brüchig und ist nicht zu empfehlen. Die direkte Kletterei wäre zwar sehr steil und kurz sogar leicht überhängend, aber griffig und gut mit Friends absicherbar. In der Schlüsselstelle, die wir jedoch nicht einsehen konnten, gibt es angeblich sogar einen Bohrhaken in der Platte. Nach der Gabel führt uns der „Normalweg“ (der Begriff ist hier aufgrund der Ausgesetztheit und Kletterschwierigkeit eigentlich fehl am Platz) sehr offensichtlich und teilweise mit Haken und Eisenstangen versichert über die berüchtigte „Binerplatte“, einer Reibungsplatte die im Abstieg gar nicht so einfach sein soll, bergan. Oben am Vorgipfel wird es noch einmal richtig luftig und man blickt viele hundert Meter senkrecht bergab, hat aber stets gute Griffe in der Hand.

Panorama Wallis
Am Gipfel schweift unser Blick über die Highlights der Walliser Alpen – Weißhorn, Dent Blanche, Matterhorn, Dufourspitze, Dom… viele zukünftige Projekte lachen uns hier an. Der Blick reicht bis zum Mont Blanc und seinen Trabanten. Nach einer Rast, in der wir die wahnsinnige Rundumsicht über die Walliser genießen machen wir uns ans abseilen. Dort wo die Eisenstifte beginnen seilen wir schräg nach rechts haltend ab, bis zu einem Stand an einer Sanduhr die armdick mit Reepschnüren versichert ist. Wir seilen noch einmal ab und umgehen somit die

Aussicht Rothorngrat
„Binerplatte“, die ansonsten nicht abgeseilt, sondern abgeklettert werden muss. Von der Scharte an der „Gabel“ seilen wir insgesamt 4-mal die unangenehm brüchige und sandige Rinne bergab, bis wir zur Firnschneide des Südostgrats queren. Durch diese brüchige Rinne führt der Normalweg. Wir möchten uns gar nicht vorstellen, wie der Steinschlag hier wütet, wenn viele Bergsteiger die Rinne aufsteigen und gleichzeitig abseilen. Kein besonders schöner Platz und das absolute Kontrastprogramm zum kompakten Rothorngrat. Kurz vor Erreichen des Gletschers klettern wir noch einmal einen kleinen Grat entlang und halten und immer an der Gratschneide. Vom höchsten Punkt seilen wir noch einmal 20m zum Gletscher ab und verstauen das Seil dann im Rucksack. Es hat uns heute gute Dienste geleistet. Am Gletscher angekommen balancieren wir blad noch über eine steile Firnschneide mit spektakulären Fotomöglichkeiten bis zu dem Punkt, wo wir den Normalweg verlassen haben. Auf dem bereits bekannten Weg zurück zur Hütte lassen wir uns müde aber glücklich nach unten treiben. Gleich nach dem Abendessen fallen wir müde in die Lagerbetten. Leider ist die Hütte von Samstag auf Sonntag voll und der Lärmpegel entsprechend hoch, aber in der nächsten Nacht wartet ja schon unser Bett zuhause auf uns. Am Sonntagmorgen stehen wir zum Spätstarterfrüstück um 7 Uhr auf, zahlen unsere Zeche (70 Sfr für die Halbpension pro Nacht und 15 Sfr für 1,5 Liter Mineralwasser) und machen uns dann gleich an den Abstieg nach Zermatt. Nur 2h später stecken wir schon im Trubel am Zermatter Bahnhof und Beginnen unsere lange Heimreise.
Tourensteckbrief
Tour durchgeführt am: 26-28.08.2016
Schwierigkeiten: AD+ / IV (ZS+). Bei Überkletterung des letzen Gendarms steigen sie auf D- / V (S-)
Hüttenzustieg: Zermatt – Rothornhütte 1600hm; 3 – 4h (Im Abstieg: 2 – 3h)
Stützpunkt: Rothornhütte, HP 70 Sfr (Stand 2016)
Gehzeiten: Rothornhütte – Zinalrothorn knapp 1200hm
2 – 3h bis zum Oberen Rothornjoch, weitere 3-4h Kletterei bis zur Gabel, 1h bis zum Gipfel, Abstieg 3 – 4h; Je nach Sicherungsaufwand variieren die Begehungszeiten stark!
Unser Material: 50m Kletterseil, 4 Expressen, Eispickel, Steigeisen, 4 Bandschlingen, 3 mittlere Friends, Sicherungsgerät
Unseren GPS Track zur Tour auf das Zinalrothorn über den Rothorngrat könnt ihr hier herunterladen:
https://www.verticalextreme.de/Blog/Zinalrothorn_Rothorngrat_Wallis.gpx








