Griechenland als Kletterdestination zu loben ist wie (Sinters(ä)) Eulen nach Athen zu tragen. Kalymnos, Leonidio und Manikia ist in aller…
Der Beitrag Kreta – Klettergeheimtipp im Mittelmeer erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.
]]>Griechenland als Kletterdestination zu loben ist wie (Sinters(ä)) Eulen nach Athen zu tragen. Kalymnos, Leonidio und Manikia ist in aller Munde. Aber habt ihr schon von Klettern auf Kreta gehört? Tatsächlich wirkt es so, als würde Kreta als Kletterziel in einem Dornröschenschlaf schlummern. Derweil könnte man davon ausgehen, dass Griechenlands größte Insel sehr viel Potenzial und attraktives Klima zum Klettern bieten würde. Und tatsächlich ist es auch so. Nur ist bisher erst ein Bruchteil erschlossen, und die erschlossenen Gebiete liegen stellenweise sehr weit auseinander. Wahrscheinlich hat deshalb Kreta als Kletterziel noch nicht die volle Aufmerksamkeit erhalten und die Community an lokalen Kletterern ist sehr klein. Und genau das macht Kreta zum Klettern aber sehr attraktiv.
Warum Griechenland?
Ich habe mit meiner Familie die Insel besucht und bin absolut begeistert. Wir haben die zentralsten Klettergebiete besucht, wurden herzlich von den lokalen Kletterern empfangen und durften auf der zu dieser Zeit touristenleeren Insel perfekte Kletterbedingungen erleben.
Unser Fazit: Es bleibt nicht der letzte Besuch und wir freuen uns drauf, was hier in Zukunft noch alles entstehen wird.
Warum Kreta?
Man nimmt alle Punkte von oben, aber erfreut sich daran, dass es hier noch nicht überlaufen ist und noch so viel Potential für neue Wände und Routen besteht, dass man am liebsten sofort den Job kündigt und mit Bohrmaschine und Haken nach Kreta zieht.
Beste Zeit:
Im Frühjahr und Herbst findet man die besten Bedingungen zum Klettern und kann außerhalb der Haupttouristenzeit günstige Flüge und Unterkünfte ergattern. Der Herbst bietet zusätzlich den Vorteil, dass das Meer noch warm genug ist zum Baden. Der Winter wird stellenweise wettertechnisch unbeständig und kalt. Aber es gibt einige Gebiete, die auch im Winter besucht werden können. Der Sommer dürfte wohl in den meisten Gebieten zu heiß werden, außerdem ist die Insel dann deutlich mehr von Touristen geflutet, was die Preise nach oben treibt und die Strände überfüllt. Aber selbst dann kann man in höher gelegene Gebiete ausweichen.
Unser Besuch Ende November stellte sich als ideale Wahl dar. Mit durchschnittlich 20°C Luft und 21°C Wassertemperatur, trockenem Wetter und Fels, haben wir zwei ideale Wochen erwischt.
Anreise:
Die Hauptstadt Heraklion ist aus vielen Städten mit Direktflügen erreichbar. Von dort kommt man mit dem Mietauto über gut ausgebaute Schnellstraßen und Autobahnen in alle Richtungen. Die individuellen Zufahrten in die jeweiligen Klettergebiete führen aber stellenweise über eher kleine oder schlechte Straßen, oder sogar mitten durch den Ziegenstall oder das ausgetrocknete Bachbett.

Agia Farango – Zufahrt
Die Klettergebiete:
Lang genug auf die Folter gespannt: Jetzt gibt es geballte Kletteraction.
Die Insel erstreckt sich auf 260km von Osten nach Westen und wird von einem schroffen Gebirge durchzogen. Deshalb beschränken wir uns bei unserem Besuch auf Gebiete, die von unserem Stützpunkt bei Mires im zentralen Süden innerhalb 1,5h erreichbar sind. Weiter im Osten und Westen gibt es noch viel mehr.

