Martin Wagner klettert La Pesta Nera + Basic Bongo (8b+)
18/08/2017 Aus Von Michael HuberSchreie im Wald
Man könnte meinen, dass hier jemand mit einem wilden Bären kämpft. Jeder Kletterer weiß aber spätestens nach den Jubelschreien, dass hier ein harter Kampf gegen die Ausdauer erfolgreich gemeistert wurde. Die schwarze Pest wurde besiegt. So heißt das Projekt meiner Begierde nämlich übersetzt, „La pesta nera“, das Projekt welches ich seit einiger Zeit belagert hatte.
Nur knapp eine Woche zuvor konnte ich völlig unerwartet „Basic Bongo“ 8b+ am Rottachberg im Allgäu klettern und mit „La pesta nera“ reiht sich nun die insgesamt dritte 8b+ in meine Ticklist. 8b+/10+ ist ein Grad, der an meinem absoluten Maximum ist und es liegt 2 Jahre zurück als ich schonmal Bekanntschaft mit 8b+ machen durfte. Schon alleine das hohe Level 8a+ oder 8b zu halten ist schwierig, nun ging es aber nochmal nach oben und ich nutzte die Welle aus, gleich zwei Projekte abzuhaken und damit den Grad 8b+/10+ endgültig für mich zu etablieren. Beide Routen waren ein harter Kampf und forderten das Maximum meiner Fähigkeiten. Der Kampf für die nächste 8b+ wird aber mindestens genauso hart werden.
Die beiden Routen „Basic Bongo“ und „La pesta nera“ beanspruchen eine ähnliche Anforderung an die Ausdauer, ergänzen sich also sehr gut um diese Routen gleichzeitig zu projektieren. Ein paar entscheidende Unterschiede gibt es aber dennoch, angefangen bei den mehr als 600km, die die beiden Routen voneinander trennen.

Martin Wagner in „Basic Bongo“ 8b+ am Rottachberg
Der erste Streich „Basic Bongo“ 8b+
„Basic Bongo“ befindet sich am Rottachberg im Allgäu und wurde vor einigen Jahren nach diversen Griffausbrüchen von 8b/8b+ auf nun glatt 8b+ aufgewertet. Der Nagelfluh/Konglomerat, zusammengebackene Flußkiesel, bietet und fordert eine ganz spezielle Art der Kletterei. Man klettert meist an abschüssigen und Runden Kieseln verschiedener Größe, oder den Löchern oder Dellen, die nach Ausbruch der Steine übrig bleiben. Einige Kiesel mussten mit Zement stabilisiert werden um der Schwerkraft nach unten und der Gewalt der Kletterer Stand zu halten.
Die Anforderung der Route:
Die Route zieht durch den zentralen Überhang des Massives und bildet für mich eine der besten Linien an dieser Wand. Nach lockeren Einstiegsmetern kann man bevor es steil wird nochmal rasten. Von hier geht es aber sofort zur Sache und Ruhepunkte sind Fehlanzeige. Nach dem Einstiegsboulder geht es mit weiten Zügen an abschüssigen Griffen direkt zur Schlüsselstelle in der Mitte der überhängenden Headwall. Hier warten zwei knallharte Boulderzüge, bei denen nur ansatzweise gepumpte Arme das sofortige Aus bedeuten. Ein weiter Blocker aus einem kleinen Zweifingerloch auf eine kleine Leiste und diese verlängern auf die nächste kleine Leiste. Nur wenn man diese optimal erwischt, kann man den folgenden Blocker zur nächsten Leiste meistern. Danach ist es aber noch nicht vorbei und es folgen einige sehr weite Züge an abschüssigen Griffen, wobei die Füße immer geradeso auf den Tritten stehen bleiben. Über die letzten 4 Meter wird es dann wieder etwas leichter, jedoch steckt der Pump noch in den Armen und es bleibt schwer sich über die großen, aber abschüssigen Kiesel bis zum Umlenker hoch zu kämpfen.