Agio Farango – A Muerte
Agio Farango:
Im zentralen Süden der Insel befindet sich die „Schlucht der Heiligen“, eines der bisher größten Klettergebiete auf Kreta. Eine malerische Schlucht mit 16 Sektoren und über 160 Routen von 4 bis 8c verteilt auf beiden Seiten geben einiges an Auswahl. Die meisten Sportklettersektoren sind auf der vormittags schattigen Seite, während die Mehrseillängen meist auf der anderen sonnigen Seite zu finden sind. Über ca. 2km zieht sich die Schlucht mit dem flachen Bachbett bis hin zu einem traumhaften Strand.

Hier geht es bereits bei der Anfahrt etwas abenteuerlich zu. Die letzten 3km führen über eine Schotterstraße in eher fragwürdigem Zustand, hindurch durch ausgewaschene trockene Bachbetten, die sich nach stärkerem Regen schnell füllen können, mitten durch den Ziegenstall und unzählige Schlaglöcher. Mit etwas Gefühl schaffen wir die Fahrt mit unserem „normalen“ Familienkombi aber gut. In mitten der Ziegen parken wir das Auto und wandern auf dem flachen Bachbett in die Schlucht. Die Felswände bäumen sich auf beiden Seiten auf, während die riesigen Geier über uns kreisen und wohl auf abstürzende Ziegen warten. Handyempfang gibt es schon seit der letzten 5km Zufahrt nicht mehr und wir sind absolut alleine in der Schlucht. Nur ein Ziegenhirte kommt vorbei, als wir gerade die ersten Aufwärmrouten klettern und erklärt uns, dass es hier keine Ambulanz oder Hubschrauber gibt. Hier kommt niemand zum Retten. Passieren darf also nichts.

Wir beginnen im Sektor „A Muerte“. Wie passend. Die Aufwärmrouten auf der Seite der Höhle sind nicht zu unterschätzen. Schnell stellen wir fest, dass die Bewertung gerade im 6ten franz. Grad deutlich herausfordernder ist. Mit dem Blick auf die Hakenabstände erinnern wir uns schnell wieder an die Worte des Ziegenhirten.
Als später an der gegenüberliegenden Wand ein Pärchen in eine Mehrseillängentour startet und hier und da ein paar Wanderer vorbeikommen, fühlen wir uns etwas wohler.
In der Höhle geht es mit einer traumhaften Sinter 6c weiter die stark an Kalymnos erinnert. Die Kingline des Sektors entlang einer einzelnen Sinterspur an der linken Höhlenkante erregt unser Interesse. „Sto Hilos tis Aosis“ 7c verlangt uns an unserem ersten Klettertag etwas Mut ab. Die erstklassige Ausdauerkletterei mit einem harten Microleistenfinale ist kein Geschenk aber ein guter Einstieg in den Urlaub. Die Ziegenglocke am Umlenker verkündet den erfolgreichen Durchstieg.

Wir bewegen uns weiter Richtung Strand, vorbei an einer Kapelle bis hin zu Wänden, direkt am Strand. Baden oder Klettern? Gerne beides.
Auch für die Kinder hat die Schlucht einiges zu bieten. Ein unglaublicher Olivenbaum wird zum heißbegehrten Kletterobjekt und lenkt eine Weile von den Felswänden ab. Der flache Schluchtgrund mit trockenem Bachbett bietet sicheres Spielgelände für die Kinder und die meisten Sektoren haben absolut ebenen Platz mit Sand und Kieseln davor. Nur die für uns eigentlich attraktivsten Sektoren „A Muerte“ und „Hezbollah Cave“ starten weiter oben und sind für die Kinder eher weniger geeignet. Deshalb beschränken wir uns dort auf einige wenige, aber dafür sehr gute Routen im 7ten franz. Grad.

Auf jeden Fall ist ein Helm für Kletterer und Kinder ratsam, denn die Ziegen klettern mit Leichtigkeit quer durch einige Wände und treten hier und da ein paar Steine los.
Im Sommer ist der Strand anscheinend stärker Besucht und man ist in der Schlucht nicht alleine.

Fazit: Eine traumhafte Schlucht mit erstklassigen Routen, aber gewissem Abenteuerfaktor.
Plakias:
Eine Wand, die man gesehen haben muss. Wie mit einem scharfen Messer abgeschnitten steht die Aalglatte Wand neben einem im Sommer hochfrequentierten Traumstrand. Im November muss man die Wand und den Strand kaum teilen. Die nackte Wand zieht alle Blicke auf sich, selbst wenn der FKK Abschnitt des Strandes direkt darunter liegt. Und die nackte Wahrheit wird einem schnell klar: Hier gehts etwas anders zu. Genug der Wortspiele und Finger in den Spalt: Risse gibt es hier nämlich einige und sind meist auch die überhaupt einzige Struktur der Wand. Hier und da zieht sich auch eine Hakenreihe durch die ansonsten glatte Wand und schnell wird klar, dass die „8a“ hier spezielle Fähigkeiten erfordert.
Aber die Wand sieht einfach zu genial aus, um von uns ungeklettert zu bleiben.

Im zentralen Teil bildet die Wand eine markante Schwachstelle, die henkelige Kletterei an wabenartiger Struktur im fünften Grad bietet. Muss man einfach machen. Danach in die hier ortsübliche Paradedisziplin, die allerdings nicht zu meinen Favoriten oder Meisterfähigkeiten zählt: Rissklettern durch die ansonsten strukturlose Wand. Eine 6b sollte auch für mich machbar sein, fordert mich aber tatsächlich, vor allem weil der Fels etwas schwitzt und feucht ist.

Weiter rechts ziehen ein paar Sinterstrukturen durch die Platte nach oben. Allerdings neigt die Wandneigung dazu den Sinter nur sehr flach und strukturlos auszubilden. Hier wird nur derjenige erfolgreich sein, der Zehen aus Stahl und ausgeprägte Balancefähigkeiten hat. Wir ziehen ausnahmsweise doch den Strand vor und stürzen uns in die Fluten statt von der Wand. Mit dem erstklassigem Sandstrand lassen sich auch die Kinder leicht dazu überzeugen.

Weitere Gebiete im zentralen Teil der Insel versprechen noch viel Potential für zukünftige Besuche:
Rechtras/Oxys:
Die Lokals aus Heraklion legen uns ein brandneues Klettergebiet unweit unserer Basis ans Herz. Hoch über dem Tal von Mires bäumt sich eine majestätische orangene Wand auf und bietet aktuell über 20 lange und senkrechte Routen zwischen 5c und 7c+ mit fantastischer Aussicht über das ganze Tal. Leider erfahren wir zu spät davon und der Wandfuß erscheint für unsere dreijährigen Kinder etwas ungeeignet. Der Blick ins Topo und auf die Bilder verspricht aber eine lohnende Ergänzung im zentralen Kreta.

Heraklion
Kyra vrisi
Auf halber Strecke nach Plakias befindet sich ein höher gelegenes Klettergebiet, dass etwas kühler Temperaturen für warme Tage bietet. Trotz Südausrichtung kann hier von Frühjahr bis Herbst gut geklettert werden. Über 60 senkrechte und überhängende Routen von aktuell 5 bis 7b+ geben einiges an Spielgelände. Hier ist noch einiges an Potential für deutlich mehr und auch schwierigere Routen vorhanden.
Kotsifou
In der Schlucht unweit von Plakias findet man einen weiteren Topsektor mit zwei steilen Wandbereichen gespickt mit Sintern. 23 Routen hauptsächlich im Bereich von 7b bis 8c sind eine perfekte Spielwiese für alle Hardmover.
Über die Insel verstreut gibt es noch viele weitere Klettergebiete, die einiges Versprechen aber aufgrund der Entfernung ebenfalls auf einen anderen Besuch warten müssen. Darunter seien aber zumindest einige erwähnt.
Tersanas Cave
Am nordwestlichsten Ende der Insel befindet sich unweit einer der schönsten Strände der Insel eine gigantische Höhle mit unzähligen Sintern und steilen Routen. Alleine die Bilder beeindrucken uns so sehr, dass wir fast die dreistündige Anfahrt in Kauf genommen hätten. Der zusätzlich 45minütige Zustieg ist mit den Kindern dann einfach doch zu weit.
Theriso Gorge
Nur 15km von Chania befindet sich die malerische Schlucht mit knapp 200 Routen verteilt auf 20 Sektoren und ist besonders Einsteiger und etwas fortgeschrittenere Kletterer eine gute Wahl. Der Großteil der Routen liegt im Bereich 6a bis 7a. Aber auch leichtere und schwerere Routen sind zu finden. Mit einer Ausrichtung nach Südost, bleiben die meisten Wänder vormittags im Schatten und werden ganzjährig beklettert. Die meisten Sektoren sind einfach erreichbar, da sich die asphaltierte Straße durch die Schlucht zieht.
Im Südosten scheint das Potential für Kletterrouten ebenfalls unaufhörlich, wobei mit den Gebieten Kapetaniana, Treis Eklisies, Zakros schon einiges erschlossen ist.
Fazit: Hier wird sich in den nächsten Jahren noch einiges tun. Und vielleicht erhält die Insel ja die Aufmerksamkeit als Kletterziel, die es verdient hat. Überfüllung ist aber selbst dann erstmal kaum zu befürchten.