Die Hürde zum Durchstieg:
Beim Versuchen der Route war die Hürde immer der erste Schlüsselzug, da ich die Leiste nie optimal erwischt habe. Eigentlich habe ich erwartet, dass mich danach spätestens einer der weiten Spannungszüge abwirft falls ich einmal den ersten Schlüsselzug meistern sollte. Völlig überraschend war ich weniger gepumpt als angenommen, als der Schlüsselzug zum ersten Mal von unten kommend funktionierte. Ich konnte mich mit aller Kraft und Konzentration über den nächsten Zug und die weiten Spanner bis zum etwas leichteren Teil kämpfen und blieb erstaunlich frisch in den Armen. Jetzt zum Umlenker klettern, die letzten Züge noch ein letztes Mal kontrolliert durchführen, war jetzt fast nur noch Formsache und mit einem Jubelschrei konnte ich den Umlenker einhängen und damit meine erste offiziell bestätigte 8b+ klettern.

Martin Wagner in „La Pesta Nera“ 8b+ in Baratro
Der zweite Streich „La pesta nera“ 8b+
„La pesta nera“ befindet sich in Baratro, auf der anderen Seit der Alpen an der Grenze zwischen Slowenien und Italien, oberhalb von Triest. Ehemals 8c wurde die Route auf 8b+ abgewertet, da ein paar Locals mit der schnellen Begehung von Maja Vidmar nicht leben konnten. Baratro ist ein einseitig offenes Karstloch einer zusammengefallenen Höhle, welches die überhängende Kalkwand mit Leisten und einzelnen Sintern bildet. Die Ausrichtung und Formation der Wand bietet meist kühlere Bedingungen als sonst ortsüblich, bleibt aber trotzdem extrem abhängig von Wind und Wetter, um gute Bedingungen zu erreichen.
Die Anforderung der Route:
Die Route zieht durch eine im Schnitt 30° überhängende Wand im Zentralteil des Massivs über 27m nach oben. Die Crux dieser Route ist diesmal kein harter Boulder, sondern der harte Kampf mit der Ausdauer vom ersten bis zum letzten Zug. Zwar gibt es nach dem ersten steilen Drittel einen Knieklemmer zum Rasten, allerdings geht es dann ohne Ruheposition bis zum Umlenker. Die Einzelzüge sind nicht extrem schwer, aber die Griffe immer so schlecht und ungünstig angeordnet, dass man ständig Spannung halten muss und keine Möglichkeit hat sich zu erholen. Auf Wandmitte wartet einer der technisch schwersten Bewegungen dynamisch von einer winzigen Leiste an einen offenen Sinter. Weiter über anstrengende Spannungszüge erreicht man dann einen nochmals steileren Teil mit harten Moves. Ein weiter Überkreuzblocker, einige Campusboardzüge, der Aufspanner und Überkreuzer nach links sind der Totalangriff auf die Ausdauer. Die gesamte Route muss präzise und effizient geklettert werden, um genügen Energiereserven für die letzten Züge zu haben.
Die Hürde zum Durchstieg:
Die Hürde bei dieser Route war nach einiger Projektphase immer der Kampf mit den letzten Zügen, nachdem man sich durch den unteren Teil der Route gequält hat. Selbst das Auslassen einiger Haken hatte nicht ausgereicht um genügend Restkraft für die finalen Bewegungen zu haben. Weite Stürze gab es dafür einige. Eine weitere Hürde war die räumliche Entfernung des Projekts, sowie die häufig schlechten Bedingungen. Regelmäßiges Projektieren der Route gab es nur in Kombination mit etlichen Stunden auf der Autobahn und dem Aushalten sommerlicher Hitze oder nassem Fels nach zahlreichen Gewittern. Am Ende war die größte Hürde neben der Ausdauer und den Bedingungen der Durchstiegsdruck. Etliche Male fiel ich an den letzten schweren Zügen und ich entwickelte einen Mindfuck, der mich vom Durchstieg hinderte. Völlig entnervt, erschöpft und ohne die Kraft noch ein weiteres mal 100% Konzentration zu geben und mich bis zum Maximum zu quälen, gab ich nach zwei miserablen Versuchen am letzten Tag die Route für dieses Mal auf und kletterte lieber eine andere Route. Irgendwie kam es dazu, dass ich doch nochmal in La pesta nera eingestiegen bin, ohne Erwartungen und Hoffnungen. Genau die Situation die ich gebraucht habe. Konzentration 200%, Bedingungen nicht schlecht, und ohne Fehler bis zur entscheidenden Stelle. Bis ich realisiserte, dass es jetzt ernst wurde und ich meine Chance habe die letzten harten Züge zu schaffen, war es auch schon vorbei und ich konnte mit einem Freudeschrei den Umlenker einhängen.