Topos:
Stand Ende 2024 gibt es keinen aktuellen Kletterführer in gedruckter Form. Allerdings lassen sich sämtliche Information auf thecrag.com und 27crags finden. Auf der griechischen Website vrahomania.gr findet man weitere detailierte Informationen. Damit ist man soweit gerüstet, um sich in den erschlossenen und bekannten Gebieten sehr gut zurecht zu finden.
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]]>Die Klettergebiete an der Côte d‘Azur in Südfrankreich sind als Winterziele wohl bekannt. Aber auch für den Sommer gibt es…
Der Beitrag Gorges du Loup – Sommerklettern an der Côte d‘Azur erschien zuerst auf VerticalExtreme Blog.
]]>Die Klettergebiete an der Côte d‘Azur in Südfrankreich sind als Winterziele wohl bekannt. Aber auch für den Sommer gibt es ausgezeichnete Destinationen. Nicht weit von den berühmten Gebieten wie St. Leger und Verdon, aber deutlich näher an der Küste befindet sich das etwas weniger bekannte Klettergebiet der Gorges du Loup. Hier fanden wir alles, was wir für unseren Sommer-Kletterurlaub suchten: Klettertaugliche Temperaturen, Erfrischungsmöglichkeiten im Klettergebiet, Strand und Meer in Reichweite und natürlich Felsen, Felsen, Felsen. Dass wir in vernünftiger Zeit mit dem Auto anreisen können, ist zu Coronazeiten ein weiteres Argument.

Die Gorges du Loup befindet sich nur 15km vom Meer entfernt, bei Pont-sur-Loup, nördlich von Cannes. Hier steilen sich die Berge stark auf und die Schlucht schneidet markant ins Landesinnere. Gespickt mit unzähligen Felswänden zu beiden Seiten ist die tiefe Schlucht mit ihren Wasserfällen, kühlen Gumpen und Grotten ein Magnet für Naturbegeisterte. Die vielen perfekt erschlossenen Kletterrouten locken natürlich auch die Kletterer an. Zu beiden Seiten der Schlucht finden sich kompakte Kalksteinwände mit technischer senkrechter Kletterei und vor allem auch steilen Sinterrouten. Durch die Nord-Süd-Ausrichtung der Schlucht findet man je nach Tageszeit auf einer Seite immer Schatten an den Wänden. Der meist konstante Wind verspricht uns sogar Mitte Juli gute Kletterbedingungen. Im Kletterführer wird das Gebiet als der perfekte Sommerspot angepriesen.

Martin Wagner in „Petit Poucet“ 7c+
An den Wochenenden ist die Parkplatzsituation in der Schlucht recht anspruchsvoll. Als wir am ersten Tag mittags in der Schlucht ankommen, verteilen sich unzählige Autos auf die wenigen Parkmöglichkeiten und wir erwarten stark frequentierte Felsen. Am Sektor angekommen stehen wir alleine vor der Wand. Die geparkten Autos gehören also zu den vielen Erfrischungssuchenden, die durch die Schlucht wandern oder an den Badestellen ihr Picknicklager aufschlagen. An den Wänden bleiben wir meist alleine oder bekommen Besuch von einzelnen Seilschaften. Nur am üblichen Aufwärmsektor Phasme und dem Hauptsektor Mesa Verde kommen am Wochenende ein paar mehr Seilschaften zusammen. So entspannt kann man heutzutage nur noch selten klettern.
Im Kletterführer werden über 20 Sektoren beschrieben, wobei es scheinbar noch viel mehr gibt. Immer wieder sehen wir Kletterer mit Rucksäcken, wo im Kletterführer eigentlich keine Sektoren beschrieben sind. Von einem Local erfahren wir, dass das Gebiet konstant erschlossen wird und es mittlerweile noch viel mehr gibt. Der Blick durch die Schlucht lässt das Potential nur erahnen.
Aber auch die im Führer beschriebenen Sektoren geben uns mehr als genug Beschäftigungspotential. Festzuhalten ist, dass an den meisten Wänden unter 7a nicht viel zu holen ist.

Sektor „Pupuce“
Der wohl bekannteste und beeindruckenste Sektor in der ganzen Schlucht befindet sich nur wenige Minuten oberhalb der Schluchtstraße. Überhänge in unbegreifbaren Dimensionen, gespickt mit faustbreiten Sintern. Ein Sektor für Profis mit kaum Routen unter dem 8ten Franzosengrad und der extremen Route „PuntX“ 9a, welche weit über die Schluchtgrenzen bekannt ist.
Auch wir wollen uns in ein paar der 8as und 8a+en spielen, was uns aber unerwartet verweigert wird. Trotz allgemeiner Trockenheit gleicht der komplette Sektor einem Wasserfall und verwehrt uns Versuche in den steilen Routen. Auf Nachfrage bei einem Local scheint der Sektor doch erst im Herbst trocken und kletterbar zu sein. Bei genauerem Blick erspähen wir außerdem, dass die glatten Überhänge häufig erst durch künstliche Griffe zwischen den Sintern kletterbar gemacht wurden.

Sektor „Mesa Verde“
Der wohl beliebteste Sektor befindet sich tief in der Schlucht. Mit Nachmittagsschatten ist er der ideale Sektor, um nach einer Mittagserfrischung im nahen Bach einige Routen zu ziehen. Leicht überhängende, meist relativ technische Kletterei an Leisten und Kanten prägen hier das Bild. Sinter sind nur vereinzelt anzutreffen. Da dies einer der älteren und klassischen Sektoren ist, muss man sich stellenweise auf eine etwas verschärfte Bewertung einstellen. Geschenke bekommt man aber in Sachen Routenqualität. Highlights für uns waren unter anderem die knallhart bewertete „Petit Poucet“ 7c+, „Ma vie en l’air“ 7a mit seiner genialen und ausdauernden 7c Verlängerung, oder die steile „Pizza Partie“ 7c. Wer kann, sollte sich aber auch unbedingt an der Toplinie „Arrowhead“ 8a versuchen. Grundsätzlich findet man eine Vielzahl an Routen hauptsächlich zwischen 7a und 7c bis hin zu einzelnen knallharten 8bs. Unter 6c ist aber auch hier nichts zu holen.

Sektor „Le Phasme“
Gegenüber von Mesa Verde direkt unterhalb der Schluchtstraße befindet sich der ideale Aufwärmsektor. Morgens im Schatten und mit direktem und kurzem Abstieg zum Bach und dem Nachmittagssektor gegenüber. Der graue, leicht überhängende Fels ist rau übersintert und bietet technische Wandkletterei. Richtige Sintersäulen gibt es aber nur wenige. Das Routenspektrum reicht von 6b+ bis 7b bzw. einer einzelnen 8a. Auch hier ist die Bewertung nicht zu locker, die Routenqualität aber durchwegs hervorragend. Der raue Fels macht stellenweise sogar einen jungfräulichen Eindruck und es macht uns großen Spaß, unsere Griffkombination durch die Wand zu finden. Nur der hohe Hautverschleiß nötigt uns nach einigen Touren doch zum erfrischenden Bach zu wechseln, bevor es Nachmittags in einem anderen Sektor weiter geht.

Zustieg durch die Tunnel
Weiter oben durchziehen eine Vielzahl von Felswänden die Schlucht, welche großes Potential vermuten lassen. Tatsächlich sind davon auch einige Diamanten erschlossen. Der Zustieg erscheint auf den ersten Blick aber lang, mühevoll, steil oder sogar unmöglich. Tatsächlich kann man die Sektoren aber sehr leicht erreichen. Zwei Wasserleitungen verlaufen auf unterschiedlichen Höhen längs durch die Schlucht und das auf eine ziemlich eindrucksvolle Art und Weise. Die Wasserleitungen sind samt Wanderweg in den steilen Fels geschlagen und verlaufen über Galerieabschnitte und einige Tunnels mitten durch die Wand. Die Fenster in der Wand geben einen spektakulären Blick auf die Schlucht frei.
Für die nächsten beiden Sektoren können wir ohne Parkprobleme auf der oberen Schluchtstraße die obere der Wasserleitungen erreichen. Von nun an geht es ebenerdig durch 6 – 8 Tunnels gemütlich zu den Wänden, die sich direkt oberhalb der Wasserleitung befinden.

Ana Ogrinc Wagner in „Cayenne“ 7c+
Unser Lieblingssektor bietet steile und ausdauernde Sinterkletterei in perfektem rauen Fels. Mit einem Routenangebot von 6c bis 8b ist ein breites Spektrum abgedeckt, wobei man erst Spaß hat, wenn man sich in den 7bs bis 8as spielen kann. Die athletischen und steilen Routen wie der Sektorklassiker „Cayenne“ 7c+, „Shakti“ 7c+ und „Poulets Boulets“ 7b verlangen einiges an Ausdauer und Körperspannung ab, wobei man häufig erstaunlich gute Griffe in der Hand hat. Die extrem steile „Mesquineries“ 8a beansprucht den Bizeps aufs äußerste und es macht Spaß, die weiten Züge an den Sintern durchzuziehen. Absolutes Highlight und Kingline des Sektors ist „Welcome to the jungle“ 8a, welche unter den Locals als 8a+ gehandelt wird. Markant zieht die Route über einen Sinter, eine steile abweisende Kante bis hoch über den letzten Überhang in die leistige Headwall. In dieser Route werden nicht nur Maximalkraft und Ausdauer gefordert, sondern sie verlangt auch einige Technikskills athletischer Kletterei.
Die beeindruckende Felsnase ist schon von der Schluchtstraße zu sehen. Richtig beeindruckend wird sie aber spätestens, wenn man darunter steht. Über einer senkrechten Wand mit den ersten Seillängen thront eine weit überhängende Headwall, die athletische und schwere Verlängerungen bieten. Im rechten Teil der Wand befindet sich eine etwas niedrigere Grotte mit extrem steilen und schweren Routen. Das Routenangebot reicht von 6c bis 8c. Bestechend ist die „La proue“ 8a, die als zweite Verlängerung aus der auch schon sehr lohnenden „Perfotactyle“ 7a+ hervorgeht. Die Route zieht über die vorderste Kante der überhängenden Felsnase und gefühlt hängt man weit über dem Wanderweg und der Schlucht. Klassiker sind unter anderem die drei Teile der „Diplodocus“ 6c, 7b+ oder 8a, je nachdem, an welchem Umlenker man aufhört.
Weitere lohnende Sektoren sind La grotte de l’iroquois (6c-8b), La turbie (noch nicht im Kletterführer) ,L’ermitage mit einigen leichtern Mehrseillängentouren oder Les balcons mit leichterne Klettereien (5-7b).
Juli gilt als der heißeste, aber trockenste Monat. An den heißen Tagen überschreiten wir also die 30°C, an einigen wolkigen Tagen geht es aber sogar mal auf 18°C runter. Durch den meist konstanten Wind durch die Schlucht und die trockene Luft haben wir im Schatten selbst an den heißen Tagen tatsächlich gute Kletterbedingungen. Der kühle Bach im Schluchtgrund erfüllt seinen Zweck und gibt das zusätzliche Extra an Erfrischung. Im Frühjahr sind einige Sektoren noch nass. Selbst im Juli war Klettern in Pupuce nicht möglich. Locals erzählen uns, dass in diesem Sektor im Herbst die besten Bedingungen herrschen. Im Winter kann es empfindlich kalt werden und einige Sektoren bekommen dann nur wenig Sonne ab.
Einige Sektoren haben einen etwas weiteren Zustieg oder sind nicht besonders eben an der Wand (Cayenne, Jurassic Park). Sektor Les Balcons hat nicht sehr viel Platz vor der Wand, Sektor Mesa Verde bietet viel ebenen Platz ohne Absturzrisiko und Sektor Pupuce hat einen kurzen, aber steilen Zustieg. An der Wand ist viel Platz, bevor es steil bergab geht. Le Phasme hat ausreichend Platz für Kids, der Abstieg zum Fluss ist aber steil.

Strand Crique de l’Aiguille
Besonders im Sommer lädt der kühle Bach zum Erfrischen und Entspannen ein. Zudem lässt sich in der Schlucht viel erkunden. Wasserfälle und Grotten (teilweise mit kleinem Eintrittsgeld) oder die geführte Canyoningtour mit Abseiling über den markanten Wasserfall Saut du Loup sind spannenden Aktionen. Die Küste ist nicht weit entfernt und die unzähligen Strände der Cote d’Azur laden zum Baden ein. Hier ist das Wasser meist wärmer als in der Schlucht. Wer nicht unbedingt den Sandstrand neben der Promenade (= Straße) sucht, sondern lieber einen natürlichen und landschaftlich wunderschönen Kiesstrand bevorzugt, der sollte den Strand Crique de l’Aiguille südlich von Cannes besuchen. Zwischen den rötlichen Felsen findet man einen herrlichen Strand ohne Straßenlärm. Hier kann man sogar die Klippenspringer beobachten oder selbst am DWS Torbogen über den Tiefen klettern.

Zustieg zu Crique de l’Aiguille
Neben Strand und Natur ist natürlich auch kulturell einiges geboten. Cannes und Nizza muss man nicht erwähnen. Nicht weit entfernt von der Schlucht findet man die Stadt Grasse und das Dorf Gourdon, welche als Hauptstadt und Ursprung des Parfüms bekannt sind. Gourdon liegt malerisch auf einem Felsvorsprung hoch über der Schlucht und wartet mit einem atemberaubenden Ausblick über die Schlucht und die Küste von Nizza bis Saint Tropez auf.
Zu Coronazeiten kommt uns die vernünftige Erreichbarkeit mit dem Auto gelegen. Von München über die Schweiz (Chur, San Bernardino, Lugano) fahren wir an Mailand vorbei an die ligurische Küste. Vorbei an Savona, Finale und Monaco sind wir nach insgesamt 9,5 Stunden Fahrzeit in der Pont-sur-Loup.
Wer mit Flugzeug oder Bahn anreisen möchte, findet in Nizza einen internationalen Flughafen und eine TGV Station. Von dort kann man mit dem Zug weiter nach Grasse und mit dem Bus weiter in die Schlucht.
Es empfiehlt sich aber vor Ort ein Auto zu mieten.
Zahlreiche Ferienwohnungen in allen Preisklassen werden rund um die Schlucht angeboten. Bei Pont-sur-Loup oder weiter flussabwärts gibt es einige Campingplätze. Wer mit dem Camper oder Bus unterwegs ist, kann auf dem Parkplatz von Gourdon gut stehen. Hier stehen sogar Trinkwasser und Toiletten zur Verfügung. Die Cote d’Azur ist leider dafür bekannt, dass Autos aufgebrochen werden. Deswegen entscheiden wir uns für eine Ferienwohnung und lassen das Auto möglichst immer leer und an befahrenen Straßen stehen. In der Schlucht selbst sollte Autoaufbruch aber kein Thema sein.
L’escalade dans les Alpes-Maritimes:
Ausführlicher französischer Kletterführer, der die ganze Region abdeckt. Vollständig und einigermaßen aktuell, die Topos sind allerdings relativ unübersichtlich
Rockfax: Côte d‘Azur:
Englischer Auswahlführer der Region. Nicht vollständig, aber mit den wichtigsten Sektoren und Infos. Vor allem die Fototopos und Routenbeschreibungen sind ein nützliches Plus.
Weitere Infos und Topos gibt es auf der Webseite von Philippe Gatta
http://www.philippegatta.fr/climbing2.htm

Martin Wagner in „Mesquineries“ 8a
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